Rotweinwanderweg

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Blick auf Ahrweiler


2022 wurde der Rotweinwanderweg als „Höhepunkt der Weinkultur“ ausgezeichnet.
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Ausblick vom Rotweinwanderweg auf Mayschoß
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Rotweinwanderwegs wurde im Jahr 1998 an der Bachstraße nördlich von Dernau ein Jubiläumsstein aufgestellt.
Infotafel am Wegesrand zum Panoramablick Walporzheim
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Blick vom Rotweinwanderweg aus auf Bad Neuenahr
Wegweise am Rotweinwanderweg oberhalb von Marienthal
Blick vom Rotweinwanderweg bei Lohrsdorf auf die ehemaligen Rebenhänge am Bad Bodendorfer Sonnenberg.
Blick vom Rotweinwanderweg auf Ahrweiler
Startpunkt des Rotweinwanderwegs am Platz vor dem Bahnhof Bad Bodendorf.
Blick vom Rotweinwanderweg aus auf Walporzheim
Hinweis auf den Rotweinwanderweg an der Heinz-Korbach-Hütte in Mayschoß
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Wegmarkierung
Mayschoß - Heinz Grates (35).jpg
Ahrweiler - Heinz Grates (120).jpg

„Lasst durch diesen Weg alle Freunde des Wanderns auch Freunde des Weines und alle Freunde des Weines auch Freunde des Wanderns werden!" Mit diesen Worten eröffnete Heinz Korbach, der damalige Landrat des Kreises Ahrweiler, am 3. Juni 1972 den Rotweinwanderweg (RWW) - in Anwesenheit zahlreicher Wanderfreunde, Weinköniginnen, etlicher Ehrengäste und eines starken Aufgebots an Vertretern von Presse, Hörfunk und Fernsehen. Vier Wandergruppen hatten den neuen Weg zuvor in Abschnitten erwandert und in den durchwanderten Lagen den Ahrburgunder verkostet, bevor sie in der zwischen Mayschoß und Rech gelegenen Schieferlay eintrafen, wo der Wanderweg dann feierlich eröffnet wurde. Liedvorträge und Böllerschüsse umrahmten die feierliche Enthüllung einer Erinnerungsplakette. In den Jahren danach entwickelte sich die durch das größte geschlossene Rotweinanbaugebiet Deutschlands führende Route, die überwiegend durch Rebenhänge, aber auch durch bizarre Felsformationen und auf die Höhen und in die Weinorte auf dem Talboden führenden Weg zu einem der meistfrequentierten Themenwanderwege bundesweit.


Chronik[Bearbeiten]

Mit Finanzmitteln aus dem sogenannten Grünen Plan waren in Dernau bereits in den 1950er Jahren erste Weinbergswege großzügig ausgebaut worden. Auf Initiative des damaligen Landtagsabgeordneten Dr. Georg Habighorst hatte die rheinland-pfälzische Landesregierung die erforderlichen Mittel genehmigt. Daher wurde ein Weg in der Gemarkung Löhschoss nach dem in Ahrweiler lebenden Landtagsabgeordneten benannt. Weil die Winzer zu dieser Zeit noch überwiegend zu Fuß zur Arbeit in die Weinberge gingen, wurden zum (Wetter-)Schutz einige Unterkünfte in die bergseitigen Bruchsteinmauern integriert. Heute fahren die Winzer meist mit Kfz in ihre Wingerte. Wenn die Winzer heute nicht mehr in dem Maß wie früher auf die Schutzhütten angewiesen sind, so können heute Rotweinwanderweg-Wanderer dort eine Rast einlegen und Schutz vor Regen finden.[1] Bis zur Ausweisung des Rotweinwanderweg sollten allerdings noch etwa 20 Jahre vergehen.

Der neue Weg schaffe die Möglichkeit, die Menschen an der Sonne wandern zu lassen, die Landschaft und den Weinbau unmittelbar zu erleben und den köstlichen Rebensaft zu genießen, sagte Landrat Heinz Korbach bei der Eröffnung. Seitdem verbindet dieser Weg, hoch über dem Talboden des Ahrtales verlaufend, die Weinorte des Anbaugebiets Ahr miteinander. Er beginnt auf dem Platz vor dem Bad Bodendorfer Bahnhof, vor wo aus er über 35,6 Kilometer bis zum Aufstieg zur Ruine der ehemaligen Burg Are in Altenahr führt und der das gesamte langgestreckte Anbaugebiet wie ein Band durchzieht.

Bevor es zur Eröffnung des Rotweinanderwegs kam, war in Eifelverein und Kreisverwaltung, hin und her überlegt worden, wie man die Zukunft des Ahrrotweines sichern könne. Eine Vielzahl von Möglichkeiten wurde diskutiert - und wieder verworfen. Bis schließlich der Geistesblitz kam: „Der Weg ist das Ziel“. Und so entschieden die Initiatoren, die Ortsbürgermeister von Dernau, Rech, Mayschoß und Altenahr zusammen mit Jean Linden, Büroleiter der Kreisverwaltung, bei einem Treffen im „Jägerstübchen“ in Mayschoß, fast wie bei einem „Rütli-Schwur“, den Rotweinwanderweg zu bauen. Seine geistigen Väter waren dabei ...

  1. der damalige Landrat Heinz Korbach,
  2. Dr. Karl Näkel (Arzt, Bruder von Willibald Näkel, bis 1987 Vorsitzender des Eifelvereins Dernau),
  3. Konrad Schubach, Ehrenvorsitzender des Eifelvereins, und
  4. der damalige Dernauer Ortsbürgermeister Willibald Näkel.


Die Hauptaufgabe beim Anlegen des Weges lag darin, eine geeignete Route zu finden. Bis zum Bau des Rotweinwanderweges gab es nämlich überall lediglich Wirtschaftswege, die wohl vom Tal aus in die Rebenhänge führten, dort aber nicht quer miteinander verbunden waren. Einzige Ausnahme: Zwischen Dernau und Rech war bereits vor dem Krieg eine Querverbindung hergestellt worden.

Das Ahrtal war bei der Eröffnung des Rotweinwanderwegs bereits seit 150 Jahren Wandergebiet. Längst gab es örtliche Spazier- und Wanderwege, und Wirtschaftswege erschlossen auch die Weinbergslagen. Diese Wege waren aber allesamt auf die einzelnen Weinorte ausgerichtet, während der Rotweinwanderweg eine überörtliche Verbindung und damit die Möglichkeit schaffen sollte, die Weinbergslagen des gesamten Weinbaugebietes ununterbrochen zu durchwandern. Dabei sollten von sämtlichen Weinorten Verbindungen zum Ein- und Ausstieg geschaffen werden. Und der Rotweinwanderweg sollte auf einer Linie mit möglichst wenigen Steigungs- und Gefällstrecken durch die Wingergte verlaufen und seinen Nutzern unterwegs möglichst viele schöne Blicke ins Tal eröffnen.

Beim sogenannten „Linienfeststellungsverfahren" wurde nicht mit optischen Geräten oder Messlatten gearbeitet. Stattdessen sammelten die Männer vom Eifelverein alte Lumpen, Hemden und Handtücher, mit denen sie die mögliche Route markierten. Wie an einer kilometerlangen Wäscheleine festgeklammert, leuchteten aus den Weinbergen die „Signale“. Um die optimale Linie zu finden, mussten die Männer immer wieder in die Weinberge laufen und die dort hängenden Leibchen höher oder tiefer aufhängen. Für die ersten Markierungsarbeiten war der Dernauer Hermann-Josef Schmitz, genannt „Stuck“, verpflichtet worden. Nachdem die Route gefunden war, markierte er den Verlauf, indem er gelbe Punkte auf Felsen oder große Findlinge malte.[2] Im Ergebnis präsentierte sich der neue Wanderweg dann so, als hätte es ihn schon immer gegeben. Der Rotweinwanderweg führte zunächst über eine 30 Kilometer lange Strecke von Altenahr oberhalb von Reimerzhoven und Laach nach Mayschoß und weiter über Rech, Dernau, Marienthal, Walporzheim, Ahrweiler, Bad Neuenahr und Heimersheim bis Lohrsdorf.

Von Seiten der Bevölkerung brachte ihnen das freilich einigen Spott ein. Und die Idee, einen Wanderweg auszuweisen, der mitten durch die Weinberge führte, stieß längst nicht auf ungeteilten Zuspruch. Einige Winzer befürchteten, dass ihre Trauben kiloweise in den Rucksäcken von Wanderern verschwinden. Um das zu verhindern, waren die in die Weinberge führenden Wege nämlich früher in den Wochen vor der Lese für Besucher gesperrt worden, und Feldschütze achteten genau darauf, dass diese Verbote eingehalten wurden. Und Wirte sah kommen, dass die Ahrtalbesucher künftig nur noch über den geplanten Rotweinwanderweg laufen, die Orte und ihre Winzerstuben aber meiden. Nachdem der neue Wanderweg eröffnet war, sollte sich zeigen, dass beide Befürchtungen unbegründet waren. Vielmehr erlebten die Weinorte und Weinstuben des Ahrtales einen regelrechten Boom.

Am 1. Mai 1982, zehn Jahre nach seiner Eröffnung, wurde der Weg aufgrund der großen Resonanz, die er erfahren hatte, von Lohrsdorf nach Bad Bodendorf auf insgesamt 35 Kilometer verlängert. Der damalige Landrat Dr. Egon Plümer, der Sinziger Bürgermeister Heinrich Holstein und Gebietsweinkönigin Hildegard Linden gaben das Teilstück zur Nutzung frei. Mit in das Programm aufgenommen war auch die Einweihung des neuen Quellenstegs Bad Bodendorf über die Ahr. Unter den 300 Gästen: der zwischenzeitlich zum Regierungspräsidenten aufgestiegene Rotweinwanderweg-„Vater“ Heinz Korbach. Der erste Teil des Rotweinwanderweges zwischen Bad Bodendorf und Bad Neuenahr ist zwar nicht so bekannt wie die weitere Strecke in Richtung Altenahr, hat aber nicht minder schöne Ausblicke zu bieten - zum Beispiel vom Lohrsdorfer Kopf bis weit ins Ahrtal hinein und in der anderen Richtung auf den Rhein. Zur Erinnerung an den dort einst blühenden Weinbau haben die Bodendorfer im Jahr 1994 auf dem Vorplatz des Bahnhofs Bad Bodendorf, dem Startpunkt des Rotweinwanderwegs, aus Erlösen des Dorffests Bad Bodendorfs einen Historischen Weinberg Bad Bodendorf errichtet und diesen an Christ Himmelfahrt mit dem erstmals veranstalteten Weinfest Bad Bodendorf eingeweiht.

Und für Wanderfreunde, die nicht nur die pittoreske Landschaft des Ahrtals erkunden, sondern auch etwas über seine Weine lernen möchten, wurde am 29. September 1984 auf dem RWW-Teilstück zwischen Ahrweiler und Walporzheim ein 6,5 Kilometer langer Weinbaulehrpfad eröffnet.

Anlässlich des 25-jährigen Rotweinwanderweg-Bestehens ist im Jahr 1998 oberhalb von Dernau ein Gedenkstein aufgestellt worden.

RWW wird „Höhepunkt der Weinkultur“[Bearbeiten]

Das Deutsche Weininstitut (DWI) hat im Jahr 2022 14 neue „Höhepunkte der Weinkultur“ in nahezu allen deutschen Weinbaugebieten ausgezeichnet. Der Rotweinwanderweg wurde zu einem dieser „Höhepunkte“ gekürt. Das DWI hatte diese Prämierung nach 2010 und 2013 zum dritten Mal in Kooperation mit den Gebietsweinwerbungen vorgenommen, um sowohl die weinkulturelle Vielfalt im Weinland Deutschland stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, als auch um einen Beitrag zur Förderung des heimischen Weintourismus zu leisten. „Die neuen Höhepunkte bringen die Weinkultur in den jeweiligen Regionen in besonderer Form zum Ausdruck und sollen insbesondere kulturinteressierten Touristen als attraktive Anlaufstellen dienen“, erläuterte DWI-Geschäftsführerin Monika Reule bei der Preisverleihung in Bernkastel-Kues. Die ausgezeichneten Höhepunkte der Weinkultur 2022 hat eine unabhängige Fachjury, der Experten aus den Bereichen Tourismus, Geschichte, Kultur und Wein angehörten aus mehr als 50 Vorschlägen der regionalen Weinwerbungen ausgewählt. Die Palette der Vorschläge reichte von Weinkulturlandschaften über Denkmäler bis hin zu Weingütern mit außergewöhnlicher weinkultureller Geschichte und erstreckte sich über elf Weinbaugebiete.[3]

Weitere Bilder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Videos[Bearbeiten]

Eremitage am Rotweinwanderweg

Mediografie[Bearbeiten]

Hörstücke[Bearbeiten]

Der Weg ist das Ziel - Der Rotweinwanderweg wurde jetzt vom Deutschen Weininstitut als „Höhepunkt der Weinkultur 2022“ ausgezeichnet, aw-cast, 4:50 Minuten

Artikel[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

  • Christoph Lüttgen: Rotweinwanderweg, 176 S., Gaasterland-Verlag 2008, ISBN-10: 3935873239, ISBN-13: 978-3935873239
  • Hans-Joachim Schneider: Wanderführer AhrSteig Rotweinwanderweg, 180 Seiten, DuMont 2013, ISBN 9783770180349
  • Jürgen Plogmann: AhrSteig mit Rotweinwanderweg und Ahr-Radweg, Rother Wanderführer, 11,90 Euro
  • Peter Squentz: Die Ahr. Von der Mündung bis zur Quelle in 31 Tippeltouren. 31 Touren und der gesamte Rotweinwanderweg in drei Etappen, Köln 2000

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten