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Norbert Hesch

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Mit Jean-Marie und Colette Dumaine

Norbert Hesch (* 28. Juni 1944[1] in Olsbrücken bei Kaiserslautern) (CDU) war von 1983 bis Ende 2001 Bürgermeister der Stadt Sinzig - als unmittelbarer Nachfolger von Heinrich Holstein und unmittelbarer Vorgänger von Wolfgang Kroeger.


Vita

Norbert Hesch ist am 28. Juni 1944 in Olsbrücken bei Kaiserslautern geboren worden. Als junger Mann war er Mitglied des Bezirksvorstands Pfalz der Jungen Union; Vorsitzender war zu dieser Zeit der spätere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Bundeskanzler Helmut Kohl. Hesch arbeitete als Büroleiter, bevor er am 16. Oktober 1974, im Alter von 29 Jahren, zum Bürgermeister der erst kurz zuvor gegründeten Verbandsgemeinde Maikammer an der Deutschen Weinstraße gewählt wurde. Dort arbeitete Hesch bis 1983, bis zu seinem Wechsel nach Sinzig, wo er den damals in Trier lebenden und 2011 verstorbenen Heinrich Holstein ablöste. Im März 1993, nach Ablauf seiner ersten Amtsperiode, ist Hesch, Vater zweier Kinder, vom Stadtrat Sinzig für eine weitere Amtsperiode gewählt worden - als einer der letzten Bürgermeister im Land, die nicht urgewählt wurden. Mit 15 zu elf Stimmen setzte er sich damals gegen seinen Kontrahenten Wolfgang Groß (SPD) durch.[2]

Zum Jahresende 2001 ging Norbert Hesch in den Ruhestand. Wolfgang Kroeger wurde sein Nachfolger. Als eine der Hauptaufgaben seines Nachfolgers sah Hesch bei seinem Ausscheiden als Bürgermeister „die Realisierung, Etablierung und Vernetzung der Bonn- Berlin-Ausgleichsprojekte“, wie er in einem Interview mit der Rhein-Zeitung sagte. Während seiner Amtszeit gab es 739 Stadtrats- und Ausschuss-Sitzungen mit rund 11.500 Tagesordnungspunkten, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – von Hesch geleitet wurden. Er war mit verantwortlich für ein addiertes Haushaltsvolumen von 985 Millionen D-Mark. Bei Heschs Abschied war die Stadt mit mit knapp 14 Millionen D-Mark verschuldet. Das waren weniger als 800 Mark pro Kopf und damit deutlich weniger als der Landesdurchschnitt. Dem gegenüber standen eine Barreserve von vier Millionen und Baugrundstücke im Wert von acht Millionen D-Mark. „Ich hinterlasse also eine fast schuldenfreie Stadt, was ich für meine größte Leistung halte“, zog Hesch Bilanz. Das sei Voraussetzung dafür, dass die Probleme der Stadt bei weiterer kluger Haushaltspolitik finanzwirtschaftlich bewältigt werden können.

Rat, Verwaltung und Bürgermeister legten in den Jahren vor Heschs Abschied besonderes Gewicht auf der Erneuerung des Sinziger Stadtkerns und der Dorfkerne in den Stadtteilen. Nun komme es „weiter darauf an, dass wir uns nicht nur in Neubaugebiete hinein entwickeln, sondern auch die historische Substanz erhalten und entwickeln“, sagte Hesch. 14 Millionen D-Mark öffentliche Gelder wurden während seiner Amtszeit in diesen Bereich investiert, neun Millionen davon steuerte der Staat bei.

Im Gewerbe- und Industriepark Sinzig wurden während Heschs Amtszeit 35 Hektar Fläche neu erschlossen. Grundstückskäufe und Erschließung kosteten die Stadt Sinzig damals sehr viel Geld. Aber die Investitionen hätten sich gelohnt, so Heschs Bilanz, denn es sei gelungen, dort 30 Betriebe mit etwa 250 Arbeitsplätzen neu anzusiedeln.

Als Erfolg wertete Hesch auch, dass Sinzig zusammen mit den Nachbar-Kommunen ein zentrales Klärwerk, die Kläranlage Sinzig, gebaut hat. 140 Millionen D-Mark wurden während Heschs Amtszeit in diese Anlage am Grünen Weg und in das System der dorthin führenden Abwassersammler investiert. Leider sei es nicht gelungen, als Pendant zum Abwasser-Zweckverband „Untere Ahr“ in der Goldenen Meile eine überregionale Wasserversorgung aufzubauen. Für ein Großwasserwerk sei in den Räten keine Mehrheit zu bekommen gewesen. Das müsse um so mehr verwundern, als sich die Gemeinden, um deren Beteiligung es damals ging, später an eine Mega-Wasserversorgung anhängten, an den Wahnbachtalsperrenverband.

In den 1980er Jahren sei es gelungen, das städtische Altenheim, das heutige Seniorenheim Johanniter-Haus, zu privatisieren, das anschließend für 12 Millionen D-Mark erneuert und erweitert wurde. Außerdem zog die Stadtverwaltung von der Barbarossastraße 43 (heute Haus der offenen Tür) in das komplett sanierte und umgebaute Rathaus am Kirchplatz um. Am Ende von Heschs Amtszeit war die Stadt Sinzig außerdem größter kommunaler Kindergartenträger im Kreis Ahrweiler.

Während seiner Amtszeit habe die Stadt die Bedingungen für den Einzelhandel verbessert, so Hesch weiter. Die Innenstadt habe ein ganz neues Bild bekommen, sei attraktiver geworden und es seien zusätzliche Parkplätze geschaffen worden. Trotzdem müsse man klar sehen, „dass die Grüne Wiese gewonnen hat“. Hesch monierte: „Die ungünstigen Rahmenbedingungen für den Sinziger Einzelhandel harmonieren im übrigen in keiner Weise mit den ortsüblichen Mietpreisen für Ladenlokale, die auf dem Niveau von Städten wie zum Beispiel Kaiserslautern liegen.“

Mit Hilfe des einige Jahre zuvor umgesetzten neuen Verkehrskonzepts für die Innenstadt sei es gelungen, viel Durchgangsverkehr aus dem Stadtkern heraus zu holen. Wenn Sinzig aber eine komplett autofreie Innenstadt hätte, wären die Probleme des Einzelhandels noch stärker, war Hesch überzeugt.

Der Bonn-Berlin-Umzugsbeschluss vom 20. Juni 1991 war während seiner Amtszeit „sicherlich die größte Zäsur für Sinzig und für die gesamte Region, die bis dahin im Speckgürtel der Bundeshauptstadt nicht schlecht gelebt hatte.“

Trotz enormer Anstrengungen und großer Unterstützung vor allem durch Dr. Dieter Thomae sei es, so Hesch, „zu meinem großen Bedauern auch nicht möglich gewesen, Bad Bodendorf als Kurort so zu entwickeln, wie es hätte sein sollen.“ Das Projekt sei nicht an Grundstücks-, Erschließungs- und Investoren-Fragen gescheitert; vielmehr sei es „nicht gelungen, einen Betreiber für eine Klinik, beispielsweise eine Krankenkasse oder einen Sozialversicherungsträger, zu finden.“ Nur mit einem solchen Betreiber aber wäre die Stadt Sinzig in der Lage gewesen, eine Therme zu bauen. Weiter bedauerte er, dass es sich in der Politik nicht durchsetzen ließ, das Sinziger Schloss zu einem Bürgerhaus zu erweitern.

Heschs Nachfolger Wolfgang Kroeger werde „eine wichtige Rolle bei der Etablierung des Ausgleichsprojekts Innovations- und Gründerzentrum im Gewerbe- und Industriepark Sinzig spielen müssen. Dessen Vernetzung mit dem RheinAhrCampus Remagen und dem Innovationspark Rheinland auf der Grafschaft sei eine große Aufgabe. Außerdem legte Hesch seinem Nachfolger die Sanierung des Bahnhofs, den Ausbau von Kaiserplatz und Ausdorferstraße sowie Regionale Schule und Ganztagsschule ans Herz.

Das Schöne am Bürgermeisterberuf sei „der große Querschnitt an Aufgaben, für die man zuständig ist - vom Standesamt bis zur Kläranlage.“ Außerdem lerne ein Bürgermeister sehr viele interessante und hervorragende Persönlichkeiten kennen, was ihn selbst weiter bringe. Ein Nachteil, den ein Bürgermeister in Kauf nehmen müsse, sei, dass er „ein Privatleben nur sehr eingeschränkt entfalten“ könne. Und für zeitaufwendige Hobbys bleibe ihm keine Zeit. Die Rhein-Ahr-Rundschau schrieb zu Heschs Auffassung vom Bürgermeister-Amt:

Die Bezeichnung „Kommunalpolitiker vom alten Schlag“ schmeichelt Hesch. „Ich war immer der Meinung, mein Geld verdienen zu müssen. Als Moderator wäre ich überbezahlt“, kommentierte er Vergleiche zu Bürgermeistern, die nach der Ur-Wahl ins Amt kamen und ankündigten, sie seien nur dazu da, Aufträge des Rates auszuführen. „Das ist äußerst fahrlässig“, warnt Hesch. Ein Bürgermeister hat Probleme zu sehen, sie zu definieren und Lösungsvorschläge zu unterbreiten. So gibt es die rheinische Bürgermeisterverfassung vor.“ So sah sich Hesch als Chef der 161 Verwaltungsmitarbeiter, aber auch als Ideengeber: „Die Verwaltung muss den Rat fachlich informieren.“ Die Direktwahl hält Hesch für nachteilig: „Die Bevölkerung ist nicht über den Qualitätsanspruch dieses Amtes informiert. Urgewählte Bürgermeister und Landräte neigen zum Populieren. Die stehen dann drei Mal täglich in derselben Zeitung.“[3]

Die „wahren Helden der Kommunalpolitik“ seien nicht die Bürgermeister, sagte Hesch, sondern die Mitglieder von Räten und Ausschüssen. „Ich wurde als Bürgermeister bezahlt, auch wenn das gute Gehalt oft Schmerzensgeld war. Die Ratsmitglieder machen ihre Arbeit ehrenamtlich und mussten oft genug Prügel einstecken.“ Dass er als Bürgermeister allgemein als Karnevalsmuffel verschrien sei und dass die Sinziger Jecken das auf Heschs Wurzeln in der Pfalz zurückführten, wies er energisch von sich.[4]

Am Donnerstag, 6. Dezember 2001, wurde Hesch im Rahmen einer Veranstaltung mit fast 400 Gästen im Saal der Caritas-Werkstätte „St. Elisabeth“ an der Kripper Straße in Sinzig verabschiedet. Heschs Verdienste würdigten dort Manfred Seefeld, Vorsitzender des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz, Dr. Dieter Thomae für die Abgeordneten des Kreises Ahrweiler, Landrat Dr. Jürgen Pföhler, Hubert Kolvenbach für die Bürgermeisterkollegen im AW-Kreis und Lorenz Denn für den Abwasser-Zweckverband „Untere Ahr“. Landrat Pföhler lobte, Hesch hinterlasse seinem Nachfolger ein wohlbestelltes Feld, und er zeichnete ihn mit dem Wappenteller des Landkreises Ahrweiler aus, der höchsten Auszeichnung, die der Kreis zu vergeben hat. Lorenz Denn bescheinigte: „Hesch hat den Apparat, wie er die Kläranlage stets nannte, und den Zweckverband blendend in Schuss gebracht. Auch wenn die Arbeit offiziell ehrenamtlich lief, kann ich als sein Stellvertreter ermessen, welcher Aufwand dahinter steckte und welchem enormen Druck er sich ausgesetzt sah.“ Auch André Hentz, Bürgermeisterkollege aus der französischen Partnerstadt Hettange-Grande, Stadträtin Pia Wasem und Franz Nürenberg als Vorsitzender des Personalrates im „Unternehmen Rathaus“ ließen Heschs Wirken Revue passieren. Pia Wasem erinnerte an Kindergartenneubauten und den Umbau des Rathauses. Die Beigeordneten Charlotte Hager, Ingo Terschanski und Gunter Windheuser hatten die Abschiedsveranstaltung mit dem Ältestenrat des Stadtrats geplant. Der Organist und Komponist Peter Bares improvisierte am Flügel und endete mit einer Phantasie über die Noten H, E, S, C und H. Ein Abschiedsgeschenk überreichte Michael Kröselberg, Direktor der Caritas-Werkstätte, eine Ruhebank aus Holz, die von den Schreinern seines Hauses hergestellt worden war. Rainer Urbanke und Dieter Valnion hatten ein Videoporträt aufgezeichnet, in dem sie an die besonderen Leistungen des Bürgermeisters erinnerten und für das sie Stellungnahmen von zahlreichen Mitstreitern aufgezeichnet hatten. Dank galt bei der Abschiedsfeier auch der „Frau an seiner Seite“: Hedi Hesch wurde mit Blumen bedacht.[5]

Zur Überraschung Vieler kehrte Hesch nach seiner Pensionierung nicht in seine pfälzische Heimat zurück, sondern er blieb in Sinzig.

Funktionen

Veröffentlichungen

Norbert Hesch: Der Stadtkern Sinzig in neuem Glanze, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1994

Mediografie

Fußnoten

  1. Quelle: Namhaft: Norbert Hesch, in: Rhein-Zeitung vom 29. November 2001, Seite 14
  2. Quelle: Anton Simons: „Im Rathauskeller sind keine Leichen versteckt“ – Nach mehr als 18 Dienstjahren als Bürgermeister von Sinzig räumt Norbert Hesch in vier Wochen den Chefsessel im Rathaus - Zur Überraschung Vieler bleibt der Pfälzer in Sinzig (Interview), in: Rhein-Zeitung vom 29. November 2001
  3. Quelle: Manfred Reinnarth: Der Sinziger Bürgermeister Norbert Hesch nimmt seinen Hut – Für die Ratsmitglieder empfindet er Hochachtung: „Sie sind die wahren Helden“, in: Rhein-Ahr-Rundschau vom 29. November 2001 (Nr. 277)
  4. Quelle: Bernd Linnarz: Die Ära Hesch geht nach 18 Jahren zu Ende - Heute offizielle Verabschiedung des Sinziger Stadtchefs - Keine graue Eminenz im Hintergrund - “Ich bleibe in Sinzig” - Wolfgang Kroeger tritt seine Nachfolge an, in: General-Anzeiger vom 6. Dezember 2001
  5. Quellen: Dienstältester Bürgermeister des Kreises verabschiedet - Großer Bahnhof für Norbert Hesch - 400 Gäste waren zur offiziellen Verabschiedung gekommen - Peter Bares und das Duo ConGlosa boten musikalische Umrahmung - Französischer Bürgermeisterkollege überreichte Skulptur “Der Dirigent”, in: Sinziger Zeitung Nr. 50/2001, S. 4, und Ein Pfälzer setzte im Rheinland bleibende Zeichen – Bürgermeister Norbert Hesch wurde mit großem Bahnhof aus dem Amt verabschiedet - Caritas-Werkstätte überreicht Ruhebank - "Viele Jahre zusammen schwer malocht", in: Rhein-Zeitung vom 8. Dezember 2001