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Kreissparkasse Ahrweiler

Hanns Matschulla

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Steinerne St.-Barbara-Statue an der Innenseite des Ahrtors in Ahrweiler
St.-Josef-Seitenaltar mit Figurengruppe von Hanns Matschulla in der Katholischen Pfarrkirche „St. Johannes d. T.“ Brohl
Marmorbüste von Carl von Ehrenwall
Ein von Hanns Matschulla geschnitztes Jubiläumsfass im Keller des Weinguts Adolf Schreiner in Rech

Der Maler und Bildhauer Hanns Matschulla (* 6. Dezember 1901 Lipiny (Oberschlesien), † 2. September 1971 in Ahrweiler) verbrachte den größten Teil seines kreativen Lebens in Ahrweiler und hinterließ in großer Zahl Kunstwerke, aber auch kunsthandwerkliche Arbeiten in Holz und Stein. Arbeiten von Matschulla sind an vielen Stellen im Kreis Ahrweiler zu finden. Das Hochkreuz auf dem Alten Friedhof „Am Ahrtor“ in Ahrweiler mit Christus in den gegabelten Ästen des Baumes stammt von ihm, die Gruppe des St.-Josefs-Altars in der katholischen Pfarrkirche „St. Johannes d. T.“ in Brohl, St. Barbara mit Hostie und Kelch über dem Ahrtor in Ahrweiler ebenso wie das Holzrelief „St. Georg“ in der Burgkapelle „St. Antonius“ in Kreuzberg. Zu Matschullas großen Arbeiten gehört das Fresko in der St. Hubertus-Kapelle Bölingen. Das am 3. November 1957 eingeweihte Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege vor der St. Hubertus-Kapelle Bölingen und die Kriegsopfer-Gedenkstätte Walporzheim stammen ebenfalls von ihm. Matschulla war Gründungsmitglied der 1941 gegründeten Are-Künstlergilde Bad Neuenahr-Ahrweiler.[1]


Vita[2]

Hans Matschulla wurde am 6. Dezember 1901 in Lipiny, Kreis Beuthen, in Oberschlesien geboren. Sein Vater war Chemiker, sein Großvater Dirigent an der Warschauer Staatsoper. Matschullas deutsche Mutter entstammte der Familie Staffitius, die als deutsche Kolonisten nach Polen ausgewandert war. Auch von einem russischen Vorfahren sprach Matschulla häufig mit einem gewissen Stolz. Wahrscheinlich baltischen Ursprungs, kommt der Name Matschulla aber auch häufig in Oberschlesien vor. Wörtlich übersetzt bedeutet er etwa: “der das Gefühl hat”.

Über Matschullas Kindheit ist wenig bekannt. Bereits als Neunjähriger erhielt von seinen Mitschülern “Aufträge”. Früh verspürte er die Lust, aus Lehm eigenartige Form zu kneten. Und bald schon schnitzte er Plastiken aus Holz.

Die Familie wohnte in Krakau. Der Künstler durfte die berühmte “Schule der schönen Künste” der alten Universitätsstadt besuchen. Matschulla entwickelte sich schnell. Nach vier Jahren wurde er Schüler der Staatlichen Baugewerbe- und Steinmetzschule unter Professor August Schneider in Görlitz. Schneider bahnte Matschulla den Weg nach Berlin. Fortan blieb Deutschland seine Wahlheimat. In Berlin förderte ihn zunächst Ludwig Gies, Professor der Preußischen Akademie für Bildende Künste. Dann wurde er Atelierschüler der Professoren Schultze und Levin Finke. In dieser Zeit (1925) begegnete Matschulla unter anderem Lovis Corinth. Matschulla wurde Werkstudent. In den Ferien arbeitete er bei Siemens-Schuckert, hatte aber auch hin und wieder Aufträge für künstlerische Arbeiten.

Wahlheimat Ahrweiler 1927 bis 1971

Einer der ersten Förderer des Künstlers war der Ahrweiler Pfarrer Conrad Wiess. Der katholische Theologe leitete in einem feudalen Haus an der Wilhelmstraße (Ahrweiler) 87 in Ahrweiler ein katholisches Pädagogium für Jungen. Der Pfarrer führte ein weltmännisches, kulturell bestimmtes Leben und förderte junger Künstler. Er gab Hanns Matschulla Aufträge für Nachbildungen verschiedener Skulpturen der griechischen Antike, die er später im Atrium des heute unter Denkmalschutz stehenden Hauses ausstellte. Zu dieser Zeit unterhielt die Bundeswehr in diesem Hause eine Verwaltung. Unter anderem bedachte die Zigarettenfirma Neuerburg, Köln/Trier, Matschulla mit Aufträgen und auch Carl von Ehrenwall, der Gründer der nach ihm genannten Anstalten für Nervenleiden in Ahrweiler, förderte ihn mit Weitblick. Eine sehr gut gelungene Marmorbüste aus dem Jahre 1928 zeugt von dieser Auftragsbeziehung und Förderung.

Etwa um 1930 arbeitete Matschulla für die Kunstschreinerei Kündgen in Bölingen. Aus dieser Zeit stammt eine Reihe von Holzarbeiten, die in den Orten der Grafschaft heute noch in Privatbesitz sind. In diese Zeit fallen auch Arbeiten mit der Schreinerei Berg in Ahrweiler und Wirz in Wershofen. Im Wesentlichen ergänzte Matschulla dabei die von den Schreinereien erstellten Möbel durch kunstvolle Schnitzarbeiten.

1935 baute sich Matschulla in Ahrweiler ein Atelier. 1937 heiratete er. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Von 1939 bis 1945 nahm er am Zweiten Weltkrieg teil, hauptsächlich in Russland. Wegen seiner Sprachkenntnisse im Russischen war er als Dolmetscher im Dienst des Generalstabes. Seine Kriegserlebnisse skizzierte Matschulla in Tagebüchern in Form von Bleistiftzeichnungen, die er während des Heimaturlaubes - aber meist erst in den Jahren nach dem Kriege - vollendete. Matschulla widmete sich in relativ spärlicher Form den Schrecken des Krieges. Seine Darstellungen aus dieser Zeit entstammen hauptsächlich den Beobachtungen des Volkslebens in der südlichen Sowjetunion mit ihren vielen Volksstämmen. 1944 wurde Matschulla in Ratomka in Mittelrussland schwer verwundet, kam Ende 1945 nochmals im Ruhrgebiet zum Einsatz, konnte aber verhältnismäßig früh nach Ahrweiler heimkehren.

Dann war es ihm vergönnt, 20 Jahre lang in Ahrweiler künstlerisch tätig zu sein. Er arbeitete in seinem Atelier in seinem Haus an der Eifelstraße. Matschullat bestimmte besonders in den 1950er Jahren das Leben der Are-Künstlergilde wesentlich mit. Bis zum Ende seiner Schaffenskraft hat er Jahr für Jahre deren Ausstellungen beschickt, wobei er stets einen erstrangigen Platz innehatte. Neben seinem Zeitgenossen Pitt Kreuzberg bleibt er für diese Zeit einer der ersten der Gilde. 1966 erhielt er anlässlich seines 65. Geburtstages eine eigene Ausstellung im Rahmen der Veranstaltungen der Are-Künstlergilde. Zu dieser Ausstellung wurde ein Katalog aufgelegt. Zu Matschullas 70. Geburtstag war eine weitere Ausstellung in Bad Breisig von ihm selbst geplant, die aber nicht mehr zustande kam.

Matschulla starb am 2. September 1971 in Ahrweiler an einem Leiden, das ihn in den letzten Jahren schon beschattete und seine kreative Vehemenz schwächte.

Künstlerische Materialien und Techniken[3]

Matschulla beherrschte fast sämtliche Techniken mit Materialien, wenn man von Stahl und Glas absieht. Er war in der Lage, jedem Material seine künstlerische Vorstellung aufzuzwingen. Eine sehr breite Ausbildung - sicher auch autodidaktisch - befähigte ihn, ein Leben lang Auftragsarbeiten auszuführen.

Paradoxerweise konnte Matschulla eigentlich nur während des Krieges als Soldat in Skizzen seine künstlerische Kreativität voll ausleben. Erst nach dem Krieg wurden viele dieser Impressionen künstlerisch verwirklicht.

Matschullas Fähigkeiten im Bearbeiten von Holz mit Stecheisen und Holzhammer ist kaum zu übertreffen. Wichtigstes Dokument dieses Talents ist das Baum- oder Astkreuz auf dem Friedhof am Ahrtor in Ahrweiler, das später in Bronze gegossen wurde. Das Original-Holzkreuz steht auf dem Bergfriedhof in Ahrweiler. Um die Ausführung gab es eine Kontroverse. Ahrweiler Bürger wehrten sich gegen die Form des Kreuzes. Der Abt von Maria Laach sprach sich jedoch vermittelnd für die künstlerische Gestaltung dieser Art aus. Er zitierte aus der Prävation: "Vom Baum kam der Tod, von einem Baum wird neues Leben entstehen".

In ·Privatbesitz befinden sich heute viele Truhen, Schränke und Tische, die Matschulla durch Schnitzwerk verschönte. Sie stammen zum größten Teil aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, als Matschulla im Raum Grafschaft. arbeitete. Eine besonders schöne Arbeit ist die Gestaltung von zwei Ansichtsfüllungen im Stil von Hochreliefs als Bauernszenen an einer alten Eifeler Truhe (Privatbesitz). Im oberen Ahrtal befindet sich, der Tradition von Matschullas Wahlheimat folgend, eine Reihe geschnitzter Faßböden. Im Weinhaus St. Peter in Walporzheim befindet sich ein Fassboden, der eine Gemeinschaftsarbeit zweier Künstler darstellt. Der Ahrweiler Schriftsteller und Anthroposoph Ernst Karl Plachner hat hier die Vergeistigung der Weingeister in einem Vers verewigt. Auch Jubiläumsfassböden der großen Winzerfamilien, wie z.B. Jakob Sebastian, sind von hoher künstlerischer Qualität.

Auch das Material Gips beherrschte Matschulla vollkommen. Sein bestes Werk dieser Art, in einer einzigen Nacht entstanden, sei der in dieser Broschüre abgebildete Männerkopf. Der Künstler hatte hier die Eigenschaft des Urmenschen mit seiner denkbaren Brutalität als Überlebensnotwendigkeit vor Augen. Er hatte aber auch Assoziationen zum asiatischen Aufbruch im Sinne, als er dieses Werk schuf, das später in Bronze gegossen wurde.

Hervorragende Terrakotta-Stücke schuf Matschulla nur einige wenige. Sie zeigen, dass er auch diesen Stoff beherrschte. Die wenigen Marmorstücke, meistens aus der Frühzeit, etwa die Büste von Carl von Ehrenwall, zeigen beste handwerkliche und künstlerische Qualitäten.

Die Aufträge, insbesondere für Kriegerdenkmale, aber auch für Grabsteine für Familien und einzelne Kreuze, zeugen von Matschullas Beherrschung von Basalt, Muschelkalk und anderen festen Steinen. Erhebend hat er einen triumphierenden Christus auf einem nachempfunden fränkischen Kreuz geschaffen. Matschulla beherrschte auch die Kunst des Sgrafito, wie etwa an der Ahrweiler Aloisiusschule in stilisierter, jugendgerechter Ausführung. Auch an anderen Stellen in der Nordeifel hat Matschulla, meistens im kirchlichen Auftrag, Sgraffiti erstellt.

Die Palette seines technischen Könnens reicht bis zu Wandbild und Wandmalerei. Eine der aussagekräftigsten Darstellungen dieser Art ist in der Kirche in Bölingen hinter dem Altar zu finden: Christus mit seinen Jüngern auf dem See Genezareth.

Würdigung als Künstler[4]

Eine Paradoxie in Matschullas Leben ist, dass er seine künstlerische Unabhängigkeit scheinbar nur während des Krieges besaß. Die Jahre davor und danach waren durch die Sorge um das tägliche Brot für sich und seine Familie gekennzeichnet. Dadurch waren sie möglicherweise auch hemmend für seine künstlerische Entfaltung. Als Soldat konnte sich Hanns Matschulla in Russland in voller Konzentration den Erlebnissen widmen. Eine gewisse Schlüsselposition nimmt Matschullas Ölgemälde „de profundis“ (aus der Tiefe) ein. Matschulla beobachtete während eines Tieffliegerangriff die Ängste der russischen Zivilbevölkerung in einem Splittergraben. Das Bild ist tief ergreifend und zeigt beispielhaft die Schrecken des Krieges.

Die eigentliche Bedeutung Matschullas liegt in seinen vielen Darstellungen volkstümlicher Gestalten, meistens während der Arbeit oder in der Fremde. Besonders die Tänze der im südlichen Teil der Sowjetunion wohnenden Volksstämme reizten ihn zu leidenschaftlichen Zeichnungen voller Originalität. Er nutzte jede Gelegenheit, Impressionen als Skizzen festzuhalten, um sie mit nach Hause zu nehmen und später in Farbe, entweder als Aquarell, Buntstift oder Öl, umzusetzen. Der Tropfen slawischen Blutes, den er immer in sich erkannte, hat ihn wohl auch hier inspiriert und beflügelt. Hierin fand er sein eigenes Wesen wieder und bannte es mit Lust und technischer Akribie auf Papier und Leinwand. Eine Vielzahl von Exponaten dieser seiner wesentlichen Schaffensperiode befindet sich im Besitz von Sammlern, meistens in der Nordeifel. Und sie sind Freude im Alltag in ihrer Ausstrahlung und künstlerischen Könnerschaft im Figur und Farbe.

Kaum einem Künstler in der Rhein-Ahr-Region war es gegeben, Vitalität, Bewegungsfreude und Tanzeslust der slawischen Menschen so darstellen zu können wie Matschulla. 1968, kurz vor seinem Tod, unternahm er noch eine Reise nach Griechenland. Von dieser Reise stammt eine Vielzahl farbenprächtiger Aquarelle, die feinsinnig die Erlebnisse in der europäischen Vergangenheit, der Wiege unserer Kultur, schildern. Die Mühle in Griechenland und die Bibliothek in Philippi sind zwei der besten dieser mitgebrachten Arbeiten.

Matschulla hat - aus dem Osten Europas kommend - im Ahrtal Wurzeln fassen können und sich hier zu Hause gefühlt. Er war liebenswürdig, menschenfreundlich mit dem Charme überzeugender Bescheidenheit. Meist war er war allerdings freundlicher Grundstimmung. Eine freudvolle Atmosphäre schwang in ihm bald mit. In der Are-Künstlergilde war er unerbittlich im Ringen nach Qualität. Sein Freund Ernst Karl Plachner hat ihn einmal für eine Zeitschrift interviewt. Wie Matschulla sich selber sah, das findet sich nirgendwo besser als in diesem Satz:

Ich bin kein Mann des Wortes. Die Leute müssen meine Werke ansehen, wenn sie wissen wollen, wer ich bin, wie ich suche und sinne. Wenn ich als Künstler arbeite, führe ich ein Gespräch mit Gott.

Sonstiges

Anlässlich des Umbaus der Aloisius-Grundschule Ahrweiler im Jahr 1955 schuf Matschulla als Sgraffito ein Bild mit dem segnenden St. Aloisius über der Fahnengruppe der Aloisius-Jugend Ahrweiler, das zum Wahrzeichen der Ahrweiler Volksschule wurde. Als die Grundschule im Jahr 1984 in das Gebäude der ehemaligen Berufsschule an der Blankartstraße 13 umzog und das alte Gebäude zwischen dem alten Bau und der Wolfsgasse vor dem Abriss stand, wurde das Matschulla-Bild in die Eingangshalle der neuen Grundschule überführt. Und als im Jahr 2011 die Fassade der Aloisiusschule saniert wurde, ließ die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler das Bild auf Anregung des Heimatvereins Alt-Ahrweiler auf der neuen Außenfassade – wiederum als Sgraffito – anbringen.[5]

Im Jahr 1961 fertigte Hanns Matschulla eine hölzerne Statue des St. Aloisius an, die am Festtag des Heiligen immer in der St.-Laurentius-Kirche in Ahrweiler aufgestellt wurde/wird.

Weitere Bilder

Mediografie

In der Literatur findet sich eine Vielzahl von Veröffentlichungen kleinerer Aufsätze in der Tagespresse, meistens der örtlichen Verlage. Anlass waren die Jahresausstellung der Künstlergilde und das Aufstellen von Auftragswerken des Künstlers durch die Kommunen. Weitere wichtige Aufsätze stammen aus der Feder des Lyrikers Heinz Graef und des Schriftstellers Dr. Walther Ottendorff-Simrock.

Ahrweiler Nachrichten:

  • 1950/59 Künstler Hanns Matschulla
  • 1966/51 Die Are-Künstlergilde ehrte Hanns Matschulla zum 65. Geburtstag
  • 1971/9 Hanns Matschulla schuf das Jubiläumsgeschenk
  • 1971/36 Hanns Matschulla verstorben
  • 1972/1 Gedächtnisausstellung für Hanns Matschulla
  • 1989/14 Gedächtsnisausstellung für Hanns Matschulla

Fußnoten

  1. Quelle: Die ARE-Künstlergilde besteht seit 75 Jahren – 1. Teil – Die Künstler gründeten die Vereinigung mitten im Ersten Weltkrieg, blick-aktuell.de vom 18. Juli 2016
  2. Quelle: Bernhard Kreutzberg: Der Maler und Bildhauer Hanns Matschulla - 1901-1971, Vortragsmanuskript
  3. Quelle: Bernhard Kreutzberg: Der Maler und Bildhauer Hanns Matschulla - 1901-1971, Vortragsmanuskript
  4. Quelle: Bernhard Kreutzberg: Der Maler und Bildhauer Hanns Matschulla - 1901-1971, Vortragsmanuskript
  5. Quelle: aloisiusschule.de: Chronik: Die Geschichte der Aloisius-Jugend Ahrweiler von 1813 e.V. (nach Josef Müller†, aufgearbeitet und aktualisiert von Hans-Georg Klein), gesehen am 25. Oktober 2016