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Kirmes Sinzig

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Abschlussfeuerwerk am Kirmes-Dienstag

Mit einer mehr als 700-jährigen Tradition ist die Sinziger Kirmes das älteste Volksfest im Kreis Ahrweiler.[1] Die Sinziger Kirmes geht auf die Weihe des Gotteshauses am 15. August 1241 zurück.[2] Am 4. Januar 1310 gewährte Kaiser Heinrich VII. der Reichsstadt Sinzig das Recht, drei Tage vor und drei Tage nach Mariä Himmelfahrt am 15. August einen Jahrmarkt abzuhalten. Die heutige Kirmes lässt sich auf dieses Recht zurückführen. Während der auf den Erlass folgenden zahlreichen Kriegen wird nicht immer gefeiert worden sein; so mancher Jahrmarkt fiel Kriegswirren und Notzeiten zum Opfer. Aber immer wieder wurde sie neu belebt und zählt mit zu den ältesten Jahrmärkten im Kreis Ahrweiler. Kaiser Ludwig der Bayer verlegte am 9. Februar 1335 den Jahrmarkt auf den Martinstag. Allerdings bestätigte er am selben Tag in einer weiteren Urkunde sämtliche Privilegien der Stadt und stellte die Besucher des Jahrmarkts und deren Waren unter den Schutz des Reiches. So blieb der Jahrmarkt bis heute auf Mariä Himmelfahrt im August.[3]

Chronik

Seit 1241 wird in Sinzig Kirmes gefeiert - nachdem der lettische Bischof Heinrich von Oesel, Stellvertreter des Trierer Bischofs, die Katholische Pfarrkirche "St. Peter" Sinzig am 15. August 1241 (Mariä Himmelfahrt) eingeweiht hatte. Eine Blechbüchse mit der Kirchweih-Urkunde und Reliquien des von St. Pankratius, St. Bonifazius und St. Bartholomäus gab der Dominikaner hinter dem mittleren Rechteck im Altartisch der Kirche hinein. Der damalige Pastor Heribert Kraus ließ den Altartisch im Jahr 1985 von einem Bildhauer öffnen; dabei wurde die Büchse wiederentdeckt. Der Kaiser stellte einen Schutzbrief aus, den er vervielfältigen und an die Gemeinden verteilen ließ. Darin forderte er jedermann auf, die Besucher der Kirmes vor Unrecht, vor Gewalt und Bedrängnis zu bewahren. Mit den Jahrhunderten wandelte der Trubel sein Gesicht. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war die Kirmes ein Jahrmarkt, bei dem Bauern landwirtschaftliche Erzeugnisse anboten. Dann rückten Volks- und Kinderbelustigung in den Vordergrund der Kirmes. Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Sinzig die ersten Kettenkarussells und Schiffschaukeln aufgebaut. Sie wurden von Sinziger Jungen betrieben, die sich etwas Geld verdienen wollten. Über dem Kettenkarussell befand sich ein Gestell, auf dem sie herumliefen, um das Karussell in Bewegung zu versetzten. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es sechs Säle in der Stadt, in denen sich die Sinziger trafen, um Kirmes zu feiern: den Saal des Hotels Kaiserhof auf dem Gelände der Post am heutigen Sinziger Kreisel, den Saal des Sinziger Winzervereins in Höhe des Rathauses an der Barbarossastraße, den Saal des Rheinischen Hofes (ehemals Schloss-Apotheke Sinzig) an der Mühlenbachstraße, den Saal Lenz und den Saal im Jägerheim (beide an der Ausdorferstraße) und den Helenensaal Sinzig. Bei den Kirmesbällen wie beim Maiball fanden unzählige Sinzigerinnen und Sinziger den Partner bzw. die Partnerin fürs Leben. Von besonderer Bedeutung für die Sinziger Kirmes ist und war das Feuerwerk. Es geht auf Otto Marhöfer zurück, der das Feuerwehr in den 1960er-Jahren in seiner Eigenschaft als Vertreter des Sinziger Ordnungsamtes zur Belebung für den Kirmes-Dienstag ins Leben rief, weil die Gästezahlen an diesem Tag zu wünschen übrig ließen. Zur Finanzierung führte Marhöfer eine Sammlung unter den Schaustellerleuten durch.[4]

Die Sinziger Kirmes beginnt seit jeher mit einem Umzug der St. Josef-Gesellschaft Sinzig 1300 e.V.. Vor Einführung der Sommerzeit veranstaltete die Gesellschaft einen Fackelzug, an dem sich alle Sinziger Vereine beteiligten. Heute - Stand: August 2013 - gibt es diesen Umzug immer noch, er hat aber beträchtlich weniger Zulauf als früher. Am Kirmes-Samstag spielen im Rhein-Ahr-Stadion traditionell die Fußballer des Sportclubs "Rhein-Ahr" Sinzig 1910 e.V.. In den 1960er-Jahren begannen die im Stadtrat Sinzig vertretenen politischen Parteien damit, auf der Kirmes Bierstände aufzustellen.[5]

Die Rhein-Zeitung berichtete am 15. August 2013:

Der Kirchweihtag zu Maria Himmelfahrt brachte auch ein Ritual mit sich, das die Sinziger wieder neu aufleben lassen: Zur Himmelfahrt der Muttergottes sammelten die Frauen bestimmte Kräuter für sogenannte Krautwische, die in der Kirche gesegnet wurden. Tausendgüldenkraut, Meisterwurz, Wermut, Schafgarbe, Kamille, Johanniskraut, Pfefferminze, Wurmkraut sowie einige Ähren von Hafer, Weizen und Gerste wurden zu einem Bündel zusammengefasst und nach der Segnung unter den Dachboden gehängt. Jede erste Kuh, die nach dem Winter aus dem Stall getrieben wurde, bekam ein Zweiglein zwischen die Hörner gesteckt, jede kalbende Kuh etwas davon ins Futter und brütende Hennen ins Nest, jedes Neugeborene in seine Wiege, jedes frisch vermählte Paar unter das Kopfkissen und jeder Verstorbene in den Sarg. Bei Gewitter wurden ein paar der Kräuter in den Ofen geworfen, um das Haus vor Blitzeinschlag zu schützen.[6]

Videos

Mediografie

Weblink

facebook.com: Kirmes in Sinzig

Fußnoten

  1. Quelle: Kirmes in Sinzig: Break Dancer vor Sankt Peter, general-anzeiger-bonn.de vom 17. August 2013
  2. Quelle: Kirmes in Sinzig: Vor Sankt Peter dreht sich der Joker, in: general-anzeiger-bonn.de vom 2. August 2014
  3. Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Sinzig/Johannes Büchel vom Juli 2010
  4. Quelle: Judith Schumacher: Historie: Sinziger Kirmes hat lange Geschichte, rhein-zeitung.de vom 15. August 2013
  5. Quelle: Aus dem Fackelzug ist ein Straßenumzug geworden - Fußballspiel war einst der Auftakt zum großen Volksfest, in: Rhein-Zeitung vom 15. August 2013
  6. Quelle: Krautwische-Ritual hat sich erhalten - Kräuterweihe wird wieder praktiziert, in: Rhein-Zeitung vom 15. August 2013