Haus Wolff (Ahrweiler)

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Wohnzimmer mit Kölner Decke. In dem Erker rechts saß einst der Gerichtsschreiber.
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Historische Zeichnung von der Niederhutstraße mit dem Haus Wolff
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Dieser hölzerne Löwenkopf im Erkerzimmer stammt vom Treppenaufgang im Erdgeschoss.
Die Inhaber Mechthild und Ludwig Wolff 2 in der Eingangstür zu ihrem Schmuck- und Uhrengeschäft
Das Ladenlokal Wolff befand sich ca. 1910 noch im Gebäude Niederhutstraße 62.
Auch das Haus Wolff wurde vom Zweiten Weltkrieg nicht verschont.
Blick von der Niederhutstraße aus in die Schulhofstraße - links das Haus Wolff
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Das 1621[1] erbaute zweigeschossige Haus Wolff an der Ecke Niederhutstraße 42/Schulhofstraße in Ahrweiler ist wegen seines reichen Fachwerks, seines Erkers mit geschweifter Schieferhaube und der holzgeschnitzten Figuren und Ornamente eines der schönsten und am häufigsten fotografierten und gefilmten Häuser im mittelalterlichen Stadtkern von Ahrweiler. Das Haus Wolff gehört, weil dort Offiziere Quartier genommen hatten, zu den wenigen Häusern, die den Stadtbrand von Ahrweiler am 1./2. Mai 1689 überstanden. Das Haus beherbergte eine Gerberei, bevor es 1815 Sitz des Stadtgerichts von Ahrweiler und damit Vorgänger des heutigen Amtsgerichts Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde. Auch in seinem Inneren verströmt das Gebäude Bürgerstolz. Bemerkenswert ist zum Beispiel ein riesiger hölzernen Löwenkopf auf dem Endpfosten der Treppe.


Standort

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Geschäfte

Chronik[2]

Wie die Jahreszahl auf dem Türbalken bezeugt, wurde das Haus im Jahr 1621 erbaut. Da wütete der 30-jährige Krieg zwar bereits drei Jahre, aber Ahrweiler hatte als kurkölnische Mithauptstadt noch Frieden, weil Kurköln in den ersten 12 Kriegsjahren neutral blieb. Ahrweiler hatte deshalb eine verhältnismäßig rege Bautätigkeit zu verzeichnen, die besonders durch den Baumeister Gohr gefördert wurde. So entstand auch um 1630 auch das neue Franziskanerkloster auf dem Kalvarienberg.

Das Wolff'sche Haus wurde von dem Rotgerbermeister Henricus Hartmann aus Eckendorf und seiner Ehefrau Dorothea Wolffs gebaut. Nach anderen Quellen ist es erst 100 Jahre später gebaut worden. Henricus Hartmann und Dorothea Wolffs hatten am 6. Februar 1721 geheiratet. Der Kranz mit Kreuz und „IHS“ (Iesus hominum salvator – Jesus, Retter der Menschen) dokumentiert die christliche Ehe. Der Mühlenteich floss damals noch offen durch die Niederhutstraße, in der Hunde, Katzen, Hühner und Schweine frei herumliefen, und jedes Haus hatte einen eigenen Zugang zu dem Mühlenteich. Henricus Hartmann war damals Ratsherr in Ahrweiler. Und die Wolfsgasse erinnert noch heute daran, dass auch die Familie von Dorothea Wolffs Ratsherren und Bürgermeister stellte.

Über die folgenden Jahre schrieb Jakob Rausch:

Im Jahre 1632 kam die Kriegsfackel durch die Schweden auch nach Ahrweiler. Durch das mutige Eintreten des Ratsherrn Peter Develich und des Pfarrherrn Servatius Ottler wurde die Stadt vor Plünderung und Brandschatzung bewahrt. Wenn auch die Schweden nach zwei Tagen Ahrweiler verließen, so war es doch keine rühige Zeit mehr für die Stadt. Einquartierungen von Truppen von Freund und Feind brachen nun nicht mehr ab. Besonders schlimm waren die Jahre 1642 und 1646. Die französischen Truppen unter Turenne brandschatzten Ahrweiler zwar nicht, aber sie plünderten die Stadt vollständig aus. Die verängstigten Bewohner suchten Zuflucht in dem nahen Kloster Kalvarienberg, das seit 1632 einen Schutzbrief von den Schweden besaß, der von Freund und Feind beachtet wurde.

1648 erscholl dann von Münster und Osnabrück das Wort „Friede“ (Westfälischer Friede).

Die Wunden des 30-jährigen Krieges waren noch nicht verheilt, da brach 1666 die Pest aus. Fast in jedem Haus gab es Pestkranke und Tote. Der Pfarrherr Servatius Otler, der mutig die Kranken besuchte, ihnen die Sterbesakramente spendete und auf dem Pestanger nordöstlich der Stadt die Toten begrub, betrat auch das Haus Wolff, aus dem man einen Toten zum Pestanger trug.

Während der drei Eroberungskriege des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. war die kurkölnische „Festung Ahrweiler" französisch besetzt (Herbst 1688 bis Frühjahr 1689). Über Monate hinweg wohnte im Hause Wolff, ebenso wie in neun weiteren Häusern in Ahrweiler, je ein französischer Offizier. Dank des edelgesinnten französischen Stadtkommandanten war das Verhältnis zwischen Militär und Bürgerschaft zwar beschwerlich, aber erträglich. Im April erhielt der Stadtkommandant aber den Befehl des Sonnenkönigs, die Stadt Ahrweiler als Festung zu schleifen und zu verbrennen. Wie sein Schwager, der Stadtkommandant der kölnischen Mithauptstadt in Andernach war, so erhob auch er durch einen Eilboten in Versailles Einspruch gegen diesen grausamen Befehl. Aber der Bote kam zurück mit der harten Order: „Deinen Kopf oder die verbrannte Stadt!“. Nachdem die französischen Belagerer am 1. Mai 1689 den Befehl erhalten hatten, die Stadt zu brandschatzen, bewahrten die zehn französischen Offiziere ihre Wohnquartiere davor, dass sie, wie die übrigen Häuser in der Stadt, in Schutt und Asche gelegt werden. Das Wolffsche Haus war damit gerettet.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges, der von 1701 bis 1714 dauerte, wurde Ahrweiler wieder erneut besetzt. Weil der Kölner Kurfürst aber nicht auf Seiten des deutschen Kaisers stand, sondern auf der Seite des französischen Königs, kamen die Franzosen diesmal als Verbündete und Freunde. Das Haus Wolff diente französischen Offizieren diesmal vier Jahre lang als Unterkunft und Kasino. Nach dem Friedensschluss des Jahres 1714 machten sich die Einwohner von Ahrweiler erneut daran, ihre Stadt wieder aufzubauen.

Nachdem die linksrheinischen Gebiete im Jahr 1794 abermals französisch besetzt, zu Frankreich geschlagen und sämtliche Kleinstaaten aufgelöst worden waren, wurde Ahrweiler Kantonstadt des Ahrgaues. Erneut diente das Wolffsche Haus französischen Offizieren und Beamten als Unterkunft – bis sie im Januar 1814 das Feld für die siegreichen Russen räumen mussten. Als Folge des Wiener Kongresses wurde die Region dann Preußen zugeschlagen.

Die Familie Hartmann, die das Wolffsche Haus an die 200 Jahre lang bewohnt hatte, starb zu Anfang des 19. Jahrhunderts aus, und das Haus ging in den Besitz der Familie Hilger über. Zu dieser Zeit war das Haus mehr als doppelt so groß wie heute, wobei sich der Erker in der Gebäudemitte befand. Der in Richtung Niedertor gelegene östliche Flügel war dabei der größere Teil des Hauses.

Im Ostflügel befand sich auch im oberen Stockwerk seit 1860 der Gerichtssaal, und im Zimmer mit dem Erker war die Gerichtsschreiberei. Vorher hatte das Gericht im Weißen Turm getagt, wo nun Schulräume für Bürger- und Volksschule errichtet wurden. Über eine Treppe, deren Geländer mit einem geschnitzten Löwenkopf mit Flügeln und dem Stadtwappen von Ahrweiler verziert war, gelangte man zu den Gerichtsräumen. Der erhaltene Teil der Treppe schmückt heute das Erkerzimmer.

Im Jahr 1884 verkaufte Johann Hilger den größeren östlichen Gebäudeflügel an den Uhrmacher August Plachner, Vater von Baptist Plachner. Der richtete im Erdgeschoss ein Uhrmacher- und Goldwarengeschäft ein, während im oberen Geschoß die Gerichtsräume blieben. Der Schumachermeister Heinrich Eidam kaufte den bis heute erhaltenen Westflügel. In dessen Erdgeschoss richtete er eine Schumacherwerkstatt ein.

Nachdem um 1900 an der Wilhelmstraße 55-57 ein eigenes Gebäude errichtet worden war, zog das Gericht aus dem Wolffschen Haus aus und August Plachner ließ den Ostflügel mit Wirtschaftsgebäuden und Hofeinfahrt kurz vor 1900 abbrechen und im modernen Stil ohne Fachwerk wieder aufbauen.[3]

Der Bauunternehmer Stefan Schöneberg erwarb um 1900 den westlichen Flügel und ließ ihn im alten Stil wieder instand setzen. Die geschweifte Barockhaube des aus einem Achteck konstruierten Erker erhielt ein neues Schieferdach, und die ausragenden Strebebalken mit ihrem reich geschmücktem Schnitzwerk wurden farblich hervorgehoben. Die Diele vor dem Erker im Gebäudeinneren ist mit stuckierter Balkendecke ausgebessert worden. Unter dem Erker, der ursprünglich nur von der reichgeschnitzten mittleren Säule gestützt wurde, ließ erdie beiden seitlichen Stützen einfügen, die von einem anderen Fachwerkhaus stammten. Den Innenraum vor dem Erker ließ Schöneberg mit einer reichen Sammlung von Gebrauchsgegenständen aus Zinn ausstatten.

In dem von Stefan Schöneberg vermieteten westlichen Flügel befand sich das Fotogeschäft Benz, dass, nachdem die Witwe Benz einen auswärtigen Fotografen namens Hartmann geheiratet hatte, dessen Namen erhielt. Im Jahr 1915 verkaufte die Firma Schöneberg das Haus an den Uhrmacher und Optiker Ludwig Wolff. Nun wurde Haus wieder, wie in seinen ersten Jahren, von einem Hartmann und einem Wolff bewohnt. Das Ehepaar Ludwig Wolff und Rosa Hubertina Sonntag, die zunächst in zwei anderen Häusern an der Niederhutstraße gewohnt hatten, zogen 1919 in das Wolffsche Haus ein. Das Ehepaar Wolff vererbte das Haus später an seinen ebenfalls Ludwig heißenden Sohn.

Ein anderes Geschick hatte der östliche Flügel. Nach dem ersten Weltkrieg zog der Uhrmacher Baptist Plachner in das Haus Niederhutstraße 58. In die modernisierten Räume des Ostflügels zog Kaisers Kaffee ein. Am Ende des Krieges wurde dieses Haus durch Bomben restlos zerstört und erst 1956 wieder aufgebaut, nachdem dort viele Jahre lang bloß ein Bretterzaun gestanden hatte. Ein neues Lebensmittelgeschäft zog ein. In den 1980er Jahren wurde das Gebäude von der Bonner Rundschau genutzt. Im Parterre befand sich die Geschäftsstelle, im ersten Stock die Redaktion. Auch das ehemalige Mesenich-Haus, das südlich an der Schulhofstraße stehende Nachbarhaus, war gegen Kriegsende von einem Bombentreffer völlig zerstört worden.

Auch das Haus Wolff war im Krieg arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Getreu dem über dem über der Haustüre verewigten Wahlspruch „Am guten Alten in Treue halten“ ließen Ludwig Wolff II. und seine Ehefrau Mechthild das Haus, in dem sie mit ihren Kindern wohnten und das sie als Zierde der Niederhutstraße und der gesamten Altstadt von Ahrweiler erhalten wollten, im Jahr 1959 von Grund auf renovieren. Später vererbten sie es an ihre Tochter und ihren wiederum Ludwig heißenden Sohn, der dort weiterhin Uhren und Schmuck verkaufte. Im Jahr 2009 verkaufte Ludwig Wolff III. das Haus an seinen aus Remagen stammenden, seit 1967 aber in Bad Neuenahr lebenden heutigen Besitzer Michael Schuch.[4]

Schuch kaufte die betagte Immobilie „mit dem Herz, nicht mit dem Verstand“, wie er es selbst einmal formulierte. Mit Fachwerkbauten kennt sich der gelernte Tischler und Zimmermann aus: Schon während seiner Lehre hat Michael Schuch zwei davon saniert. Wer mit zwei linken Händen auf die Welt gekommen ist, der lasse von solchen Objekten besser die Finger, meint Schuch. Mit einer solchen Immobilie könne er, auch aus wirtschaftlichen Gründen, kaum dauerhaft glücklich werden. Wenn es an seinen Fachwerkhäusern etwas zu reparieren gilt, dann erledigt Michael Schuch, der im übrigen auch eines der wenigen erhaltenen Fachwerkhäuser von Bad Neuenahr besitzt, das weitgehend selbst. 2016 hat er das Dach des Wolff-Hauses neu decken lassen. Im Jahr 2021, anlässlich des 400. Jahrestagung seiner Fertigstellung, hätte Schuch gerne die Fassade schöngemacht. Schuch möchte vor allem den schwarzen Lack vom Fachwerk entfernen. Der setze nämlich dem jahrhundertealten Eichenholz zu, weil er verhindert, dass Feuchtigkeit entweichen kann. Deshalb würde Schuch ihn gerne durch einen atmungsaktiven Anstrich in Ochsenblutrot ersetzen. Aus früherer Zeit würden sich unter dem schwarzen Lack nämlich immer noch Reste einer solchen Farbe befinden. Da aber stelle sich die Denkmalschutzbehörde quer, von der Schuch sagt, sie sei „eine absolute Renovierungsverhinderungsbehörde“: Die Sanierung der Fassade würde sie nur genehmigen, wenn er, was die Farbwahl betrifft, ein Gutachten eines vereidigten Sachverständigen vorlegt. Das aber würde „mehr kosten als die eigentliche Sanierung selbst.“

Im Jahr 2009 zog Marielen Adams mit ihrem „Lädchen“ als Mieterin in das Erdgeschoss ein. Sie bietet dort Handarbeitszubehör an, Garne, Wolle und Nähutensilien zum Beispiel, außerdem Accessoires sowie eine Auswahl an Naturbekleidung und Geschenkartikeln. Vor dem Haus hat Marielen Adams Ständer mit Wollknäueln, Gürteln und Tüchern aufgestellt. Die werden von dem überhängenden Erker geschützt, in dem in früheren Zeit der Gerichtsschreiber saß.

Weitere Fotos

Das Haus Wolff an der Niederhutstraße 42 im Wandel der Zeit

Mediografie


Das Ladenlokal im Erdgeschoss vor 2009

Fußnoten

  1. Andere Quellen gehen davon aus, dass das Haus wegen des 30-jährigen Kriegs, der von 1618 bis 1648 dauerte, nicht im Kriegsjahr 1621 gebaut wurde, sondern erst 100 Jahre später.
  2. Quelle: Josef Müller: 360 Jahre Wolffsches Haus in Ahrweiler, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1981
  3. Quelle: Heinz Schönewald bei einem Schulungsrundgang mit der Ahrtal-Gästeführer e.V. zum Thema „Inschriften, Hausmarken und Wappensteine in der Ahrweiler Altstadt“ am 11. August 2016, gemäß Protokoll von Helfried Kellerhoff vom 15. August 2016
  4. Quelle: Ludwig Wolff 3