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Philipp Freiherr von Boeselager

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Dr. Wolfgang von Geldern (rechts) und Philipp Freiherr von Boeselager (links).
Diese Büste des Freiherrn von Boeselager schuf der ebenfalls in Kreuzberg lebende Bildhauer Rudolf P. Schneider.
AW-Landrat Dr. Jürgen Pföhler (v.l.) mit Freiherr von Boeselager kurz vor dessen Ernennung zum Ehrenbürger des Kreises Ahrweiler
AW-Landrat Dr. Jürgen Pföhler (v.l.) im Jahr 2005 bei der Übergabe der Verleihungsurkunde zur Ernennung von Philipp von Boeselager zum Ehrenbürger des Kreises Ahrweiler
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Cover einer Doppel-CD
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Name einer Straße in Münster
Name einer Kindertagesstätte in Münster

Philipp Freiherr von Boeselager (* 6. September 1917 auf Burg Heimerzheim bei Bonn, † 1. Mai 2008 auf Burg Kreuzberg in Kreuzberg) war das letzte Mitglied des innersten Kreises der Hitler-Attentäter um Claus Graf Schenk von Stauffenberg und Generalmajor Henning von Tresckow vom 20. Juli 1944. Von Boeselager besorgte den Sprengstoff für das Hitler-Attentat der in das Flugzeug geschmuggelt wurde, mit dem Hitler flog. Aber das Attentat misslang, weil die Zünder im unbeheizten Gepäckraum des Flugzeugs eingefroren waren. Bereits am 13. März 1943 war der ehemalige Wehrmachtsoffizier am Versuch eines Attentats auf Adolf Hitler beteiligt: Als sich an diesem Tag in Smolensk bei einem Frontbesuch Hitlers die Möglichkeit für ein Attentat ergab, meldeten sich Philipp und sein Bruder Georg Freiherr von Boeselager freiwillig für die Ausführung. Hitler sollte erschossen werden, was aber Generalfeldmarschall von Kluge verbot, weil Himmler nicht mitkam und nicht mitgetötet werden konnte. Kluge befürchtete sonst in der Folge einen Bürgerkrieg zwischen Heer und SS.[1] Nach dem misslungenen Anschlag der Gruppe um Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg am 20. Juli 1944 blieb er unentdeckt. Aber während des Krieges und durch Hinrichtung nach dem Attentat verlor er Geschwister. Ab etwa 1955 wohnte der Jäger und Forstpolitiker in Kreuzberg an der Ahr. Er war der einzige Ehrenbürger des Kreises Ahrweiler. Als Zeitzeuge besuchte er bis kurz vor seinem Tod unermüdlich aufklärend Schulen.


Vita

Philipp Freiherr von Boeselager wurde 1917 auf Burg Heimerzheim bei Bonn geboren. Der Baron wuchs mit acht Geschwistern in einem politisch engagierten Elternhaus auf Burg Heimerzheim westlich von Bonn auf, dem Stammsitz derer von Boeselager. Mit Ausnahme von Weihnachten hatte seine Familie nahezu ständig Besuch von Politikern und Kirchenleuten, von Militärvertretern, Freunden und Verwandten.

Im Widerstand

Sein Widerstand gegen Adolf Hitler und gegen den Nationalsozialismus machten Philipp Freiherr von Boeselager berühmt. Der Freiherr gehörte zum Kreis der Personen um Generalmajor Henning von Tresckow, die am 20. Juli 1944 das Attentat auf Hitler verübten. Von Boeselager hatte dazu Sprengstoff und Zünder nach Ostpreussen transportiert. Daraus entstand die Bombe, die Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Führerhauptquartier Wolfsschanze deponierte und per Zeitzünder zur Detonation brachte.

Von Boeselager und seine Männer sollten, so der Plan, die Attentäter nach einem gelungenen Anschlag absichern. 1200 Mann setzte der Reiteroffizier von Boeselager in Marsch; nach Hitlers Tod sollten sie in Berlin die Kontrolle übernehmen. Als ihn die Nachricht erreichte, dass der Anschlag missglückt war, rief er die Truppe wieder zurück. Seine Beteiligung an dem Attentat auf Hitler blieb jedoch zunächst unbekannt. "Ich hatte wahnsinniges Glück. Keiner verriet mich unter Folter", sagte er einmal in einem Interview.

Nach dem Krieg

Nach dem Krieg studierte der Ritterkreuzträger Volkswirtschaft. Nach bestandener Diplom-Prüfung übernahm von Boeselager im Jahr 1949 von seinem Vater den bis dahin von einem Verwalter bewirtschafteten Betrieb auf Burg Kreuzberg, wo er mit Ehefrau Rosa Maria lebte und vier Kinder auf die Welt brachte.

Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft setzte von Boeselager sein Engagement gegen den Faschismus fort. Ausserdem machte er sich für die Rehabilitierung Deutschlands stark. Über mehrere Jahrzehnte referierte er als Zeitzeuge fast wöchentlich vor Schülern und Studenten über Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Widerstand. "Mit seiner Tat hat Philipp Freiherr von Boeselager die Grundlage mit dafür geschaffen, dass Deutschland nach dem Krieg überhaupt wieder in den Kreis der Nationen aufgenommen wurde. Freiherr von Boeselager steht für das moralische Gewissen Deutschlands", sagte der rheinland-pfälzischen Ministerpräsident Kurt Beck im Dezember 2007, als Freiherr von Boeselager mit dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet wurde.

Bei einem Vortrag im Jahr 2004 auf dem Calvarienberg in Ahrweiler wurde von Boeselager von fünf Neonazis angepöbelt. Von Boeselager reagierte gelassen auf die jungen Männer, die den Hitlergruss zeigten: "Natürlich gibt es auch heute noch solche dummen Jungs, die von der damaligen Wirklichkeit keine Ahnung haben und sich verführen lassen", sagte er. Gerade deshalb nehme er sich für die Jugend gerne viel Zeit.

Am 15. Juli 2005 ist er auf einstimmigen Beschluss des Kreistags zum ersten Ehrenbürger des Kreises Ahrweiler ernannt und mit Ehrennadel und Urkunde ausgezeichnet worden. Die Festansprache hielt Klaus von Dohnanyi, ehemaliger erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg. Kreistag, Landrat und Bürger des Kreises wollten mit der Ernennung nicht nur die Rolle des Adeligen im Widerstand würdigen, sondern auch sein Engagement in Politik und Verbänden. Bis zu seinem Tod widmete sich von Boeselager der Forstpolitik. Von 1968 bis 1988 war er Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. 1952 hatte er den Landesverband Rheinland-Pfalz gegründet, und bis zu seinem Tod war der leidenschaftliche Jäger Vorsitzender des Waldbauernvereins Ahrweiler.

"Der Wald ist kein Selbstzweck, sondern eine von Menschen zum Wirtschaften angelegte Kulturlandschaft", sagte er einmal, wenn wir nicht wollen, dass es in der Eifel immer weniger Land- und Forstwirte gibt, müssen wir das Bewirtschaften ihres Eigentums attraktiv machen." Als sich die CDU in der Diskussion um den Paragrafen 218 für einen generell möglichen Schwangerschaftsabbruch aussprach, trat von Boeselager aus der CDU aus.

Von Boeselager engagierte sich auch bei den Maltesern. Seiner Initiative ist zu verdanken, dass Kranke, Alte und Behinderte ärztlich betreut werden, wenn sie heute mit den Maltesern nach Lourdes pilgern. 40 Jahre lang organisierte er deutschlandweit derartige Pilgerfahrten. Boeselager war Mitgründer der Lourdes-Wallfahrten der Kranken der Deutschen Diözesen. 46 Jahre lang - bis zum Jahr 2002 - kümmerte sich von Boeselager außerdem als Ritterhauptmann der Rheinischen Ritterschaft um die Belange des Stifts Ehreshoven bei Köln.

Auf einem Gebiet verfehlte von Boeselager allerdings sein Ziel: Sein Wunsch auf Rückgabe des Immobilienvermögens an unentdeckt gebliebene Widerstandskämpfer des 20. Juli, das von den Kommunisten konfisziert worden war, lehnte der Petitionsausschuss des Bundestages im Jahr 2003 einstimmig ab.

Im Januar 2004 wurde Philipp Freiherr von Boeselager von der französischen Europa-Ministerin und Beauftragten für deutsch-französische Beziehungen, Noelle Lenoir, im Außenministerium in Paris zum Offizier der französischen Ehrenlegion ernannt.

Trauerfeier und Beisetzung

Rund 1000 Gäste - darunter der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhahn, Verteidigungsminister Franz Josef Jung und der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch - nahmen an der Trauerfeier für den verstorbenen Widerstandskämpfer am Donnerstag, 8. Mai 2008, in der St.-Laurentius-Pfarrkirche in Ahrweiler teil. Die Öffentlichkeit war von der Trauerfeier in der Kirche allerdings ausgeschlossen; diese wurde jedoch über Lautsprecher auf den Ahrweiler Markt übertragen. Die Trauerfeier begann mit einem Totenoffizium des Malteserordens, dem der vom rheinischen Katholizismus geprägte Baron angehört hatte. Bundeswehrsoldaten hielten am Sarg Ehrenwache. Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann zelebrierte das Requiem. Verteidigungsminister Jung würdigte den Verstorbenen als Vorbild bei der ethischen Ausbildung der Bundeswehrsoldaten; er habe zu jenen gehört, „die in den dunklen Jahren der nationalsozialistischen Zeit zum Äußersten entschlossen waren und den Mut aufbrachten, gegen Unrecht, Willkür und Menschenverachtung aufzustehen.“ Zwei Stunden nach Beginn des Requiems nahm vor der Kirche auf dem Marktplatz von Ahrweiler eine Ehrenformation der Bundeswehr Haltung an. Dem mit einem blau-gelben Tuch abgedeckten Sarg, der anschließend auf einem Katafalk abgesetzt wurde, folgten die Trauergäste aus der Kirche. Das Heeresmusikkorps 300 intonierte nach einem Choral und einem Marsch die Nationalhymne, in die viele Zuschauer der Zeremonie mit einstimmten. Soldaten präsentierten die Ehrenzeichen, mit denen der verstorbene Baron ausgezeichnet worden war. Mit feierlichem Ehrengeleit der Bundeswehr wurde der Sarg mit dem Verstorbenen dann zu seiner letzten Ruhestätte neben der Burgkapelle „St. Antonius“ Kreuzberg auf seiner Burg im Altenahrer Ortsteil Kreuzberg überführt, wo er am Nachmittag im engsten Familienkreis beigesetzt worden ist. In den Tagen zuvor hatten bereits zahlreiche Menschen in der kleinen privaten Burgkapelle Abschied von Baron Boeselager genommen und sich in das Kondolenzbuch eingetragen.

Veröffentlichung

Philipp von Boeselager (mit Florence und Jérome Fehrenbach): Wir wollten Hitler töten: Ein letzter Zeuge des 20. Juli erinnert sich, Übersetzt aus dem Französischen von Reinhard Tiffert, 192 Seiten, Carl Hanser Verlag 2008, ISBN 978-3446231016[2]

Würdigungen

Johannes Freiherr Heereman, Regent des deutschen Subpriorates des Souveränen Malteser Ritterordens, beschrieb den kurz zuvor Verstorbenen Philipp Freiherr von Boeselager beim Staatsakt im Jahr 2008 in der Katholischen Pfarrkirche „St. Laurentius“ Ahrweiler als „Pirat und Konservativer, Rebell und Demokrat, Soldat und Widerständler, gelegentlich auch Sturkopf, Rennreiter, Ritter, Jäger, Naturliebhaber, Büchernarr, Erzähler zahlloser Geschichten und vor allem Familienvater.“[3]

Auszeichnungen

Video

Mediografie

Pressemitteilungen der Kreisverwaltung Ahrweiler

Weblinks

Fußnoten

  1. Quelle: Wikipedia: Georg Freiherr von Boeselager, Version vom 15. Februar 2018
  2. Besprechung siehe: Klaus Pokatzky: Bedeutungsvolles Ehrenwort, deutschlandfunkkultur.de vom 17. Juli 2008
  3. nach: Günther Schmitt: 200 Jahre Kreis Ahrweiler: Der Baron und die Brücke, general-anzeiger-bonn.de vom 9. Mai 2016