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Klaus Neufang

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Der Vorstand der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Rhein-Ahr e.V. nach der Mitgliederversammlung vom Juni 2016: Falko Ritter (von links), Pastor Friedemann Bach, Imad Mado, Werner Rex, Heinz Söndgen, der zum Ehrenvorsitzenden gewählte Klaus Neufang, Maria Müller und Pélagie Wurms
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Der in Bad Bodendorf wohnende evangelische Pfarrer i.R. Klaus Neufang war von der Vereinsgründung im Jahr 1996 bis Juni 2015 Vorsitzender der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Rhein-Ahr e.V..


Kontakt

Vita

Eine Kirche, die viel redet und wenig tut, ist für Klaus Neufang ein Gräuel. Tatenlosigkeit sei aber auch für viele junge Menschen, die er als Schulpfarrer in Bad Neuenahr-Ahrweiler unterrichtete, das Hauptargument gegen die Kirche gewesen. Als evangelischer Geistlicher zog Neufang die Konsequenz: Seit der Gründung im Jahr 1996 engagierte er sich fast 20 Jahre lang als Vorsitzender der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Rhein-Ahr e.V.

Neufang setzte sich dafür ein, dass die Asylanten während ihres Aufenthaltes in Deutschland in Würde und ohne Angst leben können. Wenn es zur Abschiebung kam, obwohl sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, machte sich Neufang dafür stark, dass die Abschiebung möglichst sanft gestaltet und dass den Abgeschobenen eine Perspektive für die persönliche Zukunft eröffnet wurde. Die Motivation für dieses Engagement bezog Neufang auch aus der christlichen Einstellung des Mitleidens, nach der jeder Mensch wie ein Bruder oder eine Schwester zu behandeln ist, sowie aus dem christlichen Gebot der Fremdenliebe gegenüber Menschen, die keine Lobby haben.

Zu Neufangs Aufgaben gehörten auch die Vereinsfinanzen. Daneben recherchierte er Informationen über die Herkunftsländer der Flüchtlinge und leitete sie an die Beamten weiter, die über Anerkennung oder Ablehnung der Bewerber zu entscheiden hatten. Um sich über die Situation der Flüchtlinge in den Heimatländern zu informieren, verfügte er über ein solides Netz an Referenten; außerdem hatte er Beziehungen zu einer ganzen Reihe von Dolmetschern.

Auch für Hausbesuche war Neufang zuständig. „Wir nehmen uns Zeit für die Asylbewerber“, sagte er einmal, „und wir kümmern uns darum, dass diese Menschen hier in Deutschland unter akzeptablen Bedingungen wohnen können.“ Weil dadurch Vertrauen wachse, würden sich die Menschen öffnen und von ihren Flüchtlingsschicksalen erzählen.

Neufang wurde 1940 in Düsseldorf geboren. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in Brühl, bevor er mit seiner Familie nach Köln zog, wo er Abitur machte. Nach zwei Jahren als Pfarrer zur Anstellung in Meddersheim bei Sobernheim an der Nahe war er zehn Jahre lang, von 1970 bis 1980, Pfarrer in Dormagen. 1968 heiratete er. Tochter Christiane wurde evangelische Pfarrerin im Kölner Stadtteil Ossendorf, Sohn Jörg arbeitete als Arzt in der chirurgischen Klinik in Garmisch. Von 1980 bis 1991 war Klaus Neufang Schulpfarrer am Staatlichen Are-Gymnasium Bad Neuenahr und am Peter-Joerres-Gymnasium Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Als Klaus Neufang nach seinem Wechsel in den Ruhestand seine Dienstwohnung im Pfarrhaus an der Wolfgang-Müller-Straße in Bad Neuenahr verlassen musste, in der er viele Jahre lang gewohnt hatte und in der seine beiden Kinder aufgewachsen waren, zog er mit seiner Frau in das kleine Neubaugebiet am Heinrich-Lersch-Weg in Bad Bodendorf um. Neben seiner Arbeit für die Flüchtlingshilfe hielt er Vorträge über den Dialog der Religionen, über Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Schiiten, Sunniten und Aleviten, über Buddhismus, über den Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer sowie über Menschenrechtsfragen. Neufang war außerdem als Gasthörer im Fach Menschenrechte an der Uni Bonn eingeschrieben. Wenn dann noch Zeit blieb, las er Grass, Böll, Dostojewski und Tolstoi. Außerdem bemühte er sich, theologisch am Ball zu bleiben, insbesondere was den Dialog der Religionen betrifft.

Auszeichnungen

Juni 2015: Wahl zum Ehrenvorsitzenden der Flüchtlingshilfe

Bei einer Mitgliederversammlung der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Rhein-Ahr e.V. im Juni 2015 in Bad Neuenahr verabschiedete sich Neufang aus dem Amt des Vorsitzenden, das er seit der Gründung des Vereins innehatte. Werner Rex, der zu seinem Nachfolger gewählt wurde, sagte, Klaus Neufang habe mit der Gründung des Vereins einen wichtigen Grundstein gelegt: „Mit viel Weitblick haben Sie damals gehandelt. Gelder mussten aufgenommen werden, um die Vereinsziele umsetzen zu können, was vor allem mit finanzkräftiger Unterstützung der evangelischen Kirchengemeinde gelang. Heute steht der Verein wirtschaftlich gut da“ und beschäftigt mit Hans-Joachim Dedenbach einen festangestellten Mitarbeiter. Für Klaus Neufang war es „ganz toll ist zu erleben, wie nach anfänglichen Schwierigkeiten heute Ökumene gelebt wird.“ In seiner Abschiedsrede blickte Neufang auf viele Jahre im Verein zurück, den er über drei Jahrzehnte maßgeblich mit prägte. Die Aufgaben des Vereins hätten sich immer wieder verändert. Aktuell stehe die Familienzusammenführung im Vordergrund. Die Hilfe bei der beruflichen Integration stelle einen weiteren wichtigen Schwerpunkt dar, ebenso die differenzierte Unterstützung und Beratung nach der Ankunft der Flüchtlinge in Deutschland. Zu den Aufgaben zählte er u.a. ehrenamtlich erteilten Deutschunterricht, die Koordinierung von Sachspenden und Hilfe bei der Wohnungssuche. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Neufang zum ersten Ehrenvorsitzenden des Vereins gewählt.[1]

September 2015: Ehrung durch Stadt und Kreis

Im September 2015 wurde Klaus Neufang im Sinziger Schloss von der Stadt Sinzig und vom Kreis Ahrweiler für sein herausragendes Engagement geehrt. Teilnehmer der Feierstunde, zu der Bürgermeister Wolfgang Kroeger eingeladen hatte, waren Landrat Dr. Jürgen Pföhler, der Landtagsabgeordnete Guido Ernst, der Kreisbeigeordnete Friedhelm Münch, Sinzigs Beigeordnete Charlotte Hager und Bernd Kriechel, die Ortsvorsteher Alexander Albrecht, Karl-Heinz Arzdorf und Wolfgang Kistner sowie SPD-Fraktionssprecher Hartmut Tann und Werner Rex. „Wenn mir eine Sache missfällt, so lass' ich sie liegen oder mache sie besser“ – mit diesem Goethe-Ausspruch wies Bürgermeister Kroeger in seiner Laudatio darauf hin, dass Klaus Neufang mit seinem Können und Wissen seit vielen Jahren etwas besser mache, was von größter Bedeutung ist: die Behandlung und Betreuung Not leidender und Asyl suchender Menschen. Kroeger hob die praktische und unkomplizierte Art hervor, mit der Neufang ein deutliches Zeichen gegen Ausgrenzung und für Mitmenschlichkeit setze. Mit der ihm eigenen Beharrlichkeit und Konsequenz habe der Bad Bodendorfer stets die Menschen und die Sache im Fokus. Kroeger bezeichnete den Ruhestand-Pfarrer als Vorbild für viele Menschen in Stadt und Kreis. Landrat Pföhler lobte die „geradezu visionäre Gründung“ der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Rhein-Ahr e.V. fast zwei Jahrzehnte zuvor. Die Ökumenische Flüchtlingshilfe sei eine wertvolle Stütze der Kreisverwaltung, die hochprofessionell arbeite und dazu beitrage, dass der Kreis Ahrweiler Flüchtlinge und Asylbewerber mit einer gelebten Willkommenskultur empfangen könne. Klaus Neufang bedankte sich für die Ehrung, sah diese aber weniger für seine Person, sondern vielmehr für den Flüchtlingshilfe-Verein und die vielen Mitglieder, die seit Vereinsgründung und auch schon vorher aktiv waren. Er dankte für die gute Kooperation mit Stadt und Kreis und kündigte gleichzeitig an, auch weiterhin ein „kritischer Begleiter“ zu bleiben.[2]

August 2018: Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz

Im August 2018 wurde Klaus Neufang mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Der Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, Ulrich Kleemann, überreichte die Auszeichnung in Vertretung von Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Koblenz. Unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ habe Neufang in der Arbeit für Flüchtlinge einen wichtigen Beitrag zur Integrations- und Friedensarbeit geleistet, hieß es in der Laudatio. Weiter berichtete der General-Anzeiger über Neufang:

Er baute den Arbeitskreis Asyl auf, brachte sich in der Partnerschaftsarbeit der Kirchengemeinde und des Kirchenkreises Koblenz ein. Durch Begegnungsfahrten nach Polen und Russland setzte sich Neufang für Versöhnung und Völkerverständigung ein.[3]

Fußnoten

  1. Quelle: Pressemitteilung des Medienbüros Eberhard Thomas Müller vom 9. Juni 2015
  2. Quelle: Rhein-Zeitung vom 30. September 2015
  3. Quelle: Marion Monreal: Patientenfürsprecherin, Polizist und Pfarrer – Verleihung der Verdienstmedaille des Landes an Hildegard Schneider, Michael Meyer und Klaus Jürgen Neufang, in: General-Anzeiger vom 25. August 2018, siehe auch: Ehrenamtliches Engagement in der SGD Nord gewürdigt, Pressemitteilung der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord vom 23. August 2018