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Kreissparkasse Ahrweiler

Wirftbach

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Wirftbach am Dreimüllerhof
Wirftbach und Barweiler Mühle
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Im Rahmen des Naturschutzprojektes Obere Ahr - Hocheifel wird das Stauwehr am Dreimüllerhof beseitigt und durch eine naturnahe Rampe ersetzt.
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Der zwölf Kilometer lange Wirftbach, der früher wohl die Barweiler Mühle antrieb, mündet bei Kirmutscheid in den Trierbach. Das Quellgebiet des Wirftbachs liegt auf einer Höhe von 579 Metern unter der Start- und Zielgeraden des Nürburgrings. Mit dem Bau der Nürburgring-Nordschleife und später der Grand-Prix-Strecke wurde der Bachlauf verlegt und verrohrt. Die heutige „Quelle“ ist deshalb nicht mehr als ein Betonrohr. Dennoch steht das Umfeld unter dem Schutz des Landesnaturschutzgesetzes von Rheinland-Pfalz. Deshalb wurden, um den Zugang zu dem Gelände zu erschweren, Zäune aufgestellt. Weil die Zäune leicht zu überwinden sind, wird das Quellgebiet von Besuchern des Nürburgrings jedoch häufig als Freiluft-Toilette genutzt. Für die Unterhaltung des kleinen Gewässers ist das Bauamt der Verbandsgemeindeverwaltung Adenau zuständig.


Durchgängigkeit

Die Durchgängigkeit des Wirftbaches für Fische, Amphibien und Insekten ist in etlichen Abschnitten nicht gewährleistet. Querbauwerke mit Abstürzen im Gewässer, wie zum Beispiel bei Ableitungen zu ehemaligen Mühlen über Mühlgräben oder zu Fischteichen, macht die Wanderung von Wassertieren unmöglich. Gleiches gilt für die Verrohrung von Bachabschnitten als kurzes Querbauwerk bei Wegeüberführungen oder gar als Längsverrohrung, wie das etwa an der Kottenborner Mühle am Wirftbach auf 60 Metern der Fall ist.[1]

Renaturierung

Der Oberlauf des Wirftbachs wurde mehrfach als Beispiel für eine erfolgreiche Gewässer-Renaturierung genannt. Als Ausgleichsmaßnahme für den Eingriff in Natur und Landschaft durch den Bau des Fahrsicherheitszentrums I am Nürburgring wurde der obere Teil des Wirftbaches Mitte der 1990er-Jahre renaturiert. Weil im Einzugsgebiet des Baches immer mehr Flächen versiegelt worden waren, vor allem nach 1984 im neuen Fahrerlager am Nürburgring, musste der Bach bei Regenschauern häufig innerhalb kurzer Zeit immer größere Wassermassen transportieren. Das führte zu Erosionen von bis zu zwei Metern Tiefe. Durch die Renaturierung gelang es, die Erosion zu stoppen. Dazu waren die ausgewaschenen Rinnen mit Wasserbausteinen zugeschüttet worden. Die Bachtiefe blieb in den folgenden Jahren stabil und es bildete sich wieder ein breites Auenbiotop. Zur Renaturierung wurde außerdem ein Rohr entfernt, das den Bach unter einem kreuzenden Weg her führte. Statt dessen wurde eine Furt angelegt. Weitere Sumpfflächen wurden in Richtung Bundesstraße 257 angelegt.

Oberhalb der Mündung des Wirftbaches in den Trierbach hatten sich durch Sohlenerosion ebenfalls Vertiefungen von rund 50 Zentimetern gebildet. Sie sollten, hieß es im Jahr 2001, durch vergleichsweise einfache Mittel wie Stein- oder Holzschwellen behoben werden.

Im Rahmen des Naturschutzprojektes Obere Ahr - Hocheifel werde die biologische Durchgängigkeit des Wirftbaches im Gebiet der Ortsgemeinden Barweiler, Wimbach und Kottenborn wieder hergestellt, hieß es in einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung Ahrweiler vom August 2014. Der Kreis- und Umweltausschuss des Kreises Ahrweiler hatte zuvor entsprechende Aufträge über rund 138.000 Euro für die Wasserbaumaßnahmen vergeben. Ende August 2014 würden die Arbeiten beginnen. Die Wehre am Dreimüllerhof und an der Barweiler Mühle bekommen im Rahmen der geplanten Maßnahmen ein naturnahes Bachbett in Form einer sogenannten „Rauen Rampe" mit natürlichem Gefälle. Im Bereich der Kottenborner Mühle wird die rund 60 Meter lange Verrohrung des Baches beseitigt. Darüber hinaus wird die vorgeschaltete Steinrampe beseitigt. Damit Fahrzeuge des land- und forstwirtschaftlichen Verkehrs den Wirftbach dort weiterhin überqueren können, wird eine Furt angelegt. Fußgänger können künftig den Bach über Trittsteine passieren. Weitere Projektziele im Wirftbachtal seien die Erhaltung und Entwicklung der artenreichen extensiv genutzten Grünlandflächen. Darüber hinaus sollen Gewässerrandstreifen eingerichtet und Laubwaldbiotope entwickelt werden.[2]

Bachpatenschaft

Auf Beschluss des Verbandsgemeinderates Adenau wurde für den oberen Teil des Wirftbachs in der Nähe des Nürburgrings im Herbst 2011 eine Bachpatenschaft vergeben. Bachpate wurde die BUND-Kreisgruppe Ahrweiler. Die Nürburgring-GmbH und die Nürburgring Automotive GmbH sind als Besitzer von Teilen der Flächen ebenfalls als Vertragspartner mit im Boot. Der betroffene Abschnitt des Wirftbaches erstreckt sich vom Quellbereich Wirftbach/Hatzenbach bis zu den Nürburgring-Parkplätzen D 4 bis D 7.[3]

Der damalige Bürgermeister Hermann-Josef Romes sagte bei Vertragsabschluss: „Ökologische Belange und auch die Freude am möglichst naturnahen Bach in einer Tourismusregion wie der Hocheifel gebieten es, unsere Gewässer in bestmöglichen Zustand zu bringen beziehungsweise zu erhalten." Winfried Sander, Leiter des Arbeitskreises „Bachpatenschaft“ im BUND und Initiator des Projektes, nannte als langfristiges Ziel, Schüler der Verbandsgemeinde Adenau in das Bachpatenprojekt einzubinden.

Die Aufgaben des Bachpaten bestehen beispielsweise in der Mitarbeit bei der Gewässerpflege, in der regelmäßigen Beobachtung des Gewässers und der Übermittlung von Beobachtungsdaten an die Verbandsgemeindeverwaltung Adenau. Aufgabe des BUND werde es auch sein, im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit Exkursionen mit Führung entlang des Wirftbachs anzubieten. Zudem werde der BUND Hinweistafeln mit entsprechenden Texten und Bildern entwickeln und aufstellen.

Im Frühjahr 2013 wird die BUND-Patenschaft von einem europaweit agierenden Unternehmen unterstützt. Die Rhein-Zeitung berichtete am 11. April 2013:

EURid mit Sitz in Brüssel zählt zu den größten Top-Level-Domains weltweit und ist eine Non-Profit-Organisation, die nach einer Ausschreibung von der Europäischen Kommission mit der Verwaltung der Top-Level-Domain mit EU-Endung beauftragt wurde. Sie stellt 500 Millionen Menschen in 27 EU-Ländern eine zentrale Internet-Identität zur Verfügung. EURid ist für das „Eco-Management and Audit Scheme“ (EMAS) der EU zertifiziert, was das Engagement der Organisation in Sachen Natur- und Umweltschutz belegt.

Die Organisation „Naturefund“ mit Sitz in Wiesbaden hatte den Kontakt hergestellt. Naturefund ist eine Naturschutzorganisation, die zum Beispiel Land kauft für Natur, um Lebensraum für die Vielfalt der Arten zu bewahren. Sie organisiert auch Sponsorengelder, um herausragende Naturschutzprojekte zu unterstützen. Zwei dieser Projekte sind die Patenschaften des Staatlichen Dr.-Erich-Klausener-Gymnasiums Adenau für einen Teil des Adenauer Baches und die Patenschaft des BUND für den Wirftbach am Nürburgring. EURid stellte der BUND-Kreisgruppe 500 Bäume zur Verfügung, um die Strukturgüte am Bach aufzuwerten. Die Bäume sollen der Tiefenerosion entgegenwirken, dem Gewässer Schatten spenden, damit der Sauerstoffgehalt in den Sommermonaten nicht allzu sehr sinkt, und zudem den Kleinstlebewesen im Bach durch den Laubfall Nahrung bieten.

Gewässerqualität

Köcherfliegenlarven, Vielaugenstrudelwurm, Hakenkäfer – diese Tiere zeugen von der hohen Wertigkeit des Wirftbachs. Nach erfreulichen Ergebnissen der chemischen Untersuchungen am Wirftbach durch Schüler des Staatlichen Dr.-Erich-Klausener-Gymnasiums Adenau[4] standen im Juli 2012 biologische und ökologische Untersuchungen an. Reinhard van Ooyen, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Ahrweiler, und Winfried Sander, Arbeitskreisleiter für Bachpatenschaften vom BUND, stellten fest: Die Gewässerstrukturgüte befindet sich bei der Aufnahme auf einer fünfstufigen Skala im oberen positiven Bereich mit weiterem Entwicklungspotenzial, noch positiver ist die biologische Situation, wo teils sehr gute Bereiche zu notieren waren.[5]

Chronik

Eine Reihe von Experten traf sich im Oktober 2016 unter Federführung der Gemeinnützigen Fortbildungsgesellschaft für Wasserwirtschaft und Landschaftsentwicklung (GFG) zur Veranstaltung „Gewässer-Nachbarschaft Ahr“. Dabei wurde die Entwicklung des oberen Wirftbaches sehr positiv bewertet. Zu den Teilnehmern zählten Vertreter des Mainzer Umweltministeriums, der Kreisverwaltung Ahrweiler, der Verbandsgemeinden im Einzugsgebiet der Ahr, der Forstämter, des Dienstleistungszentrums ländlicher Raum, der Umwelt- und Naturschutzverbände sowie interessierte Bürger. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag von Reinhard van Ooyen und Winfried Sander von der BUND-Kreisgruppe Ahrweiler, die von der seit 20 Jahren laufenden Renaturierung am oberen Wirftbach und der seit fünf Jahren bestehenden „Bachpatenschaft Wirftbach“ berichteten.[6]

Sonstiges

Der Wirftbach, der aus dem Zusammenfluss des Hatzenbachs und eines namenlosen Gewässers entsteht, mündet bei Kirmutscheid auf einer Höhe von 317 Metern in den Trierbach. Dabei bewältigt er einen Höhenunterschied von 262 Metern. Sein Einzugsgebiet ist 22 Quadratkilometer groß. Der Wirftbach bildet sich an einer Gewässerscheide, an der sich zwei Gewässersysteme voneinander trennen: Am Nürburgring geht es auf der einen Seite in den Nettebach und auf an der anderen in die Ahr. Die ehemalige Quellmulde des Wirftbaches unmittelbar an der Zielgeraden des Nürburgrings wurde beim Bau der Rennstrecke zugeschüttet, sein weiterer Verlauf im oberen Bereich verrohrt. Die Rhein-Zeitung berichtete im Juli 2014:

Bei der Aufnahme von Oberflächenwasser aus dem Bewirtschaftungsbereich innerhalb des Nürburgrings hat der Wirftbach eine besondere Rolle als Vorfluter. Das Oberflächenwasser der versiegelten Flächen, Gebäude, Wege und Parkplätze wird in aller Regel über das Kanalsystem dem Wirftbach zugeführt. Die versiegelte Fläche, die dem Wirftbach eine Menge Wasser einbringt, beträgt immerhin etwa 17 Hektar. Diese Niederschlagsmenge wird seit dem Bau der Grand-Prix-Strecke im Jahr 1984 in den Wirftbach abgeleitet. Die Folge: eine erhebliche Erosion des Gewässers in die Tiefe – teilweise bis zu zwei Meter. Mitte der 1990er-Jahre wurde der Bach als Ausgleichsmaßnahme für die Eingriffe in Natur und Landschaft beim Bau des Fahrsicherheitszentrums I am Nürburgring renaturiert. Der Bau eines umfangreichen Regenrückhaltebeckens, das mit einer Drosselung des Abflusses versehen ist, reduziert die Intensität des Abflusses, vermindert somit die Erosion in die Tiefe und die Gefahr von Hochwassern für die weiter unterhalb liegenden Ortschaften, sprich: für Wirft. Die BUND-Kreisgruppe hat ihre Bachpatenschaft dazu nutzt, die standortfremden Fichtenbestände entlang des Baches zu entfernen und typische, gewässerbegleitenden Baumarten wie Esche und Schwarzerle anzupflanzen. Der Wirftbach verfügt in seinem Verlauf über einen großen Bestand an ökonomisch attraktiven Fischteichen, beispielsweise die Barweiler Mühle.[7]

Siehe auch

Wirftbachtal

Mediografie

Gewässer-Nachbarschaft Ahr – 20 Jahre Renaturierung des Wirftbaches in Theorie und Praxis – Großprojekt „Obere Ahr/Hocheifel“ auf sehr gutem Weg (Pressemitteilung der BUND-Kreisgruppe Ahrweiler), blick-aktuell.de vom 28. September 2016

Fußnoten

  1. Quelle: Rhein-Zeitung vom 6. März 2013
  2. Quelle: Naturschutzgroßprojekt: Wirftbach soll wieder frei fließen - Wasserbauarbeiten in den Ortsgemeinden Barweiler, Wimbach und Kottenborn beginnen Ende August, Pressemitteilung der Kreisverwaltung Ahrweiler vom 22. August 2014
  3. Quelle: Rhein-Zeitung vom 8. Oktober 2011
  4. Siehe: Wirftbach ist selbst vor Rock am Ring geschützt - Natur Schüler des Adenauer Gymnasiums untersuchen das Gewässer nach musikalischer Großveranstaltung, in: Rhein-Zeitung vom 27. Juni 2012
  5. Quelle: Rhein-Zeitung vom 1. August 2012
  6. Quelle: Christoph Lüttgen: Naturschützer im Kreis Ahrweiler zufrieden: Geglückte Renaturierung des Wirftbaches, general-anzeiger-bonn.de vom 7. Oktober 2016
  7. Quelle: Winfried Sander: Auch kleinere Flüsse haben Besonderheiten – Zuflüsse zur oberen Ahr und ihre Bedeutung am Beispiel von Trierbach mit dem Wirftbach, in: Rhein-Zeitung vom 4. Juli 2014