Villa Lucia (Niederbreisig)

Aus AW-Wiki

Villa Lucia M.jpg
Villa Lucia.jpg
Im ehemaligen Kutscherhaus befindet sich heute eine Arztpraxis.
Ehemaliges Kutscherhaus an der B 9

Der Komplex aus der 1910 fertiggestellten Jugendstilvilla Lucia - an der Koblenzer Straße (Bundesstraße 9) am Ortsausgang von Bad Breisig in Richtung Brohl gelegen -, dem zugehörigen ehemaligen Kutscherhaus und Resten der Parkanlagen genießt als Denkmalzone Ensembleschutz. Die Fassade der Villa besteht aus sandfarbenen Tuffquadern und ähnelt deshalb der Fassade der wenige Jahre zuvor 200 Meter südöstlich gebauten evangelischen Christuskirche


Standort

Die Karte wird geladen …

Baubeschreibung

Caro Schmitz-Avila beschrieb:

Hinter dem Hauptportal lagen neben einer geräumigen Diele im Erdgeschoß Schlafzimmer für den Hausherren und Gäste sowie zum Park hin das Speisezimmer und die Terrasse. Die Zimmer für Mutter und Tochter befanden sich im Obergeschoß mit

weiteren Gästezimmern hier und im Dachgeschoß, das auch vier Zimmer für Dienstboten enthielt. Es gab fünf Badezimmer und acht Closetts im Haus sowie eine Telefonzelle in der Diele.[1]

Und Baudirektor Veit Geißler vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz beschrieb die 800 Quadratmeter Wohnfläche, fünf Badezimmer, acht Closetts und eine Telefonzelle in der Diele bietende dreistöckige Villa im Vorfeld der Unterschutzstellung als Baudenkmal:

Die ausladenden großzügigen äußeren Umrisse binden sich in eine Zweigeschossigkeit mit eingeschossigem Portalvorbau und einer rückwärtigen säulengetragenen Terrasse. Die Hauptfassaden sind symmetrisch orientiert und unterliegen einer strengen Vertikalgliederung der Fensterteilungen. Alle Fassaden überzieht eine Tuffquaderung mit eingesprengten Bossenquadern. Besondere Architekturteile sind durch figürliche und ornamentale Plastiken geschmückt. Sie zeigen kräftige körperhafte Formen. Die Innenarchitektur ist durch eine qualitätsvolle Ausbildung charakterisiert. Das zentrale Treppenhaus entspricht in seiner Großzügigkeit der Außenarchitektur.[2]

Chronik[3]

Das Mittelrheintal zog bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts reiche Kaufleute und Industrielle an - vom Niederrhein, aus dem Kölner Raum und dem Ruhrgebiet. Im milden Klima und der romantischen Landschaft suchten sie, vor allem während des Sommers, Zuflucht vor dem hektischen Stadtleben. Zu diesen repräsentativen „Zweitwohnsitzen“, die meist in parkähnlichen Anlagen errichtet wurden, gehörten in der Regel Nebengebäude für Verwaltung, Gäste, exotische Pflanzen, Pferde und Kutschen. So entstand ab etwa 1860 auch in Niederbreisig eine „Villenkolonie“, wie Caro Schmitz-Avila im Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler für das Jahr 2013 schrieb. Sie erstreckte sich zwischen der damaligen Coblenzer Chaussee (B 9) und dem Rhein in Richtung Norden bis zum heutigen Seniorenzentrum „St. Josef“ und südlich bis zum Bahnhof. Die Grundstücke dieser herrschaftlichen Anwesen, die später auch als Altersruhesitze dienten, gingen mitunter ohne Abtrennung durch Hecken oder Mauern mit einer weitläufigen Wegeführung ineinander über. Die meisten dieser Niederbreisiger Villen wurden abgerissen. Die Villa Lucia aber blieb verschont.

Am Standort der Villa Lucia und im Bereich des sie umgebenden Parks zwischen Koblenzer Straße und Rhein hatten die aus Königswinter stammenden Steinmetzbetriebe Peter Josef und Franz Bachem ab 1830 florierenden und fast schon industriellen Steinmetzbetrieb aufgebaut. Später räumte dieser Steinmetzbetrieb diesen Standort und wechselte in die Nähe des Güterbahnhofs jenseits der neu gebauten Linken Rheinstrecke. An seinem ehemaligen Standort wurden die Villa Lucia gebaut und der sie umgebende Park angelegt.

In den Jahren 1908/09 baute der Kölner Architekt Franz Brantzky (1871-1945) die Villa Lucia samt zugehörigem Kutscherhaus und den Parkflächen. Unter Brantzkys Aufsicht wurden sämtliche Bauarbeiten von dem Bonner Bauunternehmen Heinz Krämer ausgeführt. Bauherr der Villa war Hugo Knops († 1920 in Aachen), der wohlhabende Sohn des Aachener Industriellen Aloys Knops, dessen Tuchfabrik, an der Hugo Knops beteiligt war, 1833 gegründet worden war und bis 1960 bestand.

In seinem Baugesuch beantragte Knops neben der Erlaubnis für den Bau der Villa auch ein Gewächshaus, eine Remise, einen Tennisplatz und ein Tor am Rheinufer sowie die Einfriedung der gesamten Anlage. Am 8. April 1908 wurde die Baugenehmigung erteilt. Der Rohbau wurde bereits am 21. Januar 1909 abgenommen, die Schlüsselübergabe für das 300.000 Goldmark teure Projekte folgte am 23. März 1910.

Während der Weltkriege ging vieles vom einstigen Glanz des Anwesens verloren: Einst gehörten Tennisplätze, ein Pavillon, ein Obstgarten und ein Gärtnerhaus sowie Bootsanleger und Gewächshäuser zu dem 2,4 Hektar großen Areal. Der ehemalige Tanzplatz ist zum Teil erhalten.

Nachdem Hugo Knops 1920 in Aachen und seine Gattin im Jahr 1943 in Niederbreisig verstorben waren, erbte Tochter Emmy (1888-1971) das Anwesen.

Wie bereits nach dem Ersten Weltkrieg diente die Villa 1945 erneut der amerikanischen Besatzung als Dienstgebäude. 1949 verpachtete Emmy Bödiker die Villa mit Vorkaufsrecht an die Gemeinde Bad Breisig. Sie nutzte die Villa als „Haus des Kurgastes“ und veranstaltete dort Konzerte, Lesungen und Ausstellungen. Später wurde das Gebäude als Pension genutzt.

Die Stadt Bad Breisig erwarb später das gesamte Gelände. Zunächst plante sie, das Rathaus dorthin zu verlegen, dann den Abriss des Gebäudes und dessen Neubebauung. Im Jahr 1980 verkaufte sie den größten Teil des Areals mit sämtlichen Gebäuden an eine Baugesellschaft. Lediglich der untere, zum Rhein gelegene Teil des Parks blieb im Besitz der Stadt, bis er im Jahr 2000 von einem Miteigentümer der Villa Lucia erworben wurde. Er verpflichtete sich, um Villa und Restpark zu erhalten, diesen Teil nicht zu bebauen. Ein privater Investor baute dann am Bödikerweg einen Wohnpark, der im Volksmund auch „Breisiger Oper“ genannt wird. Unter Einbeziehung der Denkmalpflegebehörden wurde die Villa in Eigentumswohnungen umgewandelt und restauriert. Auch das ehemalige Kutscherhaus wurde saniert.

Im Jahr 1981 wurde die Villa samt Park und Kutscherhaus unter Denkmalschutz gestellt. Villa und Park stellten eine „historisch gewachsene Einheit“ dar, heißt es in der Begründung. Das im Jugendstil errichtete Villengebäude sei eines der „reifsten und gelungensten Werke des Architekten“. Beispiele von gleicher Qualität ließen sich im Lande nicht finden. Die Villa sei ein kennzeichnendes Merkmal von Bad Breisig. Das auf die Villa bezogene Achsensystem und die Symmetrie des Parkes mit seinem wertvollen Baumbestand seien von hoher kunst- und gartengeschichtlicher Bedeutung.

Im Jahr 1998 kaufte Dr. Claudia Schmitz-Avila das Kutscherhaus und richtete sich eine Arztpraxis darin ein.

Unterschutzstellung

Die Villa Lucia gilt als eines seiner reifsten und gelungensten Werke des Architekten Franz Brantzky. Deshalb wurde das ortsbildprägende Bauwerk im Jugendstil im Ensemble Kutscherhaus und Park auch unter Denkmalschutz gestellt. Die Rechtsverordnung der Denkmalzone „Villa Lucia mit Park“ trat am 23. Februar 1981 in Kraft.

Die Villa sei „ein herausragendes Jugendstilbauwerk in Rheinland-Pfalz und wird als solches in der Tradition der berühmten Architekten Olbrich und Behrends gesehen.“[4]

Siehe auch

Mediografie

Weblink

Wikipedia: Villa Lucia (Bad Breisig)

Fußnoten

  1. nach: Caro Schmitz-Avila: Die Jugendstilvilla Lucia in Bad Breisig, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2013, Ahrweiler 2012, Seite 108-111 (pdf)
  2. nach: Caro Schmitz-Avila: Die Jugendstilvilla Lucia in Bad Breisig, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2013, Ahrweiler 2012, Seite 108-111 (pdf)
  3. Quellen: Walter Fabritius: Die alten Breisiger – Plaudereien aus der Geschichte der Quellenstadt in 53 Aufsätzen, mit zahlreichen Illustrationen von Karl-Heinz Ziebarth, 208 Seiten, Eigenverlag 2007, S. 170, und Caro Schmitz-Avila: Die Jugendstilvilla Lucia in Bad Breisig, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2013, Ahrweiler 2012, Seite 108-111 (pdf)
  4. Quelle: Caro Schmitz-Avila: Die Jugendstilvilla Lucia in Bad Breisig, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2013, Ahrweiler 2012, Seite 108-111 (pdf)