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Ahrwein-Messe am 25. November 2017 im Kurhaussaal in Bad Neuenahr

Katholische Pfarrkirche „St. Laurentius“ Ahrweiler

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Die 1269 erbaute Katholische Pfarrkirche „St. Laurentius“ am Marktplatz Ahrweiler stellt im Vergleich zu den damaligen Baugewohnheiten einen Sonderfall dar: Sie wurde nicht im damals üblichen basilikalen Stil gebaut, sondern als erste gotische Hallenkirche links des Rheins. Das bedeutet: Die Seitenschiffe sind gleich hoch wie das Mittelschiff. Aus der Westfassade wächst unvermittelt der gedrungen wirkende Turm hervor, ein Oktogon mit Giebelkranz, darüber befindet sich eine niedrige Spitze. Im Innern des dreischiffigen Gotteshauses finden sich Fresken aus dem 14. und 15. Jahrhundert.


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St. Laurentius - Heinz Grates (7).jpg
St Laurentius Ahrweiler 04.jpg
Predigtkanzel
Skulptur des Pfarrpatrons St. Laurentius
Taufbecken
Im Advent.
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Zur Zeit der Magnolienblüte
Die Außenseite des von Ernst Alt geschaffenen bronzenen Portals der Kirche
Die Innenseite des von Ernst Alt geschaffenen bronzenen Portals der Kirche

Standort

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Vorgeschichte

Über die Vorgeschichte der Kirche berichtete die Rhein-Zeitung am 28. Januar 2016:

Es waren wohl keltische Eburonen, die an der Ahr und in der Eifel siedelten, bevor die Römer vom ersten bis vierten Jahrhundert in der Region das Sagen hatten. Viele Spuren ihres Lebens haben sie hinterlassen, als sie nach 406 das Ahrtal wieder verließen und mit den Franken auch erste Christen das Land eroberten. Lange bevor Ahrweiler im Jahr 893 erstmalig im Güterverzeichnis der mächtigen Abtei Prüm auftaucht, bauten die christlichen Franken zur Ehre Gottes eine Kapelle. Sie stand in der Nähe der Kreisverwaltung, genau dort, wo heute an der abknickenden Wilhelmstraße das Elligkapellchen seinen Platz hat. Dort war auch das Zentrum des Dorfes „Arewilre“. Von einer Pfarrei „parochia Arewilre“ ist jedoch erstmalig 1204 die Rede. 1242 wurde das welfenfreundliche Dorf Arewilre samt Kirche auf Anordnung von König Konrad IV. vollständig eingeäschert. Schon um 1255 bekam das weiter westlich gelegene neue Ahrweiler seine Stadtmauer und die mächtigen Tore. Es dauerte noch bis 1269, ehe unter dem Prümer Benediktinerabt Gottfried der Grundstein für die heutige Kirche gelegt wurde. Einer anderen Urkunde nach, könnte es aber auch schon 1258 gewesen sein. ... Das eindrucksvolle Gotteshaus war nach einer Bauzeit von rund 30 Jahren im Wesentlichen vollendet.[1]

Allgemeines

Ahrweiler gehörte einst der Abtei Prüm. Sie ließ im 13. Jahrhundert die Kirche errichten (Grundsteinlegung 1269) und entsandte Benediktiner als Priester. Nach Säkularisation und Auflösung der Abtei wurden Priester als Pfarrer berufen, die keine Ordensleute waren. Seit 1824 gehört die Pfarrei zum Bistum Trier.

Die gotische Kirche ist dreischiffig und durch Strebepfeiler gegliedert. Das Mauerwerk besteht aus verputztem Bruchstein. Der eingebaute Turm ist ab Dachansatz dreigeschossig und wird von Giebelkranz und Spitzhelm abgeschlossen. Das Langhaus ist vier Joche lang, jedes Joch auf jeder Seite trägt ein Walmdach. Daran schließt sich jeweils ein schräg gestellter Seitenchor an.

Seitenchöre und Hauptchor werden von fünf Seiten eines Achtecks begrenzt. Die Emporen sind drei Joche lang und dämpfen das Licht in den Seitenschiffen. Starke Rundpfeiler tragen das Kreuzrippengewölbe. Der Kreuzweg wurde 1906 erworben. Die heutige Orgel wurde Anfang der 1990er Jahre eingebaut; ihr Barockgehäuse stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Den stärksten Eindruck hinterlassen die 1903 bei Restaurierungen entdeckten Fresken aus dem 15. Jahrhundert, die zum Beispiel biblische Szenen, Heilige und die Weihe der Kirche zeigen.

Kirchenfenster

Die Fenster für das Hauptchor wurden 1953 neu geschaffen (Gesamtfläche: zirka 70 Quadratmeter, Höhe: 11,5 Meter). Das Gesamtthema der figürlichen Darstellungen lautet: „Das Erlösungswerk Jesu Christi und unsere Teilnahme an seinem Fürchten.“ Das große Kirchenfenster „St. Michael“ stellt einen gefallenen Soldaten dar. Darunter steht folgender Text: „Zum Andenken an unsern am 9. Sept. 1915 in Russland gefallenen Sohn Walter - Peter Both und Agnes Schäfer.“

Die Fenster im nördlichen Seitenchor zeigen u.a. St. Jakobus, St. Albertus Magnus und den Erzengel Michael.

Die Dreifaltigkeitsfenster zeigen u.a.:

Die Fenster im Hauptchor zeigen u.a. St. Laurentius

Das rechte Chorfenster zeigt u.a. Papst Urban I. und Winzer bei der Traubenlese.

Die Rundfenster unter den Emporen zeigen u.a. St. Christophorus, St. Theodor und St. Agnes.

Die vier Hutenfenster auf der Empore zeigen u.a.:

  • St. Barbara mit einem Kelch (Zeichen der Verehrung der hl. Eucharistie) in der Hand
  • St. Ursula mit einem grünen Zweig in der Hand (Zeichen des Sieges)
  • St. Katharina mit Pfeilen und einem Rad

Das Franziskusfenster auf der südlichen Empore wurde 1959 eingebaut und nach einem Karton von Rudi Schillings gefertigt. Es zeigt St. Franziskus bei einer Predigt in Anwesenheit von Tieren. Die Tiere hören auf ihn: Der Pelikan reißt seinen Schnabel auf, die Rehe drehen ihre Köpf zu ihm und der Pfau steht aufmerksam daneben.

Orgel

„Bereits 1525 war eine größere Orgel beschafft worden“, schrieb Paul Clemen 1938 in seinem Buch Die Kunstdenkmäler des Kreises Ahrweiler.

Einen schwarzen Tag erlebte St. Laurentius, als französische Truppen, die Ahrweiler besetzt hatten, am 1. Mai 1689 die gesamte Stadt in Brand steckten. Nur wenige Häuser blieben verschont, die Pfarrkirche nicht. Dach, Turmhelm und fast die gesamte Inneneinrichtung verbrannten. Das Feuer entwickelte eine derartige Hitze, dass selbst die acht Glocken schmolzen. Feuer, Hitze und herabfallende Trümmerteile machten auch die Orgel unbrauchbar. Es dauerte Jahre, die Kirche wieder aufzubauen. Die Fresken aus dem 14./15. Jahrhundert, die dabei übertüncht wurden, sind erst im Zuge der Renovierung von 1903 bis 1907 wiederentdeckt, freigelegt und ergänzt worden.

Fast 30 Jahre später, im Jahr 1717, wurde mit dem Orgelbauer Balthasar König aus Münstereifel ein Vertrag zur Lieferung einer neuen Orgel abgeschlossen. Um Platz für das neue Instrument zu schaffen, wurde die Orgelempore durch einen vorgelegten Bogen erweitert. Das Gehäuse wurde 1726 von Meister Georg Hondt angefertigt. 1728 ist die neue Orgel eingeweiht worden.

Nach 1780 wurde die barocke Ausstattung der Kirche größtenteils durch eine neugotische ersetzt. Davon war wohl auch die Orgel betroffen. Der barocke Orgelaufbau blieb jedoch erhalten, wie Paul Clemen schrieb.

1903 wird die Orgel durch ein neues Instrument aus Aachen ersetzt, das etwa von dem Küster, Organist und Komponist Johannes Müller gespielt wurde.

Die Johannes Klais Orgelbau GmbH & Co. KG Bonn wurde im Jahr 1954 beauftragt, die Orgel zu erneuern. Denn der Zahn der Zeit hatte ihren Pfeifen tüchtig zugesetzt. Das Gehäuse mit dem Harfe spielenden David und den Posaune blasenden Engeln blieb dabei erhalten. Zwei Jahre später, im März 1956, konnte Dechant Joseph Rausch erstmals wieder einen Gottesdienst mit Orgelbegleitung feiern.

1991 wurde die Orgelwerkstatt Fischer & Krämer aus Endingen am Kaiserstuhl beauftragt, das Kircheninstrument zu ersetzen. Zwei Drittel der 47 Register der neuen Orgel stammen aus den Vorgängerorgeln von 1903 und 1956. Seitenwände und Unterbau sind von 1903.

Am 10. August 1991, während des Pfarrfestes, wurde die neue Orgel eingeweiht und in Betrieb genommen. Dechant Josef Zenz segnete das Instrument.

Im Jahr 2004 wurde dieses Instrument durch ein Solowerk mit drei Registern in einem historischen, neugotischen Gehäuse auf der Seitenempore erweitert. Der Orgel-Förderverein St. Laurentius Ahrweiler e.V. machte es dann möglich, dass das Instrument vor Pfingsten 2009 um ein Röhrenglockenspiel erweitert werden konnte. 25 nach oben geschlossene Klangröhren aus Messing haben einen sonoren Klang, dem Geläut von kleinen Kirchenglocken ähnlich, und verfügen über einen Tonumfang von g° bis g² = 25 Töne. Die Röhren haben ihren Platz außen seitlich am Gehäuse. Sie sind dort aus dem Kirchenschiff zwar nicht zu sehen, aber optimal zu hören. Belederte Holzhämmerchen schlagen die Röhren mittels Elektromagneten an.[2]

Mit einem Orgelkonzert wurde beim Pfarrfest am 14. August 2016 das 25-Jährige der Fischer & Krämer-Orgel gefeiert. Seit der Inbetriebnahme im Sommer 1991 habe sich das Instrument „in etwa 10000 Gottesdiensten und 250 Orgelkonzerten bewährt“, postete Organist Klaus-Dieter Holzberger auf Facebook.

Geläut

1689 wurden bei der Brandschatzung durch französische Truppen fast die gesamte Inneneinrichtung und die Dächer der St. Laurentius-Kirche zerstört. Auch acht Glocken fielen dem Feuer zum Opfer. Im Jahr 1694 goss Meister Johannes Bourlet aus Jülich mehrere Bronzeglocken, die am 24. Juli 1695 durch den Kölner Weihbischof Joh. Peter Burmann geweiht und im Turm untergebracht wurden. Drei dieser Glocken (1400, 1100 und 850 Kilogramm) bilden auch heute noch das Hauptgeläut von St. Laurentius. Zwei weitere Bronzeglocken kamen in den Jahren 1731 (190 Kilogramm) und 1751 (120 Kilogramm) hinzu.

1978 wurde durch den amtlichen Glockensachverständigen der Diözese Trier J. Schaeben aus Euskirchen ein Gutachten über Geläut und Glockenstuhl erstellt, das zur Folge hatte, dass der fast 300 Jahre alte Holz-Glockenstuhl durch einen Stahlträger-Glockenstuhl ersetzt werden musste. Hier entschied sich der damalige Verwaltungsrat der Kirchengemeinde auf Anraten des Glockengießers Hans-August Mark aus Brockscheid dazu, den neuen Glockenstuhl so auszubauen, dass gegebenenfalls in späteren Jahren wieder acht Glocken aus dem Turm von St. Laurentius läuten könnten, wie dies bereits vor 1689 war.

Die drei Glocken, die im Jahr 2003 neu gestiftet wurden (Seligenglocke, Cäcilienglocke und Sebastianglocke) vervollständigen das Geläut und wurden auf das Motiv „Salve Regina“ abgestimmt.

Name der Glocke[3] Ton Gewicht (kg) Jahr des Gusses Glockengießerei
St. Sebastianus cis 5 2000 2000 Eifeler Glockengiesserei Mark, Brockscheid
St. Laurentius e' 1400 1694 Johannes Bourlet, Jülich
St. Josef f' 1100 1694 Johannes Bourlet, Jülich
Mutter Gottes fis' 850 1694 Johannes Bourlet, Jülich
St. Cäcilia a 5 510 2000 Eifeler Glockengiesserei Mark, Brockscheid
Seligen cis 7 260 2000 Eifeler Glockengiesserei Mark, Brockscheid
kleine Laurentius e 190 1731 Johann Heinrich Dienckel Meyer von Collen
St. Severin und St. Johannes fis 120 1751
Ave Maria gis ca. 60 1694 Johannes Bourlet, Jülich

Hauptportal

Das Hauptportal aus Bronze wurde von dem saarländischen Bildhauer Ernst Alt entworfen und realisiert. Das Portal ist eine Stiftung von Privatleuten aus Ahrweiler.

Beleuchtung

"Die neue Lichtanlage in der Pfarrkirche St. Laurentius in Ahrweiler stößt überall auf begeisterte Zustimmung", hieß es am 18. November 2015 in der Rhein-Zeitung. Die Anlage besteht aus 75 Pendel- und Wandleuchten mit stromsparender Halogen-Niedervolt- in Kombination mit LED-Technik. Die Pfarrgemeinde hatte die Krefelder Firma "Silberstreif" mit der Projektplanung beauftragt; zusammen mit dem Osnabrücker Lichtkünstler Mario Haunhorst entwickelte sie das Lichtkonzept. Die Vorgabe: Die neue Beleuchtung sollte mehr Licht in den Innenraum der Kirche bringen; dabei sollte das Licht von den Kirchenbesuchern aber nicht als aufdringlich empfunden werden. Im Sommer 2013 stellte der Pfarrverwaltungsrat das Konzept vor. RZ-Autorin Gabi Geller zitiert Stephan Gotzes von den Lichtplanern aus Krefeld: „Der Wirkungsgrad des neuen Systems ist etwa vier- bis fünfmal höher als der des alten, der Anschlusswert liegt nur noch bei knapp 5000 Watt.“ Mit der computergesteuerten Anlage lassen sich unterschiedliche Lichtszenarien verwirklichen. In der RZ heißt es:

Beim Besuch der Heiligen Messe erleben die Gläubigen kurz vor Beginn der Liturgie eine „Einstimmungsbeleuchtung“. Denn „wenn das Licht gedimmt wird, dann wird es plötzlich ruhiger“, hat Dechant Jörg Meyrer beobachtet. Nach dem Schlusssegen kommt das „Rausgehlicht“ zum Einsatz, also ein gut beleuchteter Weg zum Ausgang. „Wir haben eine eigene Beleuchtung für Taufen, für Beerdigungen und andere Situationen programmiert“, so der Dechant. Wenn die Reinigungskräfte ihrer Arbeit nachgehen, dann wird das Putzlicht eingeschaltet.[4]

Außerdem haben Besucher die Möglichkeit, 50 Cent in einen Automaten einzuwerfen, um einzelne Teile der Kirche zu beleuchten - Decke und Gewölbe etwa, das Orgelgehäuse, ein Fresko oder den Altarraum. 100.000 Euro kostete die Anlage insgesamt. Das Bistum Trier übernahm die Planungskosten und zahlte 40 Prozent der Elektroarbeiten. Der Rest muss von der Pfarrgemeinde aufgebracht werden.

Weitere Bilder

Kirchenfenster

Siehe auch

Mediografie

Weblinks

Fußnoten

  1. Quelle: St. Laurentius ist Ahrweilers Herz – Serie Pfarrkirche prägt die Rotweinmetropole an der Ahr, in: Rhein-Zeitung vom 28. Januar 2016
  2. Quellen: Jochen Tarrach: Alte Orgel hat junges Innenleben - Kircheninstrument von St. Laurentius wurde mehrfach erneuert, in: Rhein-Zeitung vom 9. Januar 2015, u.a.4
  3. Quelle: http://www.josef-pietron.de/beiern2/ahrweiler/ahrweiler.html, gesehen am 15. Dezember 2016
  4. Quelle: Gabi Geller: Laurentiuskirche erstrahlt in neuem Licht - Neue Beleuchtungsanlage hat unterschiedliche Szenarien programmiert, in: Rhein-Zeitung vom 18. November 2015