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Kirmes Sinzig

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Abschlussfeuerwerk am Kirmes-Dienstag

Die Sinziger Kirmes, das vermutlich älteste Volksfest im Kreis Ahrweiler, geht auf die Weihe der ab etwa 1225 erbauten und am 15. August 1241 geweihten katholischen Pfarrkirche „St. Peter“ zurück. Knapp 70 Jahre später, am 4. Januar 1310, gewährte Kaiser Heinrich VII. der Reichsstadt Sinzig dann das Recht, drei Tage vor und drei Tage nach dem Fest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel am 15. August einen Jahrmarkt zu halten. Die heutige Kirmes wird auf dieses Recht zurückgeführt. Deshalb ist 2010 das 700-jährige Veranstaltungsjubiläum gefeiert worden. Während der auf den Erlass folgenden Jahrhunderte fiel in Sinzig so manche Kirmes Krieg, Pestilenz und Not zum Opfer – während des 30-jährigen (1618-1648) und des Deutsch-Französischen Krieges (1870-1871) etwa sowie während Besatzungszeiten, zum Beispiel der Franzosenzeit von 1792 bis 1815. Anschließend aber sind Jahrmarkt und Volksfest immer wieder belebt worden.[1]


Veranstalter

Stadt, katholische Pfarrgemeinde „St. Peter“ und St.-Josef-Gesellschaft sind für unterschiedliche Facetten der Veranstaltung verantwortlich. So richtet die Pfarrgemeinde etwa einen Schausgtellergottesdienst aus und die St.-Josef-Gesellschaft den Festumzug, während die Stadt für wichtige Teile der Infrastruktur sorgt und Verträge mit den Schaustellern abschließt.

Chronik

Seit 1241 wird in Sinzig Kirmes gefeiert - nachdem der lettische Bischof Heinrich von Oesel, Stellvertreter des Trierer Bischofs, die Katholische Pfarrkirche "St. Peter" Sinzig am 15. August 1241 (Mariä Himmelfahrt) eingeweiht hatte. Eine Blechbüchse mit der Kirchweih-Urkunde und Reliquien des von St. Pankratius, St. Bonifazius und St. Bartholomäus gab der Dominikaner hinter dem mittleren Rechteck im Altartisch der Kirche hinein. Der damalige Pastor Heribert Kraus ließ den Altartisch im Jahr 1985 von einem Bildhauer öffnen; dabei wurde die Büchse wiederentdeckt. Der Kaiser stellte einen Schutzbrief aus, den er vervielfältigen und an die Gemeinden verteilen ließ. Darin forderte er jedermann auf, die Besucher der Kirmes vor Unrecht, vor Gewalt und Bedrängnis zu bewahren. Mit den Jahrhunderten wandelte der Trubel sein Gesicht. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war die Kirmes ein Jahrmarkt, bei dem Bauern landwirtschaftliche Erzeugnisse anboten. Dann rückten Volks- und Kinderbelustigung in den Vordergrund der Kirmes. Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Sinzig die ersten Kettenkarussells und Schiffschaukeln aufgebaut. Sie wurden von Sinziger Jungen betrieben, die sich etwas Geld verdienen wollten. Über dem Kettenkarussell befand sich ein Gestell, auf dem sie herumliefen, um das Karussell in Bewegung zu versetzten. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es sechs Säle in der Stadt, in denen sich die Sinziger trafen, um Kirmes zu feiern: den Saal des Hotels Kaiserhof auf dem Gelände der Post am heutigen Sinziger Kreisel, den Saal des Sinziger Winzervereins in Höhe des Rathauses an der Barbarossastraße, den Saal des Rheinischen Hofes (ehemals Schloss-Apotheke Sinzig) an der Mühlenbachstraße, den Saal Lenz und den Saal im Jägerheim (beide an der Ausdorferstraße) und den Helenensaal Sinzig. Bei den Kirmesbällen wie beim Maiball fanden unzählige Sinzigerinnen und Sinziger den Partner bzw. die Partnerin fürs Leben. Von besonderer Bedeutung für die Sinziger Kirmes ist und war das Feuerwerk. Es geht auf Otto Marhöfer zurück, der das Feuerwehr in den 1960er-Jahren in seiner Eigenschaft als Vertreter des Sinziger Ordnungsamtes zur Belebung für den Kirmes-Dienstag ins Leben rief, weil die Gästezahlen an diesem Tag zu wünschen übrig ließen. Zur Finanzierung führte Marhöfer eine Sammlung unter den Schaustellerleuten durch.[2]

Die Sinziger Kirmes beginnt seit jeher mit einem Umzug der St. Josef-Gesellschaft Sinzig 1300 e.V.. Vor Einführung der Sommerzeit veranstaltete die Gesellschaft einen Fackelzug, an dem sich alle Sinziger Vereine beteiligten. Heute - Stand: August 2013 - gibt es diesen Umzug immer noch, er hat aber beträchtlich weniger Zulauf als früher. Am Kirmes-Samstag spielen im Rhein-Ahr-Stadion traditionell die Fußballer des Sportclubs "Rhein-Ahr" Sinzig 1910 e.V.. In den 1960er-Jahren begannen die im Stadtrat Sinzig vertretenen politischen Parteien damit, auf der Kirmes Bierstände aufzustellen.[3]

Die Rhein-Zeitung berichtete am 15. August 2013:

Der Kirchweihtag zu Maria Himmelfahrt brachte auch ein Ritual mit sich, das die Sinziger wieder neu aufleben lassen: Zur Himmelfahrt der Muttergottes sammelten die Frauen bestimmte Kräuter für sogenannte Krautwische, die in der Kirche gesegnet wurden. Tausendgüldenkraut, Meisterwurz, Wermut, Schafgarbe, Kamille, Johanniskraut, Pfefferminze, Wurmkraut sowie einige Ähren von Hafer, Weizen und Gerste wurden zu einem Bündel zusammengefasst und nach der Segnung unter den Dachboden gehängt. Jede erste Kuh, die nach dem Winter aus dem Stall getrieben wurde, bekam ein Zweiglein zwischen die Hörner gesteckt, jede kalbende Kuh etwas davon ins Futter und brütende Hennen ins Nest, jedes Neugeborene in seine Wiege, jedes frisch vermählte Paar unter das Kopfkissen und jeder Verstorbene in den Sarg. Bei Gewitter wurden ein paar der Kräuter in den Ofen geworfen, um das Haus vor Blitzeinschlag zu schützen.[4]

Wegen der Corona-Pandemie fiel die Sinziger Kirmes im Jahr 2020 aus. Das beschloss der Hauptausschuss der Stadt Sinzig wenige Tage vor dem geplanten Festbeginn per Eilentscheidung. Lediglich drei der insgesamt 15 Stimmberechtigten votierten für die Durchführung der Kirmes: Bürgermeister Andreas Geron, Ortsvorsteher Gunter Windheuser (FWG) und Klaus Hahn von den Grünen. Hahn erinnerte daran, dass Weinsommer und Riesenrad-Aktion auf dem Kirchplatz wenige Wochen zuvor „doch gut gelaufen“ seien. Sechs Mandatsträger waren dafür, dass es eine Sinziger Kirmes 2020 nicht gibt, die sechs übrigen enthielten sich. Dabei hatte die Verwaltung in den Wochen zuvor mit enormem Einsatz dafür gesorgt, dass die Kirmes, die „vielen Sinzigern eine echte Herzensangelegenheit“ sei, wie der Bürgermeister es formulierte, auf verkleinerter Fläche, mit Teilnehmer-Höchstzahl und unter Einhaltung der Regeln eines mit Innenministerium und Gesundheitsamt des Kreises Ahrweiler abgestimmten Sicherheits- und Hygienekonzept durchgeführt werden kann. Ähnliche Veranstaltungen seien in den vergangenen Wochen andernorts durchgeführt worden, ohne dass sie sich als Hotspots entpuppt hätten, argumentierte Geron. Bis sich die CDU dann wenige Tagen zuvor aus der Sommerpause zurück meldete: Per Mitteilung ging sie Bürgermeister und Verwaltung heftig an. Die Corona-Verordnung für Rheinland-Pfalz verbiete ganz klar die Durchführung von Kirmessen, Volksfesten und ähnlichen Veranstaltungen. Die Stadtspitze wolle die Kirmes trotzdem durchboxen, indem sie diese als bloßen „Freizeitpark“ deklariere. Mit dieser Argumentation brachte die CDU eine Mehrheit der Ausschussmitglieder zum Einknicken, die über die Vorbereitungen der Verwaltung informiert waren und die sie bislang stillschweigend gebilligt hatten. Nachdem in den Tagen nach dem christdemokratischen Paukenschlag vor und auch hinter den Kulissen heftig diskutiert worden war, gab sich CDU-Sprecher Karl-Heinz Arzdorf bei der Ausschusssitzung überraschend zurückhaltend und lobte gar die Stadtspitze: Sie habe sich bei ihren Kirmes-Vorbereitungen beispielhaft engagiert. Der Bürgermeister, ganz professionell, nahm die Klatsche, die das Abstimmungsergebnis für ihn bedeutete und mit dem die mehrwöchige Vorbereitungsarbeit seiner Verwaltung, die Absprachen auch mit mehr als einem Dutzend Schaustellern getroffen hatte, zunichte gemacht wurde, ungerührt zur Kenntnis – scheinbar zumindest. Die CDU konnte nach der Sitzung für sich verbuchen, dass sie die Sinziger Kirmes 2020, eine Traditionsveranstaltung mit mehr als 700-jähriger Geschichte, zu Fall gebracht hat, statt zu ermöglichen, dass jeder Sinziger selbst entscheidet, ob er die Kirmes mitfeiern oder ihr wegen Corona doch lieber fernbleiben möchte.[5]

Videos

Mediografie

Fußnoten

  1. Quellen: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Sinzig/Johannes Büchel vom Juli 2010, Kirmes in Sinzig: Break Dancer vor Sankt Peter, general-anzeiger-bonn.de vom 17. August 2013, und Kirmes in Sinzig: Vor Sankt Peter dreht sich der Joker, in: general-anzeiger-bonn.de vom 2. August 2014
  2. Quelle: Judith Schumacher: Historie: Sinziger Kirmes hat lange Geschichte, rhein-zeitung.de vom 15. August 2013
  3. Quelle: Aus dem Fackelzug ist ein Straßenumzug geworden - Fußballspiel war einst der Auftakt zum großen Volksfest, in: Rhein-Zeitung vom 15. August 2013
  4. Quelle: Krautwische-Ritual hat sich erhalten - Kräuterweihe wird wieder praktiziert, in: Rhein-Zeitung vom 15. August 2013
  5. Quellen: Günther Schmitt: Hygienekonzept lag bereits vor: Sinziger Hauptausschuss kippt die Kirmes, general-anzeiger-bonn.de, 7. August 2020, und Anton Simons: Eilentscheidung im Hauptausschuss: Die Kirmes in Sinzig ist abgesagt, general-anzeiger-bonn.de, 9. August 2020