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Haus Wolff (Ahrweiler)

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Das 1621[1] erbaute zweigeschossige Haus Wolff an der Ecke Niederhutstraße 42/Schulhofstraße in Ahrweiler ist wegen seines reichen Fachwerks, seines Erkers mit geschweifter Schieferhaube und der holzgeschnitzten Figuren und Ornamente eines der schönsten und am häufigsten fotografierten und gefilmten Häuser im mittelalterlichen Stadtkern von Ahrweiler. Das Haus Wolff gehört, weil dort Offiziere Quartier genommen hatten, zu den wenigen Häusern, die den Stadtbrand von Ahrweiler am 1./2. Mai 1689 überstanden. Das Haus beherbergte eine Gerberei, bevor es 1815 Sitz des Stadtgerichts von Ahrweiler und damit Vorgänger des heutigen Amtsgerichts Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde.

Standort

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Geschäfte

Chronik[2]

Das Wolffsche Haus wurde im Jahr 1621, während des Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648), von dem Rotgerbermeister Henricus Hartmann aus Eckendorf und seiner Ehefrau Dorothea Wolffs gebaut. Nach anderen Quellen wurde das Haus erst 100 Jahre später gebaut. Henricus Hartmann und Dorothea Wolffs hatten am 6. Februar 1721 geheiratet. Der Kranz mit Kreuz und „IHS“ (Iesus hominum salvator – Jesus, Retter der Menschen) dokumentiert die christliche Ehe. Der Mühlenteich floss damals noch offen durch die Niederhutstraße, in der Hunde, Katzen, Hühner und Schweine frei herumliefen, und jedes Haus hatte einen eigenen Zugang zu dem Mühlenteich. Henricus Hartmann war damals Ratsherr in Ahrweiler. Und die Wolfsgasse erinnert noch heute daran, dass auch die Familie von Dorothea Wolffs Ratsherren und Bürgermeister stellte.

Nachdem im Jahr 1666 in Ahrweiler die Pest ausgebrochen war, ist auch ein Toter aus dem Haus Wolff zum Pestanger getragen worden, der sich nordöstlich der Stadt im Bereich der heutigen Grafschafter Straße befand. Während der drei Eroberungskriege des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. war die kurkölnische „Festung Ahrweiler" französisch besetzt. Über Monate hinweg wohnte im Hause Wolff, ebenso wie in neun weiteren Häusern in Ahrweiler, ein französischer Offizier. Nachdem die französischen Belagerer am 1. Mai 1689 den Befehl erhalten hatten, die Stadt zu brandschatzen, bewahrten die zehn französischen Offiziere ihre Wohnquartiere davor, dass sie, wie die übrigen Häuser in der Stadt, in Schutt und Asche gelegt werden. Das Wolffsche Haus war damit gerettet.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges, der von 1701 bis 1714 dauerte, wurde Ahrweiler wieder erneut besetzt. Weil der Kölner Kurfürst aber nicht auf Seiten des deutschen Kaisers stand, sondern auf der Seite des französischen Königs, kamen die Franzosen diesmal als Verbündete und Freunde. Das Haus Wolff diente französischen Offizieren diesmal vier Jahre lang als Unterkunft und Kasino. Nach dem Friedensschluss des Jahres 1714 machten sich die Einwohner von Ahrweiler erneut daran, ihre Stadt wieder aufzubauen.

Nachdem die linksrheinischen Gebiete im Jahr 1794 abermals französische besetzt, zu Frankreich geschlagen und sämtliche Kleinstaaten aufgelöst worden waren, wurde Ahrweiler Kantonstadt des Ahrgaues. Erneut diente das Wolffsche Haus französischen Offizieren und Beamten als Unterkunft – bis sie im Januar 1814 das Feld für die siegreichen Russen räumen mussten. Als Folge des Wiener Kongresses wurde die Region dann Preußen zugeschlagen.

Die Familie Hartmann, die das Wolffsche Haus an die 200 Jahre lang bewohnt hatte, starb zu Anfang des 19. Jahrhunderts aus, und das Haus ging in den Besitz der Familie Hilger über. Zu dieser Zeit war das Haus mehr als doppelt so groß wie heute, wobei sich der Erker in der Gebäudemitte befand. Der in Richtung Niedertor gelegene östliche Flügel war dabei der größere Teil des Hauses. Im oberen Stockwerk dieses Ostflügels befand sich ein Gerichtssaal des Stadtgerichts von Ahrweiler. Das Gericht war wahrscheinlich seit dem Umzug des Friedensrichters Philipp Anton Delhaes von Altenahr nach Ahrweiler um 1808 Sitz des Friedensgerichts. In dem Zimmer mit dem Erker befand sich die Gerichtsschreiberei. Über eine Treppe, deren Geländer mit einem geschnitzten Löwenkopf mit Flügeln und dem Stadtwappen von Ahrweiler verziert war, gelangte man zu den Gerichtsräumen. Der erhaltene Teil der Treppe schmückt heute das Erkerzimmer. Im Jahr 1884 verkaufte Johann Hilger den östlichen Gebäudeflügel an den Uhrmacher August Plachner. Der richtete im Erdgeschoss ein Uhrmacher- und Goldwarengeschäft ein. Der Schumachermeister Heinrich Eidam kaufte den bis heute erhaltenen Westflügel. In dessen Erdgeschoss richtete er eine Schumacherwerkstatt ein.

Der Ostflügel des Hauses mit Wirtschaftsgebäuden und Hofeinfahrt wurde kurz vor 1900 abgebrochen.[3]

Unter dem Erker, der ursprünglich nur von der reichgeschnitzten mittleren Säule gestützt wurde, sind um 1900 die beiden seitlichen Stützen eingefügt worden, die von einem anderen Fachwerkhaus stammen. Nachdem um 1900 an der Wilhelmstraße 55-57 ein eigenes Gebäude errichtet worden war, zog das Gericht aus dem Wolffschen Haus aus und August Plachner baute den östlichen Flügel im Stil der Zeit, also ohne Fachwerk, wieder auf. Im Zweiten Weltkrieg wurde dieser Flügel bei einem Bombenangriff völlig zerstört und erst im Jahr 1956 wieder aufgebaut. Der Bauunternehmer Stefan Schöneberg erwarb um 1900 den westlichen Flügel und ließ ihn im alten Stil wieder instand setzen. Die geschweifte Barockhaube des aus einem Achteck konstruierten Erker erhielt ein neues Schieferdach und die ausragenden Strebebalken mit ihrem reich geschmücktem Schnitzwerk wurden farblich hervorgehoben. Und die Diele vor dem Erker im Gebäudeinneren wurde mit stuckierter Balkendecke ausgebessert.

In dem von Stefan Schöneberg vermieteten westlichen Flügel entstand das Fotogeschäft Benz. Nachdem die Witwe Benz den Fotografen Hartmann geheiratet hatte, wurde der rechte Gebäudeflügel wieder von einer Familie mit dem Namen des Erbauers bewohnt. Später verkaufte die Firma Schöneberg das Haus an den Uhrmacher und Optiker Ludwig Wolff, so dass das Haus wieder wie in den ersten Jahren von einem Hartmann und einem Wolff bewohnt wurde. Das Ehepaar Ludwig Wolff und Rosa Hubertina Sonntag, die zunächst in zwei anderen Häusern der Niederhutstraße gewohnt hatten, zogen 1919 in das Wolffsche Haus.

Ludwig Wolff jun., der Sohn des Ehepaares, der dort mit seiner Familie wohnte, ließ das Haus im Jahr 1959 von Grund auf renovieren. Getreu dem über dem über der Haustüre verewigten Wahlspruch „Am guten Alten in Treue halten“, waren Ludwig Wolff und seine Ehefrau Mechtild darauf bedacht, das Haus als Zierde für die Niederhutstraße und die gesamte Altstadt von Ahrweiler zu erhalten.

Weitere Fotos

Mediografie

Fußnoten

  1. Andere Quellen gehen davon aus, dass das Haus wegen des 30-jährigen Kriegs, der von 1618 bis 1648 dauerte, nicht im Kriegsjahr 1621 gebaut wurde, sondern erst 100 Jahre später.
  2. Quelle: Josef Müller: 360 Jahre Wolffsches Haus in Ahrweiler, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1981
  3. Quelle: Heinz Schönewald bei einem Schulungsrundgang mit der Ahrtal-Gästeführer e.V. zum Thema „Inschriften, Hausmarken und Wappensteine in der Ahrweiler Altstadt“ am 11. August 2016, gemäß Protokoll von Helfried Kellerhoff vom 15. August 2016