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Evangelischer Friedhof Niederbreisig

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Der von einer Bruchseinmauer umgebene Evangelische Friedhof Niederbreisig liegt zwischen Rheineck und Brohl in Höhe des Hafens Brohl an der alten Trasse der Bundesstraße 9, der zu Brohl gehörenden Artilleriestraße. Bestattungen sind auf dem Friedhof heute nicht mehr erlaubt. Aber der Friedhof steht in engem Zusammenhang mit der Ansiedlung der ersten evangelischen Christen in Brohl und Bad Breisig und damit mit den Anfängen der evangelischen Kirchengemeinde Bad Breisig. Die Vorfahren einiger evangelischer Familien aus Brohl sind dort bestattet.


Lage

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Chronik[1]

Der Friedhof befindet sich auf einem vom Freiherrn von Bethmann-Hollweg geschenkten Grundstück. Etliche der auf dem Friedhof Bestatteten haben die Geschichte der evangelischen Gemeinde in Bad Breisig maßgeblich mitgeprägt.

In der linken hinteren Ecke des Friedhofes fallen drei Grabkreuze auf. Es ist die Grabstätte von Albrecht Julius Schöler, dem ersten Pfarrer der 1854 gegründeten evangelischen Gemeinde Andernach. Sein eineinhalbjähriger Sohn Wilhelm Otto war das erste Gemeindemitglied, das auf diesem Friedhof bestattet wurde. Sein Grabkreuz ist das rechte der drei dort stehenden Kreuze. Sterbedatum des Kindes ist der 17. November 1861. Die Inschrift auf dem Grabkreuz lautet:

Hier ruht in Gott Wilhelm Otto Schöler, geb. d. 3. Juni 1860 - gest. d. 17. November 1861. Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Ebr. 13, 14.

Das mittlere Grabkreuz dieser Grabstelle weist auf Pfarrer Albrecht Julius Schöler selbst.

Nachdem er am 5. Januar 1863 im Alter von nur 44 Jahren verstorben war, knapp 14 Monate nach seinem Sohn Wilhelm Otto, wurde er ebenfalls auf dem evangelischen Friedhof beigesetzt. Die Inschrift auf dem Sockel des Grabsteins lautet:

Hier ruht in Gott Albrecht Julius Schöler, Pfarrer in Andernach, geb. d. 11. Febr. 1819 - gest. d. 5. Jan. 1863. Wenn unser irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbauet, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel. - 2. Cor. 5,1.[2]

Dem ältesten Sohn Schölers war ebenfalls kein langes Leben beschieden: Er starb im Alter von 30 Jahren. Auf dem Sockel des Grabkreuzes lesen wir die Inschrift:

Hier ruht in Gott Karl Schöler, ev. Pfarrer in Stromberg, geb. 21. Nov. 1856 - gest. 31. Jan. 1887 – Ich weiß, daß mein Erlöser lebt. Hiob 19.25

Unterhalb dieser Grabstätte befindet sich die der Familie Sinemus. Dort ruhen das Pfarrer-Ehepaar Karl und Wilhelmine Sinemus mit mehreren ihrer sieben Kinder. Drei davon starben bereits im Alter von etwa drei Monaten, darunter die Zwillinge Frieda und Friedrich.

Rechts neben den Grabstellen der Pfarrer befindet sich die Grabstätte Wente. Mit dem Namen Wente verbindet sich der Bau der evangelischen Christuskirche in Niederbreisig. Die Mutter des dort ruhenden Julius Wente, Auguste Wente (geb. Soest), stiftete zusammen mit Luise Rick das Grundstück für diese Kirche (ohne Gemeindehaus). Heute mag sich manch einer über die große Entfernung zwischen dem Ortsmittelpunkt von Niederbreisig und der Kirche beklagen, aber damals waren die Gläubigen froh, mit geringen Eigenmitteln und Spenden eine Kirche bauen zu können. Pfarrer Karl Sinemus berichtet, dass der letzte Pinselstrich nur durch den Verkauf eines Sackes Mehl gelang, den ein Gemeindeglied aus einer anderen Gemeindegegend gespendet hatte. Die auf dem Friedhof beigesetzte Eugenie Wente stiftete die Öfen, die bis 1955 bzw. 1957 in der Kirche im Dienst waren. Aber auch in kommunaler Hinsicht verbindet sich mit dem Namen Wente ein wichtiger Faktor. Der Vater von Julius, Johann Christian Wente, hatte 1884 die Brohler Papierfabrik gekauft. Seine Söhne Fritz und Julius verpachteten sie ab 1895, bevor sie die Fabrik im Jahr 1919 verkauften. Julius Wente gehörte auch dem Presbyterium der evangelischen Gemeinde Andernach an.

Links neben dem Friedhofskreuz befindet sich die Grabstätte Klein. Die Aufschriften auf den Grabsteinen legen den Schluss nahe, dass diese Grabstätte erst im Jahr 1954 genutzt wurde. Aber bereits die als Kinder verstorbenen Söhne von dem dort beigesetzten Josef Klein wurden dort beerdigt. Josef Klein, Miteigentümer der Firma Klein-Holzmann, stiftete die Umfassungsmauer des Friedhofes.

Unterhalb der Grabstätte Klein befindet sich die Grabstätte Hill. Diese Grabstätte beginnt eigentlich unmittelbar unterhalb der Einfassung der Grabstätte Klein. Noch bis ins Jahr 1954 stand zwischen den beiden heutigen Grabstätten ein naturbelassener Stein aus Weiberner Tuff mit einem Bronzebild der Eheleute Ewich. Sie waren dort vor den Eheleuten Hill beigesetzt worden. Rektor Ewich, der als Pensionär nach Burgbrohl gekommen war, hatte die zum Verkauf stehende Burg des Freiherrn von Bourscheidt erworben. Im Jahr 1863 feierte das Ehepaar Ewich dort mit Pfarrer Rocholl Goldhochzeit. Nachdem Rektor Ewich im Jahr 1872 verstorben war, wurden Schloss und Burg verkauft, aber die Witwe Ewich blieb bis zu ihrem Tod im Jahr 1878 auf der Burg. Noch nach dem Tod ihres Mannes, im Alter von 85 Jahren, kam sie zu den Gottesdiensten bei Freiherrn von Bethmann-Hollweg auf Burg Rheineck. Als es ihr nicht mehr möglich war, dorthin zu kommen, hielt Pfarrer Karl Sinemus auf der Burg Burgbrohl für sie Gottesdienste, ehe sie mit 91 Jahren starb.

Kurt Hill, im Jahr 1946 auf dem Friedhof beigesetzt, war lange Zeit Vorsitzender des Evangelischen Bürgervereins. Er ist einer der wenigen, die vom späteren Landeskirchenrat Karl Brehmer beigesetzt wurden.

In der oberen Reihe des Friedhofs wurde Georg Wolff beerdigt, dessen Grabstein ihn als Freimaurer ausweist.

In der Grabstätte Richter ruhen Mitglieder einer weiteren alteingesessenen evangelischen Familie, deren Geschichte für Bad Breisig mit Peter Lang begann, der Bad Breisig zu seinem Status als Bad verhalf. 1889 übernahm Peter Lang das Gasthaus „Am Weinberg“, das spätere Hotel Richter. Sein Schwiegersohn beantragte 1905 als Miteigentümer die Erweiterung der Konzession auf Hotel und Restauration. Es war Paul Richter sen., der im Jahr 1939 auf dem Friedhof beigesetzt wurde. Viele Gemeindefeiern waren ohne den Saal im Hotel Richter nicht denkbar.

Daneben befindet sich die Grabstätte von Hermann Diekmann. Während des Zweiten Weltkriegs war Diekmann Pfarrer im schlesischen Juliusburg/Schlesien, wurde aber bald in den Westen vertrieben. Ab 1947 war er zunächst Pfarrverweser für Pfarrer Menn in Andernach. Als Pfarrer Viertel seinen Vorgänger im Jahr 1949 ablöste, konnte Pfarrer Diekmann seinen Ruhestand genießen. Er nahm seinen Wohnsitz im Schloss Brohleck, wo er am 29. März 1956 starb.

In der ersten Grabstätte der zweiten Reihe ruht die Familie von Johann Carl Schwarz sen., der einst Stationsvorsteher der Brohltalbahn war. Prokurist der Brohltalbahn war Ernst Zemke, dessen Grab sich in der dritten Reihe befindet. Zu den Zugführern gehörten Josef Dietrich (Grab in der 3. Reihe) und Willy Sandmeyer (Grab in der 4. Reihe). Prokurist und Verantwortlicher für den Phonolithbruch Brenk war Johann Aberle, dessen Grab sich ganz links in der dritten Reihe befindet. Johann Carl Schwarz sen. gehörte auch dem Presbyterium Andernach an, bevor die Gemeinde Bad Breisig im Jahr 1952 selbständig wurde. Als Presbyter betrieb er die Loslösung des „Nordbezirks“ von der Muttergemeinde mit. Auch die Schwierigkeiten mit dem bereits gewählten, dann aber doch nicht eingeführten Pfarrer Rühl machten ihm zu schaffen. Schwarz gehört also zu den Vätern der evangelischen Gemeinde Bad Breisig.

Auf einer der Platten der großen Grabstätte in der rechten Ecke ist Luise Traine (geb. Rick) verewigt. Sie stellte als Witwe Carl Traine zusammen mit Frau Wente das Grundstück für die Kirche zur Verfügung. Sie und ihre Schwester Elise Traine (geb. Rick), schenkten der Gemeinde Altardecke und Kruzifix. Die Familie besaß eine Villa an der damaligen Koblenzer Straße, die von 1952 bis 1955 als Pfarrhaus des evangelischen Pfarrers Johannes Fohrmann diente, bis die Pfarrwohnung im Obergeschoss des Gemeindehauses bezogen werden konnte. Später diente die Villa mit dem Namen „Parkschlößchen“ der Familie Richter als Wohnhaus und Pension.

Neben dem Grab Zemke in der dritten Reihe befindet sich die Grabstätte von Ernst Müller, Burgverwalter auf Burg Rheineck. Mit der Burg, dem Burgherrn und dem Burgverwalter verbinden sich viele Geschichten innerhalb der Gemeinde. Mehr als 50 Jahre lang wurde Sonntag für Sonntag Gottesdienst in der Burgkapelle gehalten, bevor die Gemeinde am 7. Dezember 1902 Abschied von dort nahm und ihre eigene Kirche einweihen konnte. Ernst Müller war auch Presbyter der Gemeinde Andernach.

Josef Dietrich, dessen Grab sich neben dem Müllers befindet, war Lokführer der Brohltalbahn und von 1952 bis zu seinem Tod im Jahr 1967 Presbyter der jungen Gemeinde Bad Breisig.

Die letzte Grabstätte dieser Reihe ist die der Familie von Heinrich Poch, der von 1957 bis 1970 Küster der evangelischen Kirche Bad Breisig war.

Das dritte Grab der vierten Reihe rechts ist namenlos. Lothar Alter vermutet, dass dort im Jahr 1967 ein 22-jähriger Matrose aus Clausthal-Zellerfeld beigesetzt wurde, der im oder auf dem Rhein zu Tode gekommen war. 1931 wurde das zwei Monate alte Kind eines Schiffers beerdigt, dessen Schiff gerade im Brohler Hafen lag. Unter „Bemerkungen“ finden wir einen 59-jährigen Mann, zu dem es heißt:

K. hat sich in einem Schwermutsanfall in den Rhein gestürzt. Seine Leiche wurde an der Landebrücke in Brohl aufgefunden.

Die Beerdigung hielt Propst i. R. Jenetzky. An der Mauer befindet sich das querliegende Doppelgrab der Familie Freytag. In der Wohnung des Ehepaares Freytag, die zum Kern der evangelischen Gemeinde gehörte, fanden Bibelstunden für die Evangelischen aus Brohl statt. Eine Bank auf der linken Seite des Friedhofs entstammt dem „Baujahr 1880“.

Der General-Anzeiger beschrieb im Dezember 2015 den Zustand des Friedhofs:

Wer als Besucher den kleinen Friedhof aus der Mitte des 19. Jahrhunderts durch das Eisentor betritt, scheint in eine andere Welt zu kommen. Einige Gräber, insbesondere im vorderen Teil, wirken gepflegt. Die meisten aber sind dem natürlichen Bewuchs preisgegeben, weil es keine Angehörigen mehr gibt, die sich um die Grabpflege kümmern. Vielfach sind die Ruhezeiten längst abgelaufen. Grabstätten und Gedenksteine sind inzwischen so überrankt, dass sie nicht mehr erkennbar sind. Etliche Grabsteine und Grabeinfassungen stehen schief, weisen Risse auf und bilden so schon seit Langem eine erhebliche Gefahr für Friedhofsbesucher. Eine Pflege der Gesamtanlage fand nur an vereinzelten Stellen und unregelmäßig statt.[3]

Das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Breisig beschäftigte sich längere Zeit mit dem Friedhof, bevor es im Herbst 2015 beschloss, den Friedhof zu erhalten und in einen gepflegten und ansehnlichen Gesamtzustand zu versetzen. Dabei sollte auch der Bewuchs an der Umfassungsmauer und den Grabstätten entfernt werden. Sichtbar gepflegte Gräber hingegen sollten unverändert bleiben. Verwilderte Gräber hingegen sollten eingeebnet, die Grabsteine, sofern sie nicht marode sind, gerichtet und verkehrssicher befestigt oder entlang der Innenseite der Friedhofsmauer aufgestellt werden. Deshalb beauftragte das Presbyterium Gartenbaufirmen damit, entsprechende Pläne zu entwickeln. „Der Charakter des Friedhofes wird erhalten bleiben. Der Ort soll Menschen dazu einladen, Gräber von Angehörigen zu besuchen, aber auch, um selbst in Ruhe aufatmen zu können, zu beten oder die Stille auf sich wirken zu lassen“, sagte Pfarrer Horst Küllmer, Vorsitzender des Presbyteriums, „wir denken, im Sinne nicht nur der Angehörigen zu handeln, sondern damit auch zu zeigen, dass wir als Kirchengemeinde unserer historischen Verantwortung bewusst sind.“

Mediografie

Lothar Alter: Ein Friedhof erzählt Geschichte. Evangelischer Friedhof Bad Niederbreisig, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1988 (vollständig fürs AW-Wiki ausgewertet)

Fußnoten

  1. Quelle: Lothar Alter: Ein Friedhof erzählt Geschichte. Evangelischer Friedhof Bad Niederbreisig, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1988
  2. Quelle: Lothar Alter: Ein Friedhof erzählt Geschichte. Evangelischer Friedhof Bad Niederbreisig, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1988
  3. Quelle: Friedhof Niederbreisig: Evangelische Gemeinde will Kleinod retten, general-anzeiger-bonn.de vom 10. Dezember 2015