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Judengasse (Sinzig)

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Gudestraße Sinzig.jpg

Die heutige Gudestraße in Sinzig, eine schmale abschüssige Straße, die den Kirchplatz und die Koblenzer Straße miteinander verbindet, hieß, wie auf dem Straßenschild vermerkt, bis 1951 - außer von 1933 bis 1946 - Judengasse.


Verlauf

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Chronik

Der Jude Jakob Faber betrieb in der ehemaligen Judengasse eine Metzgerei.[1]

1933 wurde die Judengasse in "Schlageterstraße" umbenannt, trug also den Namen des von den Nationalsozialisten zum Märtyrer stilisierten Albert Leo Schlageter (* 12. August 1894 in Schönau im Schwarzwald (Baden); † 26. Mai 1923 auf der Golzheimer Heide, Düsseldorf). Schlageter war Mitglied der NSDAP-Tarnorganisation Großdeutsche Arbeiterpartei. Während der französisch-belgischen Ruhrbesetzung war er militanter Aktivist und wurde wegen Spionage und mehrerer Sprengstoffanschläge von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. [2] Im Jahr 1946 wurde die Umbenennung "Schlageterstraße" des Dritten Reichs auf Druck der Besatzungsmächte rückgängig gemacht. Rudolf Menacher und Hans-Ulrich Reiffen schreiben in ihrem Buch Knoblauch und Weihrauch: "Aber nun wirkte der Name offenbar wie ein Dorn im Fleisch. Er berührte peinlich das uneingestandene Schuldgefühl." So beschloss der Stadtrat Sinzig einstimmig die Umbenennung in "Gudestraße". Seitdem wurde verschiedentlich angeregt, die Straße wieder in "Judengasse" umzubenennen. Mit Blick auf das Sinziger Judenpogrom vom Mai 1265 griff Karl-Friedrich Amendt diesen Vorschlag im April 2015 wieder auf. An Bürgermeister Wolfgang Kroeger und die Fraktionen im Stadtrat Sinzig schrieb er: "Ich würde mich freuen, wenn das Gedenken an 750 Jahre Judenpogrom in Sinzig den äußeren Anlass bieten würde, der Judengasse ihren alten Namen wiederzugeben und parallel durch Stolpersteine an unsere jüdischen Mitbürger zu erinnern, die vor rund 75 Jahren den Pogromen durch die Nazis zum Opfer fielen."[3]

Nachdem die Rüstigen Rentner vorgeschlagen hatten, die „Gudestraße“ in „Judengasse“ umzubenennen, beschäftigte sich am 10. März 2020 der Ortsbeirat mit dem Thema und votierte mehrheitlich für die von den Rüstigen Rentnern angeregte Namensänderung. Anschließend beteiligte die Stadtverwaltung die Hauseigentümer und Bewohner der Gudestraße. „Inhaltlich kann zusammengefasst werden, dass die Umbenennung grundsätzlich abgelehnt wird“, hieß es anschließend aus dem Rathaus. Zudem sei eine Unterschriftenliste gegen eine Umbenennung eingereicht worden. Die Stadtverwaltung bewertete den Änderungsvorschlag folgendermaßen:

Verwaltungsseitig kann eine Änderung nicht empfohlen werden. Unter Abwägung der mit der Namensänderung verbundenen Aufwendungen für Anlieger und Behörden (nicht nur zwei neue Straßenschilder) sollte der derzeitige Name beibehalten werden. Es ist bereits ein Zusatz unter dem Straßenschild mit historischen Erläuterungen angebracht. Eine Hinweistafel (in Ergänzung zu den Stolpersteinen) kommt als weitere Maßnahme in Betracht.

Am 19. August 2020 beschäftigt sich nun der Bauausschuss der Stadt Sinzig mit dem Thema.

Siehe auch

Synagoge Sinzig

Mediografie

Hildegard Ginzler: 750 Jahre Sinziger Pogrom - Zurück zum Namen Judengasse, general-anzeiger-bonn.de vom 25. April 2015

Fußnoten

  1. Quelle: Stephan Pauly: Mit 23 Jahren an der Ostfront gefallen - Erinnerungskultur braucht neue Formen: Stephan Pauly erzählt beispielhaft die Geschichte von Josef Kunz, in: Rhein-Zeitung vom 15. November 2014
  2. Quelle: Wikipedia: Albert Leo Schlageter, gesehen am 25. April 2015
  3. Quelle: Gudestraße und "Jüddejass", general-anzeiger-bonn.de vom 25. April 2015