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Solidarische Landwirtschaft Rhein-Ahr

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In Sinzig gibt es eine Initative zur Gründung einer Solidarischen Landwirtschaft Rhein-Ahr (SoLawi). Initiator ist der Buchbindermeister Josef Decker aus Bad Bodendorf.


Kontakt

Chronik

Die Vorgeschichte der Gründung fasste der General-Anzeiger folgendermaßen zusammen:

Die Geschichte von SoLaWi im Kreis begann mit der Schließung des Bad Bodendorfer Dorfladens. Josef Decker, einer der Väter der Solidarischen Landwirtschaft, hatte seinerzeit zu einigen Treffen eingeladen, um zu diskutieren, wie man die Situation in der Bad Bodendorfer Nahversorgung lösen könne. Decker war seinerzeit mit seiner Frau schon Mitglied in der „Solawi Bonn“. Früh fiel in dieser Veranstaltungsreihe auch der Begriff solidarische Landwirtschaft. Doch eine Alltagstauglichkeit für die heimische Nahversorgung sah darin noch niemand. Aus dieser Initiative heraus entwickelte sich mit dem Bad Bodendorfer Wochenmarkt, der jeden Freitag von 14 Uhr bis 18 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz stattfindet, aber eine eigene Erfolgsgeschichte. Doch der Gedanke der Solidarischen Landwirtschaft wurde weiterentwickelt. Zunächst organisierte ein kleine Gruppe um Josef Decker in Bad Bodendorf weitere Infoveranstaltungen. Daraus entwickelte sich schnell die heutige Gründungsinitiative, die nun fast das gesamt Kreisgebiet umfasst.[1]

Nach drei Infoveranstaltungen wird am Samstag, 11. Februar 2017, der gemeinnützige Verein SoLaWi Rhein-Ahr e. V. gegründet. Die Gründungsversammlung beginnt um 13 Uhr ins Pfarrheim St. Peter. Zum Gründerteam gehören zu dieser Zeit neben dem Initiator Josef Decker auch Simon Keelan, Hans Kupka, Michael Michels, Andreas Nuppeney, Lea Ockenfels, Niklas Orth, Simone Overath, Nuria Steinheuer, Claudia Thelen und Natalie Wendisch. Anliegen der Gründer ist der Anbau gesunder und ökologisch angebauter Lebensmittel von Ackerflächen und Bauern aus der Region. Im General-Anzeiger hieß es:

Der Gedanke der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) besteht darin, wieder einen direkten Kontakt zwischen landwirtschaftlichen Produzenten gesunder und nährstoffreicher Nahrungsmittel und Endkonsumenten herzustellen. Bei gelebter Gemeinschaft können sich Gleichgesinnte untereinander austauschen und Landwirtschaft hautnah erleben.[2]

Andreas Nuppeney, ein Landwirt aus Wehr, will auf zwei Hektar Ackerfläche Gemüse für die SoLaWi Rhein-Ahr anbauen. Je nach Jahreszeit und Wetter sollen die Kunden mit feldfrischen Radieschen, Zwiebeln, Kartoffeln, Möhren, Lauch und anderen Erzeugnissen versorgt werden. Darüberhinaus soll die Möglichkeit geschaffen werden, „optional sowohl ein Eier-Modul als auch ein Ziegenkäse- und Ziegenfleisch-Modul für einen solidarischen Monatsbeitrag zu bekommen.“ Die Verteilung soll über Depots in den Wohnorten der Kunden organisiert werden – etwa in Bad Bodendorf, Bad Breisig, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Grafschaft, Remagen, Schalkenbach, Sinzig und Wehr. In diesen diesen Depots können die Konsumenten einmal wöchentlich ihren Gemüse-, Eier- und Ziegenprodukte-Anteile abholen.

Fast 60 Teilnehmer der Gründungsversammlung am 11. Februar 2017 im Haus "St. Peter" Sinzig trugen sich in die Gründungsmitglieder-Liste ein. In den Vorstand wurden – allesamt gleichberechtigt – gewählt: Josef Decker, Simon Keelan, Simone Overath, Nuria Steinheuer, Claudia Thelen und Natalie Wendisch. „Bereits in der ersten solidarischen Bieterrunde wurde das gesamte Jahresbudget in Höhe von rund 60.000 Euro für die Gemüseproduktion auf dem Hof von Andreas Nuppeney erreicht“, berichtete die Rhein-Zeitung. Damit könne die Hof- und Feldarbeit sogleich beginnen – und der Nuppeney-Hof in Wehr habe für diesen Betriebszweig ein Jahr Planungssicherheit. Die 70 Gemüseernteanteile, die für den Solawi-Mitgliedern das erste Jahr zur Verfügung stehen, seien damit fast alle vergeben. Der monatliche Beitrag betrage 85 Euro pro Person. Für die Abnahme von Eiern aus Freiland-Haltung des Bad Bodendorfer Landwirts Willi Orth werde ein monatlicher Beitrag von 14 Euro erhoben. Nun würden Arbeitsgruppen gebildet, die sich einzelnen Themenbereichen widmen – etwa Ernteverteilung und Abholdepots, Bodenqualitätsverbesserung und Humus-Aufbau.[3]

Im Frühsommer 2017 feierte die Solawi Rhein-Ahr ein Sommerfest in der Römerhalle Wehr. Dabei wurden auch Führungen auf die Felder ihres Landwirts Andreas Nuppeney durchgeführt. Mittlerweile seien die ersten Salatköpfe, Radieschen, Mangold und Kräuter abgeerntet, berichtete die Rhein-Zeitung am 5. Juli 2017, sodass dort nun andere Gemüsesorten gepflanzt werden können. Auf Nuppeneys Feldern würden derzeit verschiedene Kohlsorten, Zucchini und Kürbis, Fenchel, Lauch, Zwiebeln, Erbsen, Buschbohnen, Rote Beete, Möhren und Kartoffeln wachsen. Und in einem großen Folientunnel würden Tomaten, Kräuter und Stangenbohnen angebaut. Mit Gemeinschaftsaktionen hatten die SoLaWi-Mitglieder den jungen Landwirt in den Monaten zuvor bei seiner Arbeit zu unterstützt. Sie halfen etwa beim Kartoffelkäfer-Einsammeln, beim Möhren-Säubern und Zwiebel-Setzen. Die vom Feld geernteten Produkte verteilt Nuppeney noch am gleichen Tag oder am Tag darauf auf verschiedene Depots, wo sie von den Mitgliedern abgeholt werden können. Nuria Kelter aus Koisdorf übernahm dabei die Organisation des Aufbaus der Depots. Auf den Äckern ihrer Eltern baut sie zu dieser Zeit selbst einen Gemüseanbau nach ökologischen Vorgaben auf. Andreas Nuppeney, der Arbeitseinsatz sei enorm hoch – obwohl er von einem Solawi-Berater unterstützt wurde. Im Herbst 2017 sollen die Mitglieder von der Streuobsternte profitieren, hieß es in der RZ.[4]

Im November 2017 berichtete die Rhein-Zeitung, nachdem vier der insgesamt sechs Vorstandsmitglieder der Solawi zurückgetreten seien, bestehe der Vorstand nun nur noch aus Initiator Josef Decker und Nathalie Wendisch. Gründe für die Rücktritte seien „offiziell nicht genannt“ worden. Im Dezember solle bei einer Mitgliederversammlung über die Neuaufstellung des Vorstands entschieden werden. Josef Decker sah die Solawi aber trotz Anlaufproblemen gut aufgestellt: „Das erste Erntejahr haben wir erfolgreich hinter uns gebracht, hoch zufrieden mit dem Ertrag sind die Konsumenten der Produkte, die der Wehrer Agrar-Ingenieur Andreas Nuppeney für sie angebaut hat.“ Der Grundsatz, „Wir finanzieren den Landwirt und verteilen die Ernte“ habe bei manchen Vereinsmitgliedern eine „Gib-mal-her-Stimmung“ erzeugt. Es müsse auch darüber gesprochen werden, ob der Wehrer Landwirt Andreas Nuppeney, der im Auftrag der Solawi Gemüse anbaut, überzählige Ernteerträge anderweitig vermarkten darf. Der Bad Bodendorfer Landwirt Niklas Orth beliefert die Solawistas mit Eiern, der RechHof Schalkenbach mit Käseprodukten. Derzeit werde, so Decker, der Gemüseanbau für das Pflanz- und Erntejahr 2018/2019 vorbereitet.

Nur wenige Tage später, am 24. November 2017, titelte die Rhein-Zeitung dann aber: „Rhein-Ahr-Gemüse kommt gut an“ – „Ich hätte niemals gedacht, dass es so gut funktioniert“, sagte Landwirt Andreas Nuppeney der RZ-Reporterin Judith Schumacher zum ersten Jahr, in dem er Gemüse, Salat und Kräuter für die Solawi angebaut hatte. Sein Betrieb durchlaufe derzeit den Prozess der Bio-Zertifizierung. Nuppeney habe unter anderem Kartoffeln, Salate, Radieschen, Möhren, Sellerie, Fenchel, Lauch, Zucchini und Kürbisse angebaut. Paprika, Gurken und Tomaten seien in einem einem Folientunnel angebaut worden. Art und Menge des Gemüses würden dabei saisonal variieren. Die Solawi-Mitglieder seien wöchentlich mit Produkten direkt vom Acker versorgt worden. Weil beim Anbau keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, sei viel Hand- und Hackarbeit erforderlich. Jeweils am Freitag Nachmittag seien die feldfrischen Produkte von den Mitgliedern abgeholt worden. Für 2018 sei geplant, auf einem Acker Blühpflanzen zu säen – als Nahrungsquellen für Insekten und als Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt. Nuppeney wolle sich 2018 „auch selbst um die Koordination seines Absatzmarktes kümmern, indem er Interessierten die Möglichkeit gibt, sich direkt an ihn zu wenden.“[5]

Mit einem neuen Vorstand ging die Solawi ins Erntejahr 2018. Er stellte sich bei einer Mitgliederversammlung im Februar 2018 im Haus „St. Peter“ Sinzig vor. „Wir können nun die tolle und gründliche Vorarbeit des Gründerteams weiterführen“, sagte Barbara Köstner, die mit Thomas Busch und Dennis Nötel den Vorstand bildete. Alle drei waren vom ersten Tag an mit dabei. „Es ist einfach ein tolles Gefühl, an den Gemüseregalen vom Discounter vorbei gehen zu können und zu denken: Ich weiß, woher meins kommt und von wem und wie es angebaut wurde“, sagte Köstner. Dennis Nötel fügte hinzu: „Es geht hier nicht nur darum, nur Gemüse zu essen, sondern auch Menschen zusammenzubringen.“ Thomas Busch sagte, angesichts der Produktionsbedingungen fühle er sich bei der Solawi sowohl in ökologischer als auch in sozialer Hinsicht „sehr richtig“. Und der Agraringenieur Andreas Nuppeney sagte: „Ich hätte nie gedacht, dass so viele Leute echtes Interesse daran haben, eine kleinbäuerliche, vielfältige und nachhaltige Landwirtschaft im Einklang mit der Natur zu unterstützen.“ Junglandwirt Nuppeney versorgte im Jahr 2017, von seiner Familie unterstützt, die Solawi Rhein-Ahr mit feldfrischen Produkten, die er auf seinen Feldern und Treibhäusern in Wehr produziert hatte. Der neue Vorstand wollte den Verein durch Wildkräuterführungen und andere Bildungsangebote noch attraktiver für die Mitglieder machen.[6]

Mediografie

Weblinks

Fußnoten

  1. Quelle: Bernd Linnarz: Solidarische Landwirtschaft in Sinzig – Regionale Produkte vom Bauern nebenan, general-anzeiger-bonn.de vom 9. Februar 2017
  2. Quelle: Bernd Linnarz: Solidarische Landwirtschaft in Sinzig – Regionale Produkte vom Bauern nebenan, general-anzeiger-bonn.de vom 9. Februar 2017
  3. Quelle: Solawi geht an den Start: Jahresbudget erreicht, in: Rhein-Zeitung vom 14. Februar 2017
  4. Quelle: Judith Schumacher: Solawi-Projekt trägt erste Früchte – Kleine Bilanz im ersten Jahr der solidarischen Landwirtschaft gezogen, in: Rhein-Zeitung vom 5. Juli 2017
  5. Quelle: Judith Schumacher: Rhein-Ahr-Gemüse kommt gut an – Andreas Nuppeney aus Wehr ist mit der Ernte der ersten Saison zufrieden, in: Rhein-Zeitung vom 24. November 2017
  6. Quelle: Judith Schumacher: Neubeginn im Führungsteam der Solawi Rhein-Ahr – Verein für Solidarische Landwirtschaft startet mit neuem Schwung in die Saison, in: Rhein-Zeitung vom 27. Februar 2018