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Thermalbadehaus Bad Neuenahr

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Der Münchener Architekt und Bühnenbildner Hans Minarik baute 1983 vor dem Portikus des Thermalbadehauses einen imposanten Schalenbrunnen.
Im September 2012 wurde im Thermalbadehaus das TÜV Rheinland Kompetenzzentrum Gesundheitsmanagement eröffnet.
Einer der drei 60 Meter lange Gänge des Badehauses
Gedenktafel in der Eingangshalle
Thermalbadehaus.jpg

In dem von 1899 und 1901 vom Kölner Architekturbüro Schreiterer & Below im Auftrag der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr‎ erbauten Thermalbadehaus Bad Neuenahr mit klassizierendem Säulenportikus werden früher wie heute Kur-Anwendungen verabreicht. Das 5000 Quadratmeter große Gründerzeit-Bauwerk hat drei 60 Meter lange Gänge, von denen aus es rechts und links in die Badezimmer geht. Der damalige Kurdirektor Rainer Mertel (†) und der damalige Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz, Hendrik Hering, eröffneten am 31. Januar 2009 einen 2,8 Millionen Euro teuren sogenannten Bademantelgang, der Ahr-Thermen, Thermalbadehaus und Kurhotel zum Ahr-Resort verbinden sollte. Das Entree des repräsentativen Thermalbadehauses sollte dabei den Eingangsbereich des zwei Hektar großen Ahr-Resorts bilden. Seit Mai 2016 ist der Bademantelgang jedoch wegen eindringenden Wassers geschlossen. Mit dem Abschluss des Insolvenzverfahrens der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr ging das Thermalbadehaus am 20. Dezember 2017 ins Eigentum des Unternehmers Hans-Joachim Brogsitter – zusammen mit 22 weiteren bebauten und 25 unbebauten sowie zehn Erbbaugrundstücken.


Standort

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Chronik

Das heutige Thermal-Badehaus wurde in den Jahren 1898/99 unter hohem Kostenaufwand – als Nachfolgebau von 1859 sowie 1862 errichteten Badehäusern – gebaut. Die Architektur des Gebäudes enthält Anspielungen auf die Badekultur der Antike. Die Kurdirektion beauftragte Emil Schreiterer und Bernhard Below mit der Bauplanung. Die beiden Architekten aus Köln hatten zuvor bereits das Dr.-Niessen-Haus an der Poststraße 30 in Bad Neuenahr gebaut. Jochen Tarrach beschrieb den Bau folgendermaßen:

Ein imposanter Giebelportikus als Vorbau eines anderthalbgeschossigen Gebäudes sollte die Kurgäste würdig empfangen. Vier mächtige Säulen mit ionischen Kapitellen tragen den Giebel. Auch im Inneren ausgesuchte Pracht: ein mit Marmor verziertes Vestibül und ein Lesesaal, ausgestattet mit geschmackvollen Dekorationen und großen Glastüren zum Garten und zur Vorhalle hin. Über elegante Gänge gelangt man zum Inhalatorium und zu den „außerordentlich großen, vorzüglich ventilierten und gut beleuchteten Badezellen“. Ein in Querrichtung verlaufender Trakt schließt die drei Längsflure ab und verbindet das Thermal-Badehaus mit dem Kurhotel.[1]

Das neue Gebäude kam bei den vornehmen Kurgästen der Kaiserzeit anscheinend gut an: Im Jahr 1900, ein Jahr nach der Fertigstellung, wurden in den neuen Gebäude bereits 46.910 Bäder verabreicht. Im Vorgänger-Badehaus aus dem Jahr 1862 waren es lediglich 4636 Bäder.

In der Festschrift für die Teilnehmer der dritten ärztlichen Studienreise in Bade- und Kurorte hieß es im Jahr 1903 über den „Badetempel“ im rheinischen Karlsbad:

Neuenahr besitzt ein Badehaus, welches durch die Größe seiner Anlage, seine den neuesten Anforderungen der Hydrotherapie entsprechenden Einrichtungen, seine Eleganz und seinen Komfort wohl als Musteranstalt auf diesem Gebiete hingestellt werden darf.

Nach der Besetzung der Kuranlagen 1918/19 veranstalteten amerikanische Soldaten in den Gängen des Badehauses Motorradrennen.

In den 1930er- und 1940er-Jahren wurden die Zuleitungen aus den örtlichen Heilquellen ins Thermalbadehaus erneuert, so dass das Quellwasser nahezu ohne Wärme- und Kohlensäureverlust in die im Thermalbadehaus stehenden Wannen gelangte.

Im Jahr 1983 wurde der Eingangsbereich vor dem Thermalbadehaus neu gestaltet. Der Münchener Architekt und Bühnenbildner Hans Minarik ließ vor dem Portikus einen imposanten Schalenbrunnen bauen.

Die Abteilung für Traditionelle Chinesische Medizin im Badehaus wurde zum 1. September 2002 geschlossen. Schuld daran seien Gesetze, Konjunkturflaute und der Euro, argumentierte der damalige Kurdirektor Rainer Mertel und der damalige Prokurist Gerd Zimmermann.[2] Dabei hatte die Geschichte so Erfolg versprechend angefangen. Nach zweijähriger Vorbereitung hatte die Abteilung am 2. Januar 1999 ihre Arbeit aufgenommen. 18 Monate später, im August 2000, zog Kurdirektor Mertel zufrieden Bilanz: 1000 Patienten seien bis dahin behandelt worden, die beiden chinesischen Ärztinnen, die für die TCM-Abteilung engagiert worden waren, hatten mit bis dahin rund 5400 Behandlungen jede Menge Arbeit. Bei der Therapie von Schmerzen des Halte- und Bewegungsapparates sei eine Erfolgsquote von mehr als 80 Prozent erreicht worden. Auch im Bereich psychosomatischer Erkrankungen und bei den Allergien würden achtbare Erfolge erzielt. "TCM kann häufig dort weiter helfen, wo klassische Schulmedizin an ihre Grenzen stößt." Mertel wies damals auf eine Kooperation mit dem Land Rheinland-Pfalz hin. "Wir können stolz darauf sein, dass das Land unsere TCM-Abteilung als beispielgebendes Modell betrachtet, das maßstabgebend für künftige Einrichtungen sein wird", freute sich der Kurdirektor damals. Es sei geplant, dass die Abteilung und die Fachklinik Hochstaden neue und ergänzende Angebote für spezielle Krankheitsbilder schaffen. Aber schon im Oktober 2000 war der erste Warnruf zu vernehmen. Die TCM-Abteilung werde durch Paragraphen zum Schutz des Arbeitsmarkts bedroht, kritisierte Mertel damals den Gesetzgeber. Denn die beiden Ärztinnen, die von führenden chinesischen Universitäten stammten, dürften nur unter der Aufsicht eines Arztes arbeiten, der seine Approbation in Deutschland erworben hat. Das trieb die Kosten für Akupunktur- und Akupressur-Behandlungen, für Schröpfen, Moxibustion und Tuina-Massage in die Höhe.

Im September 2012 wurde im Thermalbadehaus das TÜV Rheinland Kompetenzzentrum Gesundheitsmanagement eröffnet.

"Aufbruchstimmung im Thermal-Badehaus" attestierte die Rhein-Zeitung im September 2014. Das Haus wolle sich künftig als „Schwerpunkt für die Gesunderhaltung sowie das gesellschaftliche und geschäftliche Leben der Kurstadt präsentieren.“ AG-Vorstand Christoph Reinicke wolle das Haus "nicht nur für einheimische Kunden, sondern auch für internationale Gäste interessant machen." Neu im Haus sei der Haardesigner Björn Franke, der auch Shiatsu-Massage und Make-up anbietet. Der Kunstversender „ars mundi“, dessen Stammhaus in Hannover steht, werde künftig eine Auswahl von Bildern, Skulpturen, Schmuck, Museumsreplikaten und Geschenkideen im Thermalbadehaus anbieten. Modezar Alfredo Pauly werde seine Pelz ab März 2015 im Badehaus anbieten. AG-Vorstand Reinicke wolle in Zukunft insbesondere Chinesen nach Bad Neuenahr holen. Die RZ berichtete:

So war ... Ling Peng, Vizepräsidentin der Lemon-Group, eine international arbeitende Vermarktungsgesellschaft für Gesundheitsangebote, mit einigen ihrer Mitarbeiterinnen in Bad Neuenahr, um sich die Gegebenheiten anzusehen und um sich ... mit Wirtschaftsministerin Eveline Lemke zu einem Abendessen zu treffen. „Wir freuen uns auf die intensive Zusammenarbeit mit der AG Bad Neuenahr“, sagte Ling Peng zu den Gästen des Empfanges im Badehaus. Am 15. Oktober wird Vorstand Reinicke zusätzlich zu einem Gesundheitskongress nach Schanghai reisen, um auch dort für das neue ganzheitliche Telemedizinkonzept zu werben.[3]

Im Juni 2015 wurde im Thermalbadehaus das Orthopaedicum Bad Neuenahr eröffnet, Ende 2017 zusätzlich das Chirurgicum Bad Neuenahr.[4]

Nach dem Verkauf des Thermalbadehauses an Hans-Joachim Brogsitter soll das Gebäude Zug um Zug saniert und als „Medical Center“ genutzt werden. Alles rund um die Gesundheit soll dort unter einem Dach vereint werden. Im Mai 2018 gibt es dort bereits eine Radiologie, ein Orthopaedicum, eine Ergotherapie, eine Physiotherapie, eine Osteopathie, Neurologie, Psychiatrie, eine Ernährungsberatung, ein Sanitätshaus, Fußpflege, Ayurveda und ein Medical Fitness Studio. Auch die Außenfassade soll saniert werden. Im Gegensatz zur früheren Aktiengesellschaft betreibt der neue Eigentümer den medizinischen Bereich des Thermal-Badehauses nicht selbst, sondern er vermietet die Flächen an Dienstleister im Gesundheitswesen. Anders als die AGBN setzt Brogsitter dabei nur in geringem Umfang eigenes Personal ein; vielmehr arbeitet er mit spezialisierten Anbietern aus dem Gesundheitswesen zusammen. Die Aktiengesellschaft sieht ihr Geschäft also nicht mehr in medizinischen Anwendungen durch eigenes Personal, sondern in der Flächen- und Immobilienvermarktung.[5]

Weitere Fotos

Mediografie

Weblink

Wikipedia: Schreiterer & Below

Fußnoten

  1. Quelle: Jochen Tarrach: Ein Tempel der Heilkunst für das aufstrebende Bad – Prächtiges Thermalbadehaus spiegelt selbstbewusste Auftraggeber, in: Rhein-Zeitung vom 1. Februar 2017
  2. Quelle: Rhein-Zeitung vom 7. August 2002
  3. Quelle: Aufbruchstimmung im Thermal-Badehaus - Neue Läden sollen sorgen für mehr Leben in den altehrwürdigen Räumen sorgen, in: Rhein-Zeitung vom 7. Oktober 2014
  4. Quelle: CHIRURGICUM und ORTHOPAEDICUM im Thermal-Badehaus – Zuhören steht an erster Stelle – Offizielle Eröffnung wurde mit Tag der offenen Tür begangen (Werbeanzeige), blick-aktuell.de vom 22. Januar 2018
  5. Quelle: Victor Francke: Renommierter Weinhändler: Brogsitter leitet Neubeginn für die "Kur AG" in Bad Neuenahr ein, general-anzeiger-bonn.de vom 22. Mai 2018