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Ahrwein-Messe am 25. November 2017 im Kurhaussaal in Bad Neuenahr

Alte Schule Walporzheim

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Die an der Einmündung der Winzerstraße in das Schulgäßchen stehende Alte Schule Walporzheim dient heue als Dorfgemeinschaftshaus. Der Junggesellenverein "St. Sebastianus" Walporzheim e.V. hat dort einen eigenen Raum, und der Männergesangverein "Lyra" Walporzheim 1896 e.V. trifft sich dort regelmäßig zur Probe.


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Standort

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Chronik[1]

Die Kinder von Walporzheim besuchten bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts die Schule in Ahrweiler. Erst in den Jahren 1815 bis 1820 wurde in Walporzheim eine eigene Schule eingerichtet; es gab jedoch noch kein eigenes Schulgebäude. Der Unterricht wurde in einem angemieteten Zimmer des Trimbornschen Hauses erteilt (heute Haus Karl GillesRobert Etten). Doch nach kurzer Zeit wurde das Unterrichtszimmer in das gegenüberliegende alte Gebäude der Theresia Knieps (das abgerissene Haus Hoffmann) verlegt. Die Besitzerin erhielt dafür acht Taler Miete. Infolge eines Zwistes der Besitzerin mit dem Lehrer wurde das Schullokal in die Pützgasse 2 (Haus unter Dahm) verlegt, kam jedoch bald wieder in das oben genannte Gebäude der Theresia Knieps zurück. Wiederum von dort ausgewiesen, wurde der Tanzsaal bei Dederich, später Wershofen/Kirfel als Schulsaal gemietet. Der Wirt hatte sich aber vorbehalten, dass zur Zeit der Kirmes der Unterricht ausbleiben müsste, weil er während dieses Volksfestes im Saal Tanzveranstaltungen abhalten wolle.

Erst im Jahr 1842 wurde dann von der Stadtgemeinde Ahrweiler ein eigenes Gebäude von Michel Heinen in der Oberstraße (später Schulgasse, heute Winzerstraße) zur Errichtung einer neuen Schule angekauft. Das Haus wurde Lehrerwohnung und die Nebengebäude, Stallung und Scheune, wurden abgerissen und an ihrer Stelle ein Schulsaal gebaut. Derselbe lag an der Oberstraße (Schreinerei Johann Gilles, jetzt Karl Hoffmann), war einstöckig mit einem darüber liegenden Speicher, der zur Aufbewahrung des Brandholzes diente und von außen mittels einer Leiter erstiegen wurde.

Als dann im Jahr 1886 die Zahl der Kinder für einen Lehrer zu groß geworden und die Anstellung eines zweiten Lehrers für notwendig befunden wurde, wurde auf Veranlassung der Schulbehörde von der Stadtgemeinde Ahrweiler der Bau des jetzigen Schulhauses begonnen. Dieses Gebäude liegt dem alten Schulsaal gegenüber und ist für zwei Klassen eingerichtet, hat also zwei geräumige Schulsäle, über welchen sich auch zwei Lehrerwohnungen befinden. Im Wappen über der Eingangstüre der ehemaligen Volksschule Walporzheim steht 1886 als Baujahr. Die Ahrweiler Zeitung meldete jedoch in ihrer Ausgabe vom 3. Juni 1887:

Ahrweiler, 1. Juni 1887. Heute wurde die neu erbaute Schule in Walporzheim durch Herrn Bürgermeister Dr. Kerkhoff im Beisein verschiedener Mitglieder des Stadtrates und des Schulvorstandes eröffnet und durch Herrn Kreisschulinspektor Lünenborg ihrer Bestimmung übergeben. Der massiv in Bruchstein ausgeführte Bau ist eine Zierde des Dorfes und wird als die schönste Dorfschule des ganzen Kreises Ahrweiler bezeichnet.

Der damalige Bürgermeister, Dr. Kerkhoff, hielt von der Treppe aus an die versammelten Bewohner von Walporzheim eine Ansprache, in welcher er den Zweck des Gebäudes für Erziehung und Bildung der Jugend darlegte und in der er auch von dem gegenseitigen Verhältnis der Bewohner zur Schule und dem Lehrer sprach. Bei der Eröffnungsfeier wurde auch der neue Lehrer eingeführt.

Das alte Schulgebäude wurde zum Preis von 4000 Mark an den Schreinermeister Gilles aus Walporzheim verkauft. In den ersten Jahren wurden die Lehrer von der Gemeinde besoldet. Später mussten die Eltern der Kinder Schulgeld entrichten und zwar für ein Kind bis zu 10 Jahren 15 Groschen, für ein Kind über 10 Jahren 1 Taler.

Vom Jahr 1844 ab wurde kein Schulgeld mehr erhoben und der Lehrer aus der Stadtkasse bezahlt. Die Besoldung betrug im Jahr 1856 130 Taler, der Mietwert der Wohnung betrug 15 Taler, für das Heizen des Schulsaales erhielt der Lehrer zwei Taler. Später betrug diese Entschädigung 15 Mark. Als jedoch im Jahre 1879 der neue Lehrer Schmidt die Beschaffung dafür nicht mehr übernehmen wollte, wurde das Heizen und Reinigen einer anderen Person übertragen, die für die Arbeit in beiden Schulsälen 90 Mark erhielt. In den ersten Jahren wurde auch kein Brennholz geliefert, sondern jedes Kind brachte morgens ein Stück Holz mit. Erst als ein eigenes Schulhaus vorhanden war (1842), wurde von der Stadtgemeinde Ahrweiler Brennholz, später auch Kohle angefahren.

Die Lehrer der Schule

Die ersten Lehrer der Walporzheimer Schule waren nur kurze Zeit dort angestellt. Als solche werden genannt von 1815 bis 1835: Herr Noles, Herr Bode aus Ahrweiler, Herr Wolff aus Dernau, Herr Nücken aus Sürscht, Herr Zander aus Birresdorf. Der Lehrer Peter-Josef Gies, ein gebürtiger Walporzheimer, wurde nach seiner Ausbildung im Seminar in Brühl im Jahr 1835 zuerst in Bachem und dann in Walporzheim angestellt. Als die Ursulinen im Jahr 1838 das Kloster Kalvarienberg bezogen, errichteten sie dort eine „Armenfreischule“ für Mädchen, die auch von vielen Mädchen aus Walporzheim besucht wurde. Die Aufnahme geschah im Alter von zehn Jahren, wobei ein Zeugnis des Lehrers vorgelegt werden musste. Anfang der 1870er Jahre wurde diese Schule aufgegeben.

Als Nachfolger von Lehrer Gies kam im Oktober 1879 Lehrer Schmitt. Als im Jahr 1887 eine neue zweite Klasse eingerichtet wurde, ist mit Rücksicht auf das Alter des Herrn Schmitt zum 1. Juni 1887 Lehrer Thomas eingestellt worden. Lehrer Schmitt wurde wegen Krankheit und Gebrechlichkeit am 1. Mai 1891 pensioniert und wohnte von da an in Dernau.

Die Schule wurde jetzt in eine Zwei-Klassen-Schule – eine Klasse für Jungen, eine Klasse für Mädchen – umgewandelt. Die Mädchenklasse übernahm im Juni 1891 die Lehrerin Helene Travers aus Bad Ems. Die Jungenklasse führte weiterhin Lehrer Thomas. Lehrer Thomas besuchte im Jahre 1894 wegen Krankheit die Kneipp’sche Kuranstalt in Wörishofen und wurde vom 15. Dezember 1894 bis 15. Februar 1895 durch den Schulamtskandidaten Masberg vertreten. Lehrer Thomas starb unerwartet am 18. April 1895. Bis zum 31. Oktober 1895 wurde die Schule von Herrn Rektor Christoph Strauck aus Ahrweiler verwaltet.

Am 2. November 1895 wurde Lehrer Wirz aus Rech von Kreisschulinspektor Kollbach aus Remagen im Beisein des Schulvorstandsmitgliedes Wilhelm Dahm aus Walporzheim in sein Amt eingeführt. Die Knabenklasse zählte damals 33, die Mädchenklasse 41 Schulkinder. Ab 1895 führte Lehrer Wirz die Schulchronik – und er hat das mit viel Fleiß und Liebe gemacht, so dass ab diesem Jahr lückenlose Jahresberichte aus dem Schul- und auch aus dem Dorfgeschehen vorliegen. Die Lehrer waren damals verpflichtet, nicht nur eine Schulchronik, sondern auch eine Ortschronik zu führen.

Im Schuljahresbericht aus dem Jahr 1896 heißt es:

Am 27. April machte die Knabenklasse einen gemeinsamen Ausflug nach Steintalskopf. Im Mai erkrankten mehrere Kinder an Diphtherie und Masern, so dass einmal 19 Kinder fehlten. Zu diesen Krankheiten kam im Juli noch Scharlachfieber, und so fehlten hierdurch bis Ende Juli durchschnittlich in beiden Klassen 18 bis 20 Kinder. Am 26.7. brach sich der Schüler Matthias Monreal während der Nachmittagspause ein Bein, da er von einem an der Pumpe lagernden Haufen Pfahlholz herabsprang. Er konnte bis zum 24.8. die Schule nicht besuchen. Am 18.7. starb die Schülerin Katharina Monreal, eine Schwester von Matthias Monreal, im Alter von 10 Jahren. Sie wurde am Mittwoch, den 22.7. in Begleitung beider Schulklassen beerdigt. Am 23.7. starb die Schülerin Gertrud Knieps, Tochter von Peter Josef Knieps, im Alter von 6 Jahren an Halsbräune.

1897 wurde die bisherige Lehrerin Fräulein Helene Travers in einen Ort im Kreis Fulda versetzt. Ihre Stelle wurde durch Fräulein Franziska Schuy aus Koblenz-Lützel besetzt.

Im Jahr 1900 gab es, wie es in der Schulchronik heißt, eine Volkszählung, verbunden mit einer Vieh- und Obstbaumzählung. In Walporzheim und Ahrweiler wurden dabei gezählt:

Walporzheim Ahrweiler
männliche Personen 269 2359
weibliche Personen 271 2690
Pferde 1 42
Rindvieh 75 189
Schafe 0 14
Schweine 35 113
Ziegen 136 419
Federvieh 112 1009
Bienenstöcke 12 40
Obstbäume 1627 11.700

50 Knaben und 46 Mädchen besuchten im Jahr 1900 die Volksschule Walporzheim. Initiative des Lehrers Arens wurde Ende der 1920er Jahre auch in Walporzheim ein Martins-Fackelzug eingeführt. Und das Aloisiusfest erhielt einen neuen festlichen Rahmen. Aus dem Jahr 1929 stammt folgender Zeitungsbericht:

Böllerschüsse und Glockengeläut gaben am vergangenen Samstag gegen 6 Uhr abends das Zeichen zum Beginn der Martinsfeier in unserem Ort. Auf der Höhe flammte gleich einer riesigen Fackel, das „Martinsfeuer“ auf und beleuchtete weithin die Weinberge und den angrenzenden Wald. Am Winzerverein hatte inzwischen der Fackelzug Aufstellung genommen. Nach einigen flotten Marschweisen der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Ahrweiler unter der umsichtigen Leitung des Musikmeisters Gottsmann, die sich gleich dem Tambourkorps der DJK Ahrweiler in uneigennütziger Weise in den Dienst der schönen Sache gestellt hat, setzte sich der Zug, an der spitze Sankt Martin hoch zu Ross, in Bewegung. Den Ortsdienst hatte die Freiwillige Feuerwehr Walporzheim übernommen und alles klappte vorzüglich.

Auch nach 1900 wechselten häufig die Lehrpersonen, teils durch Versetzung oder durch Pensionierung. Lehrer Wirtz verstarb am 11. Mai 1913 nach kurzer schwerer Krankheit. 17 Jahre lang war er in Walporzheim als Lehrer tätig. Zu seinem Nachfolger wurde am 1. Oktober Lehrer Ferdinand Arens berufen, der Anfang Dezember 1915 jedoch zum Militär eingezogen wurde. Nach Ende des Krieges, am 1. Dezember 1918, übernahm er wieder die Schulleitung, musste jedoch im Jahre 1941 erneut Soldat werden. Darauf besuchten die zwei obersten Jahrgänge die Schule in Ahrweiler, später auch das 5. und 6. Schuljahr. Im Juli 1944 wurde Lehrer Arenz aus der Wehrmacht entlassen und übernahm wieder den Unterricht. Lehrer Arenz war ein Förderer des Sports und an der Gründung des Sportvereins Walporzheim maßgeblich beteiligt.

Infolge der Kriegsereignisse fiel ab Dezember 1944 der Schulunterricht aus und wurde erst wieder am 6. Oktober 1945 aufgenommen. Lehrer Arens war nach Dankerath in der Eifel versetzt worden. Seine Stelle übernahm der Lehrer Johannes Kappen, der am 1. Januar 1959 wegen Krankheit aus dem Schuldienst ausschied. Fräulein Elisabeth Mölbert war bereits am 31. Juli 1952 pensioniert worden. Ihre Nachfolgerin war Frau Maria Schumacher.

Durch die Schulreform des Jahres 1972 kam auch das Aus für die Walporzheimer Schule, die so lange mit ein Mittelpunkt des ganzen Dorfes gewesen war. Die Schülerinnen und Schüler des 1. bis 4. Schuljahres wurden in die Aloisius-Grundschule Ahrweiler integriert, während die Schülerinnen und Schüler ab dem 5. Schuljahr der Hauptschule Ahrweiler zugeteilt wurden.

Fußnoten

  1. Quelle: Werner Schüller: Die Geschichte der Schule Walporzheim (Manuskript), per E-Mail vom 7. Mai 2017, als Quellen nutzte Schüller die Schulchronik der Schule Walporzheim sowie Ausgaben der Ahrweiler Zeitung im Archiv der Buchdruckerei Plachner.