FacebookLogo.png   TwitterLogo.png   Wordpress-logo-notext-rgb.png

Steinhauerverein Weibern 1994 e. V.

Aus AW-Wiki
(Weitergeleitet von Steinhauerverein Weibern)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Steinmetze.jpg
Das Steinsägehaus in Weibern wurde etwa 1950 für den Säge- und Schleifbetrieb der Firma Neis errichtet.
Der Steinhauerverein Weibern bietet regelmäßig Schnupperkurse für Kinder an.
Ab Beginn der 1950er Jahre wurden in den Weiberner Tuff-Brüchen rasch auf- und abbaubare Derrickkräne wie dieser verwendet. Sie ersetzten die zuvor verwendeten von Hand oder Motor gezogenen Kran-Winden. Herausgebrochene Quader wurden mit diesen Kränen aus der Grube zum Abtransport auf Fahrzeuge gehievt.
Manfred und Willi.jpg
Tuffsteinkurs.JPG
Steinhauerverein.jpg

Der 1994 gegründete Steinhauerverein Weibern 1994 e.V. engagiert sich für Erhalt und Pflege der Steinhauer-Tradition in Weibern. Zu seinen Mitgliedern gehören auch aktive und ehemalige Steinmetze. Der Steinhauerverein Weibern bietet zum Beispiel Wanderungen durch die Tuffsteinbrüche an, in denen bis über 40 Meter hohe Tuffsteinwände anstehen.


Mitgliederzahl

  • bei der Gründung 1994: 28
  • Januar 2004: mehr als 80
  • Dezember 2004: 90 Mitglieder - aus Weibern, aber auch aus Duisburg, Hamburg und den Niederlanden
  • April 2009: 115
  • April 2017: 115

Vorstand

Ein vierköpfiges Präsidium, bestehend aus Johannes Montermann, Helmut Reuter (Weibern), Georg Müller und Klaus Hilger, bildet den Vorstand.

Kontakt

E-Mail SteinhauervereinWeibern@gmx.de

Vorgeschichte, Gründung und Entwicklung

Anlässlich der 900-Jahr-Feier der Nachbargemeinde Kempenich im Jahr 1993 wurde überlegt, wie die Traditionen Weiberns auf einem Festwagen treffend dargestellt werden können. So versammelten sich junge und alte, aktive und inaktive Steinmetze und bauten gemeinsam einen Festwagen, der an die Tradition des Abbaus und der Bearbeitung von Tuffstein in Weibern erinnern sollte. Der Wagen zeigte einen alten renovierten Steinbruchkran mit einer Steinhauerhütte, auf der junge und alte Steinmetze ihre Arbeitstechnik darstellten. Mit ihm bahnte sich im August 1993 ein 12 Meter langes, 2,60 Meter breites und 4,90 Meter hohes Gespann einen Weg durch die Zuschauer entlang der Kempenicher Straßen.

Das Projekt fand Anklang, und rasch wurde die Idee geboren, einen Verein zu gründen. So fanden sich am 25. Februar 1994 24 Weiberner zusammen und gründeten den Steinhauerverein, um damit die Tradition und das Wissen über den rund um den Ort betriebenen Abbau sowie die Verarbeitung des Tuffsteins zu pflegen und zu bewahren. Das Augenmerk lag dabei auf der Renovierung alter Fassaden, doch auch neue Fassaden sollten in Tuffstein gestaltet werden.

1995 besuchten Vereinsmitglieder Handwerkermärkte in Acht, Adenau, Weibern, Koblenz, Münstermaifeld und Königsfeld. Die Marktbesucher wurden dort über das Steinmetzhandwerk, den Tuffstein und über den Ort Weibern informiert. Auf dem Weg zum Stumpig Kreuz stellte Hermann Hilger 1995 den ersten Wegweiser aus Basalt auf. Ihm folgten viele weitere von Hermann Hilger und Manfred Dahm.

1996 waren die Weiberner Steinhauer beim Rheinland-Pfalz-Tag in Andernach dabei. Ein Jahr später erstellte man ein 21-teiliges Maßwerkfenster im Steinmetzbahnhof.

Mit der Neuauflage der St.-Barbara-Kirmes Weibern belebte der Steinhauerverein im Jahr 1997 eine Steinmetz-Tradition wieder. Schließlich ist die heilige Barbara die Schutzpatronin auch der Steinmetze.

Anfang Dezember zog nämlich der Winter in die Steinbrüche und Baustellen ein, die Steinmetze ihre Arbeit nieder und nutzten den Advent, um Theater zu spielen und zu Ehren der heiligen Barbara ein Fest zu feiern. Ernst Montermann hatte seinerzeit die Idee, diese Winterkirmes wieder aufleben zu lassen. An die Stelle des früher üblichen Theaterstücks trat ein gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen, bei Kölsch und Döppekoche, der bis 2014 bei Rudi Schäfer im Backes zubereitet wurde.

1998 wurde mit dem Bau von Ruhebänken begonnen. Die dazu erforderlichen Materialien sind von Vereinen und Privatpersonen gespendet worden. Die Steinmetzarbeiten und das Aufstellen übernahm der Steinhauerverein. Bad gab es sieben solcher Bänke im Dorf und an den Wanderwegen. 1998 wurden zudem erstmals Schnupperkurse für Hobby-Steinmetze und Hobbykünstler angeboten. Die Teilnehmer kommen aus der nahen Umgebung, aber auch von weit her. Manche nehmen Anfahrten von bis zu 300 Kilometern in Kauf.

1999 wurde Ernst gemacht mit den Plänen zum Bau einer eigenen Werkstatt. Auf dem ehemaligen Gelände der Firma Neis entstanden Werkstatt und Museumsinsel. Aus eigener Kasse steckten die Steinhauer rund 11.000 Euro in die Anschaffung von Werkzeugen und Ausstattung. Manfred Dahm stellte ein detailgetreues Steinbruchmodell für den Steinmetzbahnhof her.

Im Jahr 2000 restaurierte und überarbeitete Hermann Hilger den alten Dorfbrunnen an der Bahnhofstraße.

Zwei Jahre lang gab der Steinhauerverein einen Kalender mit Fotos aus der Dorfarchitektur und dem kulturellen Leben von damals und heute heraus. Die Idee zum Weiberner Schaufenster wurde vom Steinhauerverein in Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde Brohltal und der Gemeinde Weibern umgesetzt. Es entstand ein Referenzobjekt mit Beispielen dafür, wie man den Weiberner Tuff in der Architektur fachlich richtig einsetzt. Außerdem wurden die Steinmetzarbeiten für das Portal der Robert-Wolff-Halle hergestellt.

2003 folgte ein Kletterfelsen für einen Spielplatz. Dieses Projekt realisierte der Verein zusammen mit der Gemeinde Weibern. Anlässlich der 100-jährigen Bestehens des Schulgebäudes richteten Manfred Nürenberg und Hermann Hilger einen Gedenkstein her. Gottfried Bouhs, mit zu dieser Zeit 81 Jahren ältester aktiver Steinmetz, gestaltete einen prächtigen Weihwasserstein, der in der St.-Barbara-Kirche aufgestellt wurde.

Im Rahmen der Weiberner Dorferneuerung wurde der Steinmetzbahnhof ausgestaltet. Das aufwendig gearbeitete Eingangsportal der Robert-Wolff-Sporthalle zeige höchste Steinmetzkunst, hieß es. Wanderwege im Vulkanpark Brohltal/Laacher See wurden mit steinernen Wegweisern versehen, das ehemalige Sägehaus Neis hergerichtet, Schnupperkurse durchgeführt und, und, und ...

Bei einer Mitgliederversammlung im Frühjahr 2015 gab der inzwischen 80 Jahre alte Willi Klapperich den Vorsitz ab. Manfred Dahm, der ebenfalls kurz vor Vollendung seines achten Lebensjahrzehnts stand, wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Norbert Kraus und Theo Haenscheid sind erneut in das sechsköpfige Präsidium gewählt worden. Heinrich Josef Müller-Betz, Werner Wilms und Franz Westermeier standen ihnen weiter zur Seite. Die Kasse wurde weiterhin von Gerd Schricker und Heinz-Peter Degen geprüft. Die Mitgliederzahl pendele seit Jahren zwischen 110 und 120, berichtete die Rhein-Zeitung am 9. April 2015. Auch das Jahresprogramm habe sich in mehr als zwei Jahrzehnten nur unwesentlich verändert. Schwerpunkte bilden Schnupper- und Schmiedekurse, die Ausrichtung der St.-Barbara-Kirmes, eines Grillfests und einer Winterwanderung sowie das alle zwei Jahre veranstaltete Tuffsteinfest. Auch im Jahr 2014 verwendete der Verein viel Zeit auf die Pflege seines Geländes. Für 2015 wurden die Aufstellung eines neuen Bohrhammers und die Erneuerung der Werkstatt-Rückwand geplant. Außerdem sollte wieder in Ruhebänke aus Tuff und Basalt investiert werden. Fünf davon sollten in der Weiberner Gemarkung aufgestellt werden - unter anderem am Alten Kran, in der Talaue und am Martinsfeuer-Platz. Außerdem stimmten die Mitglieder dem Vorhaben zu, den Bildstock wieder an seinem alten Standort aufzustellen, der früher am Haus Hück an der Bahnhofsstraße stand, im Zuge von Straßenbauarbeiten aber entfernt worden war. Vorgeschlagen wurde auch, einen Gedenkstein aufzustellen, der auf das 70-jährige Bestehen der Barweiler-Wallfahrt hinweist. Darüber hinaus gab es Pläne, den Bildstock am Haus Maxein in der Hommersbergstraße zu erneuern. Für 15-jährige Mitgliedschaft wurden während der Versammlung geehrt: Katharina Radermacher, Willi Klapperich, Klaus Rausch, Klaus Brust, Felix See und Bernhard Bouhs.[1]

Bei der Jahreshauptversammlung im April 2017 waren drei Mitglieder des sechsköpfigen Präsidiums neu zu wählen. Norbert Kraus, Theo Haenscheid und Manfred Dahm wurden bestätigt. Für 15-jährige Mitgliedschaft sind mit einer Urkunde ausgezeichnet worden: Alfred Schmitt, Liesel Schäfer, Hans-Peter Scharmann, Martin Nürenberg, Josef Westermeier, Heinz-Peter Degen, Jürgen Kühn, Bernd Theisen und Manfred Nürenberg. Auf Antrag von Georg Müller beschloss die Mitgliederversammlung, künftig Ehrungen für 10-, 20- und 30-jährige Mitgliedschaft vorzunehmen.[2]

Aufgrund ihrer großen Verdienste für die Allgemeinheit schlug die Ortsgemeinde Weibern den Steinhauer-Verein im September 2017 für den Ehrenamtspreis des Kreises Ahrweiler vor. Die Vereinsmitglieder Hermann Hilger, Manfred Dahm, Friedel Schild, Helmut Reuter und Manfred Nürenberg sanierten 2017 die Mariensäule. Dabei wurden sie von den Gemeindearbeitern Hans Hilger und Andreas Heilig sowie von weiteren Vereinsmitgliedern – Willi Klapperich, Gerhard Fronert, Arno Schild, Norbert Kraus, Alfons Degen und Ralf Krayer – sowie von Sebastian Radermacher unterstützt.

Ein Großprojekt für den Steinhauerverein war die Fußgängerbrücke in der Talaue. Das Material – etwa fünf Kubikmeter Basalt und Weiberner Tuffstein – wurde von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Im Winter 2008 wurden die 333 Werksteine bearbeitet und anschließend vor Ort versetzt. Insgesamt hat der Steinhauerverein allein an diesem Bauwerk 1225 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet.[3]

Schwerpunkt des Jahres 2017 war die Aufstellung eines Gedenksteins zur Erinnerung an den Bomberabsturz am 28. Januar 1945 am Riedener Berg sowie das Aufstellen von Steinen, die auf die Gedenkstätte hinweisen.

Am 8. Mai 2018 wurde der Steinhauerverein mit der Ehrenplakette des Kreises Ahrweiler ausgezeichnet. In der Laudatio des Kreisbeigeordneten Horst Gies hieß es, der Verein habe es sich seit 1994 zur Aufgabe gemacht, die Traditionen des historischen Steinmetzhandwerks zu bewahren. Weiberner Tuff werde als Naturwerkstein weit über die Region hinaus geschätzt, so Gies: „Selbst im hohen Norden, wie beispielsweise für die Landungsbrücken im Hamburger Stadtteil Sankt Pauli und im Dom zu Ribe in Dänemark sei er verwendet worden. Aber auch im Bonner Münster und in der Basilika Maria Laach setzten die Kirchenbauer Weiberner Tuff ein.“ Mit seinen mehr als 100 Mitgliedern, von denen einige auch aus dem angrenzenden Ausland stammen, sei der Steinhauerverein der größte Vertreter der Steinmetzkunst im Kreis Ahrweiler. Neben Tuffsteinfest und Tuffsteinmuseum nannte Gies die Restaurierung der Mariensäule als herausragendes Beispiel für die Arbeit des Vereins: „In mehr als 400 Stunden ehrenamtlicher Arbeit wurde die Mariensäule restauriert und auf ihrem alten Podest in der Dorfmitte wieder aufgebaut. Die Mitglieder des Steinhauervereins haben mit ihrem Einsatz einen wahren Schatz auf dem Weiberner Dorfplatz erhalten.“[4]

Im Frühjahr 2019 wurde das Andachtskreuz zwischen Weibern und Wabern saniert.

Hauptthema der Jahresversammlung im Frühling 2019 – 119 Mitglieder zählte der Verein zu dieser Zeit – war der Nachwuchsmangel des Verein. „Die Alten gehen nach und nach von Bord, junge Nachfolger sind noch nicht in Sicht,“ formulierte es Hans-Josef Schneider in der Rhein-Zeitung (RZ), „Immer mehr von denen, die vor 25 Jahren bei der Gründung und danach Führungsverantwortung übernommen hatten, scheiden aus.“ Weiter hieß es in der RZ:

Mit dem gelernten Steinmetz Manfred Dahm verlässt der bis dahin einzige Mann vom Fach die Kommandobrücke, mit Theo Haenscheid ein versierter Kenner in Versicherungs- und Organisationsfragen, mit Norbert Kraus der Chef vom Dienst, der zehn Jahre lang für Schriftverkehr und alles Finanzielle zuständig war und den Verein zusammen gehalten hat.

Bei der geplanten Ergänzungswahl war niemand bereit, ein Amt im Vereinspräsidium zu übernehmen. So wurde es zur Aufgabe, der verbliebenen Vorstandsmitglieder, Nachfolger zu finden und die Funktionen neu zu besetzen. Klothilde Ackermann, Paula Caspari, Thomas Bininda und Bernd Radermacher wurden für zehnjährige Mitgliedschaft im Verein ausgezeichnet. 20 Jahre waren Gerhard Fronert, Lothar See und Georg Müller, der zudem 13 Jahre lang im Vorstand aktiv war, mit dabei.[5]

Sonstiges

Im Jahr 2008 richteten sich die Steinhauer eine Schmiede ein, deren Interieur aus dem Nachlass von Ludwig Groß stammt. In der Schmiede werden u.a. Steinmetz-Werkzeuge hergestellt.

Weitere Bilder

Siehe auch

Tuffsteinzentrum Weibern

Mediografie

Weblink

http://www.steinhauervereinweibern.de

Fußnoten

  1. Quelle: Hans-Josef Schneider: Weiberner Steinhauer suchen Nachwuchs - Vorsitzende sind um die 80 Jahre alt – Verein hat seit Jahren rund 120 Mitglieder – Schnupperkurse ausgebucht, in: 'Rhein-Zeitung vom 9. April 2015
  2. Quelle: Hans-Josef Schneider: Steinhauer wollen Barbarakirmes wiederbeleben – Festausschuss soll sich um Weiberner Traditionsfest kümmern- Mitglieder geehrt, in: Rhein-Zeitung vom 21. April 2017
  3. Quelle: Hans-Josef Schneider: Die Steinhauer sind auch Brückenbauer – Rühriger Handwerkerverein aus Weibern wurde vor 25 Jahren aus der Taufe gehoben, in: Rhein-Zeitung vom 30. November 2019
  4. Quelle: Günther Schmitt: Feierstunde im Ahrweiler Kreishaus: Ehrenplakette des Kreises Ahrweiler für drei Organisationen, general-anzeiger-bonn.de vom 11. Mai 2018
  5. Quelle: Hans-Josef Schneider: Kommt das Aus zum Silberjubiläum? Steinhauerverein Weibern mit Personalsorgen - Wer übernimmt Verantwortung für die Zukunft?, in: Rhein-Zeitung vom 6. Mai 2019