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Katholische Pfarrgemeinde „St. Gertrudis“ Oedingen

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Die Friedhofskapelle „St. Gertrudis“ diente über Jahrhunderte als Pfarrkirche.
Grab von Pfarrer Paul Wolber
Grabstein Jakob Rosen (* 1899, † 1962), Pfarrer in Oedingen

Die Katholische Pfarrgemeinde „St. Gertrudis“ Oedingen ist eine der fünf Pfarrgemeinden der zum 1. September 2011 gegründeten Katholischen Pfarreiengemeinschaft Remagen im Dekanat Remagen - Brohltal im Bistum Trier. Oedingen hat lange warten und kämpfen müssen, ehe es Pfarrrechte erlangte. Obwohl es im 13. Jahrhundert schon eine kirchliche Anlage in den ältesten Teilen der heute noch vorhandenen Kirche besaß, sollte eine besondere kanonisch errichtete Pfarrei erst 1849 zustande kommen. Der Trierer Bischof Wilhelm Arnoldi erhob am 25. August 1849 die 1807 durch die französische Regierung unterdrückte Pfarrei Oedingen, die als Filiale dem im Tal liegenden Unkelbach zugeschlagen wurde, durch Urkunde wieder zur Pfarrei.


Gruppierungen

Kirchenchor der katholischen Pfarrgemeinde "St. Gertrudis" Oedingen

Geschichte[1]

Die Pfarrei Oedingen hatte sich 1794 nach dem Einmarsch der Franzosen von der Mutterkirche Remagen getrennt. Doch dann ordneten die neuen Landesherren (seit 1801 die Franzosen) im Jahre 1807 Oedingen als Filiale der Pfarrei Unkelbach zu. Diese war 1802 entstanden und gehörte seit 1803 zum Bistum Aachen. Die Oedinger waren mit dieser Neuregelung zunächst zufrieden. Seit 1640 gab es in Oedingen die „Bruderschaft St. Gertrud“, in die alle Kinder schon bei der Taufe aufgenommen wurden (später „Gertrudisverein“). Die Bruderschaft war identisch mit der Pfarrgemeinde. Diese wurde es bald leid, stets auf den Unkelbacher Seelsorger angewiesen zu sein. Deshalb bestellte sie 1813 den Windhagener Vikar Johann-Caspar Völsgen als Gemeindepfarrer und versorgte ihn aus eigenen Mitteln mit Geld und Naturalien. Seine Einkünfte betrugen damals: ein Jahresgehalt von 131 Talern, freie Wohnung im Wittumshaus, 1/2 Morgen Garten, 3/4 Morgen Wiese, 2 Morgen Ackerland und 1/2 Morgen Buschwald. Dieser Seelsorger war inzwischen 68 Jahre alt und verließ nach dreijähriger Amtszeit zum Jahresende 1817 die hiesige Pfarrgemeinde. Danach verbrachte er seinen Lebensabend in Vettelschoß. Ein Grund könnte die säumige Zahlung seines Jahresgehaltes gewesen sein, das er ständig anmahnen musste. Die Seelsorge oblag nun wieder dem Pfarrer Peter-Anton Schäfer, der neben seiner Unkelbacher Pfarrei die Filiale Oedingen betreuen musste. In dieser wurden im Jahr 1818 insgesamt 24 Singämter, Lese-und Segensmessen gestiftet. Nach drei Jahren, anno 1821, wurde die vakante Pfarrstelle mit Vikar Michael Wolf besetzt, der unter den gleichen Bedingungen seines Vorgängers von unserer Pfarrgemeinde aus eigenen Mitteln abgefunden werden musste. Jedoch zwei Jahre später verließ dieser Oedingen, da auch ihm das vereinbarte Gehalt nur zögernd gezahlt wurde. So wurde von nun an – wie in früheren Jahren – die Seelsorge vom Unkelbacher Pfarrer Stephan Weber ausgeübt. Im Zuge der Neugliederung der preußischen Rheinprovinz wurde 1824 die Pfarrei Unkelbach mit ihren Filialkirchen Bandorf und Oedingen dem Bistum Trier zugeordnet (bisher Bistum Aachen und vorher noch Köln). Am 25. Januar 1826 nahm die Oedinger Pfarrgemeinde an der großen Remagener Pfarrprozession teil, die sich von Unkelstein bis zu den nördlichen Stadttoren Remagens ausdehnte, um das Haupt des St. Apollinaris von Ravenna heimzuholen. Beherzte Bürger aus Remagen hatten es nach dem Einzug der Franzosen in Sicherheit gebracht. Zunächst in der Abtei Siegburg, wurde es nach Auflösung dieser Abtei der Lambertiskirche in Düsseldorf zur Aufbewahrung übergeben. Die Remagener Chronik berichtet: „Bei herrlichem Sonnenschein, mit glücklichen Gläubigern, unter Fahnen, mit Gebeten und Gesang gelangte das Heiligtum schließlich wieder an seinen rechtmäßigen Aufenthaltsort, die Apollinariskirche in Remagen.“

Nach 10 Jahren ohne eigenen Pfarrer wurde am 16. April 1833 die Oedinger Pfarrstelle mit dem Vikar Gottfried Houverath neu besetzt. In der Zwischenzeit waren die Unkelbacher Pfarrer Jakob Stephan Weber (1823–1828), Anton Barzen (1828/29) und Chrysant-Wilhelm Baas (1829-1833) für Oedingen mit zuständig. Das bischöfliche Generalvikariat zu Trier zeigte vor der Berufung des neuen Pfarrers große Bedenken, da man befürchtete, dass die Oedinger in ihrem Drang nach Selbständigkeit ihrer Pfarrei verstärkt tätig würden. So geschah es dann auch. Kurz nach der Einführung des neuen Geistlichen begannen die heftigen Auseinandersetzungen mit Unkelbach über die Abtrennung der Oedinger Kirchengemeinde. Die erste offizielle Eingabe über die Eigenkirche wurde 1838 durch unseren Vikar über das Dekanat Remagen an das Bistum Trier gerichtet, jedoch ohne Erfolg. Das größte Hindernis bestand darin, dass die Kirchengemeinde Unkelbach eine Entschädigung für den Ausfall der bisherigen Oedinger Abgaben und der Beihilfe des Bistums für die Mutterkirche in Höhe von 500 Talern verlangte. Inzwischen wurde 1839 in Remagen der Grundstein für die neue Apollinariskirche gelegt. Für die Oedinger von Interesse, da die alte baufällige Kirche schon seit Jahrzehnten ein beliebtes Wallfahrtsziel unserer Gläubigen war. Dies änderte sich auch nicht mit dem Bau der neuen Kirche. Bis in die heutige Zeit zieht es die hiesigen Pilger dorthin. Schon nach neun Jahren 1842 verließ der 46-jährige Vikar Gottfried Houverath die Pfarrei Oedingen. Es war ihm trotz eifriger Bemühungen während seiner Amtszeit nicht beschieden, Oedingen als selbständige Pfarrei zu verwalten. Sein Nachfolger wurde 1843 der Pfarrer Apollinar Schumacher. Dieser sah seine wichtigste Aufgabe auch in dem Bemühen um die Selbständigkeit der Oedinger Pfarrei. In formgerechten Anträgen an das Bistum wies er darauf hin, dass die Oedinger Pfarrgemeinde bisher ihren Pfarrer aus eigenen Mitteln versorgt hat und ihn auch künftig unterhalten wird. Unkelbach wollte jedoch nicht auf die Beihilfe zu seiner Pfarrkompetenz verzichten und verlangte nach wie vor eine Entschädigung von 500 Talern; Oedingen bot schließlich nur 200 Taler an. Das Bistum Trier schien nicht mehr abgeneigt, eine Lösung zu Gunsten Oedingens zu finden. Es forderte schon mal die hiesige Gemeinde auf, das alte fast verfallene Pfarrhaus zu restaurieren und in einen würdigen Zustand zu versetzen. Daraufhin beschloss der Gemeinderat am 18. Dezember 1846 den Verkauf von zwei Parzellen Ackerland, um den Erlös ausschließlich für den Ausbau des Pfarrhauses zu verwenden. Dann endlich, am 25. August 1849, unterzeichnete der Bischof von Trier, Wilhelm Arnoldi, die Erhebungsurkunde zur selbständigen Pfarrei Oedingen. Diese hatte nun an Unkelbach eine Entschädigung von 225 Talern zu zahlen. Die Pfarrgemeinde, gleich Gertrudisbruderschaft, musste den künftigen Pfarrern ein Jahresgehalt von 300 Talern zusichern. Nur unter dieser Bedingung gaben das Domkapitel und die Regierung ihre Einwilligung. Zum Dank und zur Erinnerung an den denkwürdigen Tag der gewonnenen Eigenständigkeit pflanzten die Pfarrbrüder ein Kastanienbäumchen vor dem Gertrudiskirchlein (Anmerkung: dieser Baum, inzwischen 150 Jahre alt, hat heute gewaltige Ausmaße angenommen). Der seit 6 Jahren erkrankte Pfarrer Apollinar Schumacher wurde 1851 in den Ruhestand versetzt. Er, der sich von Beginn an seiner Tätigkeit in Oedingen tatkräftig für die selbständige Pfarrei eingesetzt hatte, durfte als schwer kranker Mann den Erfolg seiner Bemühungen noch erleben. In diesem Jahr wurde auch das Pfarrhaus auf den Grundmauern des alten Wittumshofes in Eigenleistung der Gertudisbruderschaft und Geldzuwendungen der Gemeinde neu erbaut und fertiggestellt.

Im November 2019 traf sich der Kirchengemeinderat (KGR) von St. Gertrud Oedingen unter Vorsitz von Pfarrer Frank Klupsch zum letzten Mal. Mit dieser Sitzung ging die Gemeinde ihrer Auflösung zum 31. Dezember 2019 einen weiteren Schritt entgegen. Ab Januar 2020 gehört sie zur neuen Pfarrei der Zukunft Sinzig. „Wir sind mit dieser Entwicklung nicht glücklich. Umso wichtiger war es für uns, einige Entscheidungen für die Zukunft zu treffen“, sagte Ratsmitglied Oliver Diehl. So wurde aus der Pfarrgemeinde heraus der Gemeindeverein „St. Gertrud“ gegründet. Außerdem beschloss der KGR, um Nach- und Vorbereitung von Gottesdiensten zu erleichtern, den Bau eines Versammlungsplatzes vor der alten Friedhofskapelle „St. Gertrudis“. „Wir haben so die Möglichkeit, die Gemeindefeste auch an der Kapelle zu feiern“, erklärte Berthold Bachem. „Hinzu kommt die Entscheidung, einige Parkplätze am Friedhof gegen Entgelt zu vermieten. Mit den Einnahmen wollen wir für die Instandhaltung der Kapelle sorgen.“ Denn die Ratsmitglieder waren sich nicht sicher, welche Priorität die Erhaltung der Friedhofskapelle in der neuen Großpfarrei haben wird. „Schließlich haben wir uns darauf verständigt, aus dem Gelände für die Friedhofserweiterung eine artenreiche Wiese zu machen. Damit setzt die Gemeinde ein Zeichen zur Nachhaltigkeit. Auch wollen wird zeigen, dass die katholischen Christen in Oedingen einen harmonischen Umgang mit der Natur wünschen“, so Hedi Neukirchen. Auch haben die Oedinger Katholiken für das Jahr 2020 vorgesorgt.[2]

Pfarrer

Juli 2006 bis Ende 2019: Frank Klupsch
bis Juni 2006: Norbert Klaes
1962-1992: Bentivolius Marxen
Jakob Rosen (* 1899, † 1962)
Adolf Dickel, 26. August 1951 bis zu seinem Tod am 2. September 1955
1929-1951: Peter Winand
vom 17. April 1908 mit Unterbrechungen bis Anfang 1920 Dr. Cöln
20. September 1903 bis 24. Februar 1907 Wilhelm Frisch
Paul Wolber
Nikolaus Hoffmann
1843-1853: Apollinar Schumacher

Weitere Fotos

Siehe auch

Weblink

kath-kirchen-remagen.de: St. Gertrud-Pfarrei Oedingen

Fußnoten

  1. Quelle: Karl Beelke: Zur Geschichte von Oedingen. Von 853 bis 2000, 2002, 207 S. (Hrsg.: Hallengemeinschaft Oedingen e.V.), S. 65-67 f.
  2. Quelle: Katholiken gründen Verein – Sankt Gertrud kommt zur Großpfarrei, in: General-Anzeiger vom 22. November 2019