FacebookLogo.png   TwitterLogo.png   Wordpress-logo-notext-rgb.png

Dr. von Ehrenwall’sche Klinik Ahrweiler

Aus AW-Wiki
(Weitergeleitet von Dr. von Ehrenwall’sche Klinik)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Dr. von Ehrenwall’sche Klinik in Ahrweiler wurde im Jahr 1877 von Carl von Ehrenwall als „Dr. von Ehrenwall'sche Kuranstalt für Gemüths- und Nervenkranke“ gegründet. Heute befindet sich die Klinik als Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie in vierter Generation in Familienbesitz. Die Klinik hat 150 Betten, 20 tagesklinische Plätze und etwa 5000 Patienten jährlich. Aufgabe der Klinik ist es, die psychiatrische Akutversorgung für den Landkreis Ahrweiler sicher zu stellen. Patienten aus dem Ahrweiler haben deshalb bei Akuteinweisungen Vorrang. Überregional arbeitet die Klinik im Sinne einer integrativen Psychotherapie, die, der speziellen Fragestellung des Patienten entsprechend, tiefenpsychologisch-analytisch oder verhaltenstherapeutisch ausgerichtet ist. Daneben werden Tanz- und psychodramatische Gruppentherapie, katathym-imaginative Psychotherapie und die Therapie posttraumatischer Belastungsstörungen angeboten. Zudem übernimmt das psychiatrische Krankenhaus hoheitliche Aufgaben, wenn ein Patient von Gesetzes wegen oder von der Polizei eingewiesen wird. Mit 300 Mitarbeitern gehört die Klinik zu den größten Arbeitgebern der Region.[1]


Ehrenwallsche Klinik 01.jpg
Der Haupteingang vor der Modernisierung
AW-Landrat Dr. Jürgen Pföhler (3.v.l.) und sein Mitarbeiter Klaus Kniel (r.) bei einem Treffen mit Vertretern der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik im Juli 2014
Wandelgang
Tagesklinik im ehemaligen Hotel "Alte Mühle"
Klinik-Einfahrt
Im ehemaligen Badehaus.
Ehrenwallsche Klinik.jpg
Klinik-Gründer Carl von Ehrenwall.
Historische Aufnahme
Historische Ansichtskarte.
Sanatorium Dr. v. Ehrenwall - historische Ansichtskarte
Mehrzweckhalle
Villa Griesinger
Wandelgang
altes Badehaus
Tagesklinik
die "gute Stube" der Klinik
Hallenbad der Klinik

Anschrift und Standort

Walporzheimer Straße 2

53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler (Stadtteil Ahrweiler)

Die Karte wird geladen …

Kontakt

Träger

Dr. von Ehrenwall’sche Klinik Marx GmbH & Co. KG

Leitung

Ärztlicher Direktor: Dr. med. Christoph Smolenski

Chefärzte:

Technischer Leiter: Markus Hansen

Bettenzahl

  • Abteilungen Psychiatrie I und II: 150 Betten (3-Bett-, 2-Bett- und 1-Bett-Zimmer)
  • Abteilung neuropsychiatrische Rehabilitation: 50 Betten (Einbettzimmer)
  • Tagesklinik: 20 Plätze

Gründung und Entwicklung[2]

Ziel von Carl von Ehrenwall sei es gewesen, „mit dem Rüstzeug moderner Erkenntnisse gewappnet, Krankheitserscheinungen zu bekämpfen, die jahrhundertelang nicht als echte Krankheiten erkannt worden waren, sondern Erniedrigung und Diskriminierung für die leidenden Menschen bedeutet hatten“, wie es seine Enkelin Dr. Marianne Smolenski zum 100. Jubiläum der Klinik formulierte. Den Patienten sollte unter ärztlicher Aufsicht eine familienähnliche Lebensweise ermöglicht werden.[3] Die Frage, warum Carl von Ehrenwall seine Klinik ausgerechnet in dem verschlafenen Rotweinstädtchen Ahrweiler gegründet hat, wird wohl immer sein Geheimnis bleiben. Nach der Schulzeit in Ahrweiler und Neuss, wo er wahrscheinlich erste Kontakte zur Psychiatrie hatte, studierte er in Würzburg Medizin und promovierte dort.

Als 22-Jähriger gründete er am 1. April 1877 in seiner Geburtsstadt Ahrweiler die „Dr. von Ehrenwall’sche Kuranstalt für Gemüths- und Nervenkranke“ – zunächst in den Gebäuden des späteren Weingutes Schäfer in der Oberhutstraße in der Altstadt. Als diese Gebäude zu klein wurden, begann Carl von Ehrenwall, der ab 1880 die alleinige ärztliche und wirtschaftliche Verantwortung des jungen Unternehmens übernommen hatte, den Neubau der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik vor dem Obertor. Sukzessive kaufte er Land auf und baute ein Gebäudeteil nach dem anderen, wie es bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Klinik möglich war. Die Lage der Klinik in unmittelbarer Stadtnähe war zur damaligen Zeit ungewöhnlich, entspricht jedoch damals wie heute in idealer Weise den Forderungen einer gemeindenahen psychiatrischen Versorgung der Bevölkerung.

1913 entschloss sich Klinikgründer Dr. Carl von Ehrenwall, seine bis dahin ausschließlich von Selbstzahlern belegte Klinik auch für seelisch kranke Menschen zu öffnen, die im Rahmen von Reha-Verfahren (Kuren) über die damalige Reichsversicherungsanstalt für Angestellte (heute Deutsche Rentenversicherung Bund) und später die Landesversicherungsanstalten versichert waren. Über Jahrzehnte stellten die Versicherten der Rentenversicherung den Großteil der Patienten in Ahrweiler dar.

Von Ehrenwall führte in seiner neuen Klinik alle zu jener Zeit modernen Therapiemethoden ein und war seiner Zeit sicherlich in vielem voraus: Er richtete eine Kunst- und Ergotherapie ein, eine Sport- und Bewegungstherapie und führte die Patienten in die umgebende Landschaft zur Terraintherapie. Seine Vorliebe für innovative Technik war offenbar außerordentlich: 1887 richtete er eine durch Wasserkraft betriebene eigene elektrische Versorgung ein, als es diese in der Stadt Ahrweiler noch nicht gab. Er brauchte sie, um zahlreiche elektrisch betriebene Therapiemethoden zur Anwendung bringen zu können. Außerdem versorgte die elektrische Energiezentrale über Jahre die Stadt Ahrweiler und die Elektrische gleislose Bahn Ahrweiler GmbH mit Strom. Von Ehrenwall stellte die Energie- und Wasserversorgung der Klinik auf eigene Füße. Wie viele andere psychiatrische Kliniken, richtete er eine eigene Landwirtschaft ein, so dass die Klinik über viele Jahrzehnte von eigenen landwirtschaftlichen Produkten leben konnte.

Ende der 1920er-Jahre übernahm von Ehrenwalls Schwiegersohn Dr. Emil Marx die Leitung der Klinik. Für die schwierige Zeit des NS-Regimes und des Zweiten Weltkriegs attestierte ihm dessen Tochter Dr. Marianne Smolenski „besonderen Einsatz und Mut“: Er habe in diesen Jahren dem erheblichen persönlichen Risiko getrotzt und nicht davor zurückgescheut, „Menschen, die wegen ihres Krankseins unter dem damaligen Regime gefährdet waren, Zuflucht und ärztliche Hilfe zu geben“, erinnerte sie sich anlässlich des 100. Jubiläums der Klinik.

Die beiden Weltkriege überstand die Klinik unter wirtschaftlich schwer belasteten Bedingungen. In beiden Kriegen diente sie als Lazarett. Bei einem Bombenangriff auf Ahrweiler am 29. Januar 1945 wurde ein Gebäudeteil, das „Schlösschen“, von Bomben zerstört, zahlreiche Patientinnen und Mitarbeiter fanden dabei den Tod. Dieser zerstörte Gebäudeteil wurde erst in den 1970er Jahren ersetzt. Heute beherbergt die Schlösschenklinik die geschützte und Aufnahmestation für Frauen.

1964 übernahm mit Dr. Otto Smolenski, Ehemann von Dr. Marianne Smolenski, geborene Marx, die dritte Generation das Ruder. Das Ehepaar leitete die organisatorisch und baulich notwendige Neugestaltung der Klinik in die Wege. Zu einer „Revolution“ der Behandlungsmethoden hatte bereits zuvor die Einführung von Psychopharmaka geführt – auch in der Ehrenwall’schen Klinik: Die neuen medikamentösen Therapiemöglichkeiten unterstützten hier die psychotherapeutische Behandlung und lösten risikoreichere Therapieformen wie die elektrische und medikamentöse Schockbehandlung ab.

1972 fiel die Entscheidung, dem Landeskrankenhausplan beizutreten. Damit übernahm die Klinik die Versorgung gesetzlich versicherter akut kranker Menschen. Um den sich ändernden und wachsenden Anforderungen der modernen Medizin gerecht zu werden, wurde die Klinik ab 1972 modernisiert. Kurz vor dem 100-jährigen Bestehen der Klinik im Jahr 1977 war ein Erweiterungsbau mit Bettenstationen, Hallenbad und Sauna fertiggestellt worden. Es folgten Sporthalle sowie Bau und Ausbau weiterer Klinikgebäude und -villen. Nach der Ersteigerung des ehemaligen Hotels „Alte Mühle“ im Jahr 1994 wurde dort bis 1999 eine Tagesklinik mit Wohnanlage errichtet.

Unter Dr. Christoph Smolenski, der 1991 die ärztliche Leitung übernahm, und seiner Frau Dr. Susanna Smolenski entwickelte sich die Klinik mit Akutkrankenhaus, Rehabilitationsabteilung, Tagesklinik und Psychiatrischer Institutsambulanz stetig weiter. Anfang der 1990er Jahre übernahm die Klinik im Rahmen der Psychiatrieplanung des Landes Rheinland-Pfalz die Pflichtversorgung für den Landkreis Ahrweiler. Mit der Übernahme der regionalen Pflichtversorgung errichtete die Klinik eine Tagesklinik im Haus Mühle.

Das Therapeutenteam der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik wurde in den Jahren zwischen 1991 und 2003 um das fast Vierfache erweitert, und der historische Altbau der Klinik wurde zwischen 1999 und 2004 generalsaniert und baulich so umgestaltet, dass die Voraussetzungen für eine akutmedizinische Versorgung seelisch kranker Menschen gegeben sind.´Ca. 40 Ärzte, Psychologen, Sozial- und Ergotherapeuten und fast 80 Pflegekräfte betreuten im Jahr 2002 die Patienten, denen auch eine Psychiatrische Institutsambulanz zur ambulanten Behandlung zur Verfügung steht. Insgesamt beschäftigt die Dr. von Ehrenwall’sche Klinik im Jahr 2002 ca. 260 Mitarbeiter und ist damit größter Arbeitgeber im Stadttteil Ahrweiler.

Die Erweiterung der Tagesklinik finanzierte das Land Rheinland-Pfalz im Jahr 2012 mit 1,61 Millionen Euro. Der Krankenhausträger beteiligte sich an der Baumaßnahme mit einem Eigenanteil von rund 429.000 Euro. Die Tagesklinik im „Haus Mühle“ wurde dabei um 15 auf 30 Plätze erweitert. Zugleich wurde die benachbarte psychiatrische Institutsambulanz in die Tagesklinik verlegt. Dafür wurde die Tagesklinik mit einem zweigeschossigen Erweiterungsbau ergänzt. Auch im „Haus Mühle“ wurde das Erdgeschoss umgebaut. Dort wurden die Räume für Ergotherapie, Gruppentherapie und Sporttherapie untergebracht. Behandlungs- oder Gesprächsräume wurden im Obergeschoss eingerichtet. Die Therapieküche und der Speiseraum blieben im Altbau.[4]

Gute Noten erhielt die Dr. von Ehrenwall’schen Klinik im Rahmen einer Patientenbefragung, deren Ergebnisse im März 2013 vorgestellt wurden. Im Vergleich mit 14 weiteren psychiatrischen Kliniken schnitt die Einrichtung in Ahrweiler in den meisten Punkten am besten ab. Die Patienten konnten auf einer Skala von eins (völlig zufrieden) bis fünf (unzufrieden) verschiedene Bereiche bewerten. Bestwerte gab es unter anderen zu den folgenden Themen: Möglichkeiten der Freizeitgestaltung (2,06), Kommunikation im Vorfeld des Klinikaufenthaltes (1,76), Ablauf der ärztlichen Aufnahme (1,39), Qualität des therapeutischen Angebots (1,63), Vielfältigkeit des therapeutischen Angebots (1,77), Wartezeiten vor vereinbarten Terminen (1,48), Wartezeit auf angeordnete Therapien (1,62) sowie Menge des Essens (1,17) und Ernährungsberatung (1,92). Laut der Mitteilung der Klinik würden 90 Prozent der Patienten die Klinik weiterempfehlen, und 88 Prozent würden sich erneut in der Klinik behandeln lassen.[5]

Nicht nur der Anteil der Rehapatienten nahm im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich ab und stellt heute nur noch circa 20 Prozent der Patienten dar. Auch die Art des Klientels, der Auftrag der Rentenversicherung und die Behandlungsziele änderten sich. Während früher der klassische Kurpatient zur medizinisch begleiteten Erholung kam, kommt der heutige Rehabilitationspatient zu einer gezielten, hochspezifischen Rehabilitationsbehandlung mit dem Ziel einer Reintegration in das Berufsleben. Dieser Paradigmenwechsel und die zunehmende Bedeutung von Qualitätsmanagement veranlassten die Bundesarbeitsgemeinschaft der Rehabilitationsträger (BAR), ein eigenes Zertifizierungssystem für das Qualitätsmanagement (QM) in Rehakliniken zu entwickeln und dessen Anwendung bindend vorzuschreiben. Im März 2013 wurde die Klinik deshalb nach DIN ISO zertifiziert. „Wir waren gezwungen, unsere bisherige Zertifizierungsstrategie zu verlassen und ein den neuen Vorschriften entsprechendes Zertifizierungssystem zu implantieren“, so Geschäftsführer Dr. Christoph Smolenski. 2007 war die Klinik bereits KTQ-zertifiziert worden. KTQ steht dabei für Kooperation, Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen. Die Geschäftsführung habe sich für ein Verfahren entschieden, das auf DIN ISO aufgebaut ist und den BAR-Richtlinien entspricht, so Smolenski. „Das gesamte QM-Team musste grundsätzlich umdenken, die vertrauten Wege des KTQ verlassen und sich auf die neue Systematik einstellen“, so die QM-Beauftragten Edith Visel und Marcel Sonnenberg, deren Aufgabe es war, die Mitarbeiter zu motivieren und zu schulen, in einer Pressemitteilung.[6]

Aus dem Krankenhausinvestitionsprogramm des rheinland-pfälzischen Sozialministeriums für das Jahr 2013 erhielt die Dr. von Ehrenwall'sche Klinik 500.000 Euro für die Erweiterung der psychiatrischen Tagesklinik und der Institutsambulanz.[7] Mit diesem weiteren Teilbetrag förderte das Land die Baumaßnahme mit insgesamt 1,61 Millionen Euro, von denen bis dahin eine Million Euro bereitgestellt wurden. Die Bewilligung weiterer Teilbeträge auf den vereinbarten Festbetrag soll nach Baufortschritt erfolgen. Der Krankenhausträger beteiligte sich an der Baumaßnahme mit einem Eigenanteil von rund 429.000 Euro. Durch die Landesförderung wird eine Erweiterung der zurzeit im Haus Mühle vorhandenen psychiatrischen Tagesklinik mit derzeit 15 Plätzen auf 30 Plätze möglich. Zugleich wird im Rahmen der dafür notwendigen Baumaßnahme die benachbarte psychiatrische Institutsambulanz in die Tagesklinik verlegt, sodass in Zukunft beide Einrichtungen in einem gemeinsamen Gebäude untergebracht sind. Um beiden Einrichtungen ausreichend Platz zu bieten, wird das Haus Mühle durch einen zweigeschossigen und barrierefreien Erweiterungsbau vergrößert. Zugleich wird das vorhandene Erdgeschoss umgebaut, um dort die Räume für Ergo-, Gruppen- und Sporttherapie unterzubringen. Räume, in denen mehr Ruhe benötigt wird, werden im Obergeschoss eingerichtet. Therapieküche und Speiseraum werden ebenfalls renoviert.[8]

Die Klinik behandelt – Stand: August 2013 – knapp 1600 Patienten jährlich stationär und 200 Patienten teilstationär. Tendenz: steigend. Daneben werden im Rehabilitationsbereich gut 300 weitere Patienten behandelt. Im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz betreibt die Klinik zwei Kooperationsprojekte mit dem Krankenhaus "Maria Hilf" Bad Neuenahr – eines im Bereich der neurologischen Versorgung von Schlaganfallpatienten (Stroke Unit), das zweite im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung von psychosomatisch kranken Patienten. Mit der DRK-Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Bad Neuenahr besteht eine enge Zusammenarbeit im Bereich von Kindern psychisch kranker Eltern. Im Bereich der Schlaganfalleinheit sind die neurologischen Fachärzte der Klinik an der Versorgung der Schlaganfallpatienten auf der Stroke Unit beteiligt. Zwei Fachärzte für psychosomatische Medizin und Psychiatrie und Psychotherapie der Ehrenwall-Klinik arbeiten im Krankenhaus "Maria Hilf" Bad Neuenahr im psychosomatischen Schwerpunkt.[9]

Sarah Behr arbeitet an einer Dissertation zum Thema „Die Dr. von Ehrenwall'sche Klinik 1933-1945“, die vom Lehrstuhl Prof. Dr. Scholtyseck, Abteilung für Geschichte der Neuzeit des Instituts für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn, betreut wird. Die damalige Dr. von Ehrenwall'sche Klinik für Gemüths- und Nervenkranke, seit ihrer Gründung im Jahr 1877 in Familienbesitz, sei während der Zeit des Nationalsozialismus als Privatklinik nicht an staatliche Weisungen gebunden gewesen, heißt es in der Projektsbeschreibung. Untersucht werde, „in welchem Ausmaß innenpolitische Ereignisse trotz der privaten Trägerschaft Einfluss auf die Versorgungssituation hatten und inwieweit Unterschiede zu staatlichen Krankenhäusern zu erkennen sind.“ Ziel der Dissertation sei „die vollständige Aufarbeitung der Klinikgeschichte während des Dritten Reiches“.[10]

Psychiatrische Institutsambulanz (PIA)

Die Psychiatrische Institutsambulanz ist für die psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung von schwer psychisch kranken Patienten zuständig. Ein psychotherapeutisches Team, bestehend aus Ärzten, Pflegern, Soziotherapeuten, Sport- und Bewegungstherapeuten versorgt dort Patienten, die entweder ein besonders komplexes Therapieangebot brauchen oder die derart krank sind, dass sie in einer normalen kassenärztlichen Praxis nicht angemessen versorgt werden können.

Tagesklinik "Haus Mühle"

In der Tagesklinik der Dr. von Ehrenwall'schen Klinik, in der auch die psychiatrische Institutsbilanz untergebracht ist, werden psychische Erkrankungen teilstationär behandelt. Voraussetzung für eine Aufnahme ist, dass die Anreise des Patienten nicht mehr als 45 Minuten dauert. Die Tagesklinik ist für Patienten gedacht, bei denen eine stationäre Lösung nicht notwendig ist, eine ambulante Therapie aber nicht ausreicht. 70 Prozent der Patienten haben keine stationäre Vorbehandlung erhalten. Bei ihnen handelt es sich vorwiegend um Patienten mit Persönlichkeitsstörungen, Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen, wie sie häufig bei Feuerwehrleuten, Sanitätern, aber auch Polizisten auftreten. Menschen mit psychotischen Erkrankungen wie Schizophrenie dagegen werden in sozialpsychiatrischen Zentren, Tagesstätten oder in beschützten Wohneinheiten und Werkstätten aufgefangen. Zum therapeutischen Konzept der Einrichtung hieß es in einem Beitrag der Rhein-Zeitung:

Ziel der tagesklinischen Behandlung ist es, die seelische Erkrankung zu heilen oder zu lindern, indem persönliche Ressourcen genutzt werden und die soziale Kompetenz in einer therapeutischen Gemeinschaft gefördert wird. Dafür müssen differenzierte Therapieangebote entwickelt werden. Jeder Tag, der um 8.30 Uhr beginnt und um 16.30 Uhr endet, ist strukturiert und ausgefüllt mit Gruppen-, Gesprächs-, Ergo- oder Sporttherapie.[11]

Dabei würden die Patienten Aktivitäten des täglichen Lebens trainieren, etwa wieder einkaufen gehen, Essen zubereiten und Aufträge zu erledigen. Sozialarbeiter helfen bei der Wiedereingliederung in den Beruf sowie beim Umgang mit Versicherungsträgern und Behörden.

Nach der Ersteigerung des ehemaligen Hotels Alte Mühle an der Altenbaustraße in Ahrweiler im Jahr 1994 eröffnete der Krankenhausträger dort 1999 eine Tagesklinik samt Wohnanlage für 15 Patienten. 2006 wurde auf 20 Plätze aufgestockt. Außerdem wurde die Tagesklinik mit 30 Plätzen in den Krankenhausplan aufgenommen. Nach ihrer Erweiterung wurde die Einrichtung am Donnerstag, 22. Januar 2015, offiziell wiedereröffnet. Die Patienten waren bereits im April 2014 eingezogen, die Institutsambulanz im August 2014. Mit der 1,9-Millionen-Euro-Investition, die vom Land Rheinland-Pfalz mit 1,61 Millionen Euro gefördert wurde, erhöhte sich die Kapazität der Tagesklinik auf 30 Plätze. Zugleich wurde bei der Baumaßnahme die benachbarte psychiatrische Institutsambulanz in die Tagesklinik verlegt, um beide Einrichtungen in einem gemeinsamen Gebäude unterzubringen. Um dafür ausreichend Platz zu bieten, wurde das bisherige "Haus Mühle" durch einen zweigeschossigen und barrierefreien Erweiterungsbau vergrößert. Die Planungen umfassten auch den Umbau des Erdgeschosses, um dort die Therapieräume für Ergo-, Gruppen- und Sporttherapie unterzubringen. Behandlungs- und Gesprächsräume wurden im Obergeschoss eingerichtet. Therapieküche und Speiseraum sind renoviert worden. Zur Einweihung begrüßten die Klinikchefs, Christoph und Susanna Smolenksi, rund 100 Gäste. Architekt Dieter Hof sagte bei der Feier, 700 Quadratmeter neue Klinikfläche seien in 18 Monaten Bauzeit geschaffen worden - "schlicht, aber sehr funktional und mit einem angenehmen Arbeitsumfeld.". Die Erweiterung der Tagesklinik spiegele den wachsenden Bedarf in der Behandlung psychischer Erkrankungen wider. Der Anstieg der Behandlungsplätze sei aber auch Ausdruck des Vertrauens der Patienten.Landrat Dr. Jürgen Pföhler und Bürgermeister Guido Orthen betonten die große Bedeutung der Klinik für die Kreisstadt. Dechant Jörg Meyrer und Pfarrer Wilfried Glabach gaben dem Neubau den kirchlichen Segen.[12]

Sonstige

Die Klinik besitzt Modelle von den Klinikgebäuden, die in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg von Patienten im Rahmen der Beschäftigungstherapie angefertigt wurden. Der Klinikgründer warb damit einst bei internationalen Ausstellungen für sein Haus.[13]

Der Gewölbekeller diente im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzraum und Versteck für vom NS-Regimes bedrohte Patienten der Klinik.[14]

Weitere Bilder

Siehe auch

Mediografie

Weblinks

Fußnoten

  1. Quelle: Niki Radtke: 4000 Menschen arbeiten in zwölf Betrieben - Hitliste der größten Arbeitgeber, in: Rhein-Zeitung vom 13. Oktober 2012
  2. Textgrundlage: Pressemitteilung von Dr. Christoph Smolenski anläßlich der Urkundenüberreichung zum 125. Betriebsjubiläum der Dr. v. Ehrenwall’schen Klinik durch die Industrie- und Handelskammer am 5. Juli 2002
  3. Quelle: Petra Ochs: Der Mensch steht im Zentrum – Dr. von Ehrenwall'sche Klinik feiert ihren 140. Geburtstag mit einem Tag der offenen Tür, in: Rhein-Zeitung vom 30. März 2017
  4. Quelle: Rhein-Zeitung vom 11. August 2012
  5. Quelle: Rhein-Zeitung vom 28. März 2013
  6. Quelle: Rhein-Zeitung vom 4. April 2013 und General-Anzeiger vom 6. April 2013
  7. Quelle: Krankenhausinvestitionsprogramm: Geld aus Mainz für Kliniken in Remagen und Ehrenwall, general-anzeiger-bonn.de vom 8. Mai 2013
  8. Quelle: Rhein-Zeitung vom 27. Juni 2013
  9. Quelle: Günther Schmitt: Ehrenwall-Klinik in Ahrweiler: 5,5 Millionen Euro in Akutkrankenhaus investiert, general-anzeiger-bonn.de vom 16. August 2013
  10. Quelle: Laufende Dissertationsprojekte: "Die Dr. von Ehrenwall'sche Klinik 1933-1945" (Sarah Behr), igw.uni-bonn.de, gesehen am 24. Juli 2017
  11. Quelle: Beate Au: Tagesklinik: Erfolgsmodell in der Psychiatrie - Plätze stehen in der erweiterten Einrichtung der Ehrenwall'schen Klinik zur Verfügung – Nachfrage steigt, in: Rhein-Zeitung vom 21. Januar 2015
  12. Quellen: Günther Schmitt: Land gibt Geld für Ehrenwall - Tagesklinik verdoppelt Kapazität, general-anzeiger-bonn.de vom 7. Januar 2014 und Investitionen von 2,1 Millionen Euro - Ehrenwall erweitert Tagesklinik, general-anzeiger-bonn.de vom 6. August 2014, und Ehrenwall-Klinik feiert Erweiterung von "Haus Mühle" - Neue Klinikräume für zwei Millionen Euro, general-anzeiger-bonn.de vom 23. Januar 2015
  13. Quelle: Petra Ochs: Ehrenwall'sche gewährt seltene Ein- und Ausblicke – Großes Interesse am Tag der offenen Tür in Ahrweilers 140-jähriger Klinik, in: Rhein-Zeitung vom 3. April 2017
  14. Quelle: Petra Ochs: Ehrenwall'sche gewährt seltene Ein- und Ausblicke – Großes Interesse am Tag der offenen Tür in Ahrweilers 140-jähriger Klinik, in: Rhein-Zeitung vom 3. April 2017