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Synagoge Remagen

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Die ehemalige Synagoge Remagen war eins der jüdischen Gotteshäuser, die dem nationalsozialistischen Hass zum Opfer fielen.


Der Remagener Stadtarchivar Kurt Kleemann mit dem Original-Stern der ehemaligen Synagoge.
Die Synagoge im Jahr 1905.
Synagoge Remagen.JPG

Geschichte

Bau und Einweihung

Die von einer Gartenanlage und einer niedrigen steinernen Mauer umgebene Synagoge war ein solider Bau, architektonisch ansprechend und „geradezu postkartenreif“, wie der Bonner Archivar Hans Kleinpass 1991 im Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler schrieb. Ende Dezember 1862 hatte sich Salomon Cahn, der Vorsteher der israelitischen Gemeinde Remagen, zu der im Übrigen auch die in Bodendorf und Oberwinter wohnenden Israeliten gehörten, mit einer Eingabe an den Bürgermeister, den evangelischen Premierleutnant Friedrich Wilhelm Beinhauer, gewandt:

Die jüdische Gemeinde könne zwar eine Synagoge im Hause seines verstorbenen Vaters nutzen, sie habe aber kein Eigentumsrecht. Außerdem sei die Räumlichkeit unzweckmäßig, klein, ungesund, unwürdig und geradezu erbärmlich. Darüber hinaus drohe ein geplanter Neubau nebenan der kleinen Synagoge den letzten Rest spärlichen Lichts zu nehmen, den sie bis dahin hatte. Deshalb müsse eine neue Synagoge gebaut werden. Mittel und Kräfte der Gemeinde reichten dazu jedoch nicht aus. Er bat den Bürgermeister deshalb, sich dafür einzusetzen, dass die jüdische Gemeinde eine Kollekte in der Rheinprovinz durchführen darf. Die Gemeinde zählte damals in Remagen 14 Familien mit 64 Seelen, in Oberwinter vier Familien mit 20 Seelen.

1865 begann die sogenannte Judengenossenschaft mit dem Bau auf dem Graben, dem Arresthaus gegenüber. Zuvor hatte sie für 400 Reichtstaler ein Grundstück erworben. Die Remagener Stadtverordnetenversammlung hatte einen Zuschuss von 50 Reichstalern gewährt. Zur Einweihungsfeier vom 20. bis 22. August 1869 bewilligte sie noch einmal zehn Taler. Am 20. August versammelten sich die Gemeindemitglieder nebst den beiden Festrednern, dem Bonner Rabbiner Auerbach und Ben Israel aus Koblenz, in der alten Synagoge. Israel hatte zwei Jahre vorher die Synagoge Sinzig eingeweiht. Seine ausgezeichnete Festrede war vielen Gästen noch gut in Erinnerung. Nach einem Abschiedsgottesdienst nahmen sie die Thorarollen aus ihrer Lade und trugen sie in einem Festzug zur neuen Synagoge. Einige Jungen, die Fähnchen trugen, gingen dem Zug voran. Ihnen folgte eine Schlüsselträgerin, die von zwei Damen in weißen Kleidern begleitet wurde. Auf ein Musikcorps folgten die Thoraträger, die von Mädchen mit Girlanden umgeben waren und denen sich die beiden Rabbiner und die Vorsänger anschlossen. Dann kamen Bürgermeister Friedrich Wilhelm Beinhauer und sein Sinziger Kollege Theodor Wenner, die Stadtverordneten, Ehrengäste und die übrigen Mitglieder der Gemeinde. Die Wohnhäuser entlang des Zugweges und auch das Rathaus waren festlich beflaggt. Als der Festzug auf dem Platz vor der neuen Synagoge angelangt war, überreichte die Schlüsselträgerin den Schlüssel an Bürgermeister Friedrich Wilhelm Beinhauer. Der überreichte ihn wiederum nach einer Ansprache dem Bonner Oberrabbiner zum Öffnen der Synagoge. Drinnen wurden Festreden gehalten. Unter großer Beteilung der gesamten Bevölkerung wurden an den beiden folgenden Tagen Konzerte und Festbälle gegeben.

Pogromnacht

Im Kreis Ahrweiler begannen die Ausschreitungen gegenüber Juden und ihrem Eigentum erst am Morgen nach der Pogromnacht, am 10. November 1938. Eine Zeitzeugin aus Remagen erinnerte sich daran, wie sie an diesem Morgen mit Klassenkameradinnen in der großen Pause zu der brennenden Remagener Synagoge lief. Auf dem Schulweg hatte sie bereits die Spuren von Verwüstungen gesehen. So war das Schaufenster des Geschäfts von Jonas Levy eingeschlagen worden. Eine andere Zeugin, die an jenem Morgen zur Post wollte, sah, wie Funken aus dem Dachstuhl der Synagoge stieben. Gelöscht wurde nicht. Die Feuerwehr sorgte lediglich dafür, dass das Feuer nicht auf andere Gebäude übersprang, insbesondere auf die Post.

Erhalten blieb der schmiedeeiserne Davidstern, der den Giebel krönte. Christian Hillen, ein städtischer Angestellter, war bei der ausgebrannten Synagoge zur Brandwache eingeteilt worden. Tags drauf nahm er den Stern mit nach Hause. Seine Witwe übergab ihn 1996 der Stadt. Christian Hillen, alten Remagenern besser bekannt als „Hillens Cress“, war mehr als vier Jahrzehnte lang Wasserwärter der Stadt Remagen. Während des Krieges stellte er unter schwierigsten Bedingungen die Wasserversorgung sicher. So hatte er am 7. März 1945, als amerikanische Soldaten mittags nach Remagen einmarschierten, abends schon einen Sonderausweis für sich und seinen Installateur Albert Krahe, um an der Wasserleitung weiterzuarbeiten. Als randalierende US-Soldaten das Wasserwerk zu zerstören drohten, setzte er es kurzerhand unter Wasser.

Hillen war auch bei der Feuerwehr aktiv. Am 10. November 1938 hielt er mit einem Feuerwehrkameraden Brandwache an den noch schwelenden Trümmern der Synagoge. Aus dem Schutt nahm Hillen den eisernen Davidstern mit, der noch wenige Stunden zuvor mit den Gesetzestafeln den Giebel der Synagoge geziert hatte. Er war fest überzeugt davon, dass dieser Davidstern eines Tages wieder gebraucht werde, und war auch in Notzeiten nicht bereit, das Stück zu verkaufen. Erst zwölf Jahre nach Hillens Tod übergab Eva Hillen den Davidstern 1996 an den damaligen Bürgermeister Lorenz Denn.

Karl Schmitz, ein inzwischen verstorbener Alt-Sozialdemokrat aus Oberwinter, erinnerte sich daran, dass Schutt und Trümmer der Synagoge acht Jahre lang liegen blieben und erst nach dem Krieg beseitigt wurden. Lange lag der Platz brach, bis er zum Parkplatz umgestaltet wurde. Schmitz erinnert sich auch daran, dass sich die Nazi-Schergen der Region in der „Reichskristallnacht“, wie die Nazis ihre Schandtaten verharmlosend und verherrlichend nannten, gegenseitig höchst unrühmliche Nachbarschaftshilfe leisteten: Männer aus Remagen und Oberwinter seien gesehen worden, als sie am Morgen des 10. November in Uniform in Richtung Linz und Neuwied aufbrachen, um dort Verwüstungen und Brandschatzungen anzurichten. Ein ehemaliger SS-Mann aus Oberwinter sei in Neuwied erkannt worden. Die Synagoge Remagen wurde vermutlich von SS-Leuten aus Bad Neuenahr und Ahrweiler in Schutt und Asche gelegt.

Unter 5448 Einwohnern lebten 1933 in Remagen 27 Juden, die sich in der Synagoge zum Beten einfanden. 1942 wurden die Remagener Juden deportiert.

Siehe auch

Mediografie

Weblinks