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Ahrwein-Messe am 25. November 2017 im Kurhaussaal in Bad Neuenahr

Ahrtal-Werke GmbH

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Die am 26. Juli 2010 gegründete Ahrtal-Werke GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und der 100-prozentig kommunalen Stadtwerke Schwäbisch Hall. 51 Prozent der GmbH hält die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, 49 Prozent Schwäbisch Hall. Am Stammkapital von 500.000 Euro ist Bad Neuenahr-Ahrweiler entsprechend mit 255.000 Euro beteiligt (Schwäbisch Hall: 245 000 Euro). Beabsichtigt war bei der Gründung auch der Aufbau eines Querverbundunternehmens, das auch die Sparten Gas, Wasser und Bäderbetrieb umfasst. Die Stadtväter von Bad Neuenahr-Ahrweiler versprachen sich von der Gründung Arbeitsplätze vor Ort, Gewinne für den Stadtsäckel, eine Stärkung der kommunalen Daseinsvorsorge, Unabhängigkeit von der Preisdiktatur der großen Energiekonzerne und der Einstieg in eine dezentrale, umweltschonende Energieversorgung.


Die Gründerinnen und Gründer der Ahrtal-Werke.
Messestand der Ahrtal-Werke bei der Ahrtalschau 2010.
Der Aufsichtsrat der Ahrtal-Werke.

Anschrift

Rathaus Bad Neuenahr-Ahrweiler

Hauptstraße 116

53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler (Stadtteil Bad Neuenahr)

Kontakt

Telefon 02641 87-333

Kunden

Bis zum Februar 2011 haben die Ahrtal-Werke rund 1100 Strom- und Gaskunden gewonnen. Bei rund 14.000 Haushalten in Bad Neuenahr-Ahrweiler streben die Stadtwerke langfristig einen Marktanteil von 40 Prozent an.[1]

Im Jahr 2013 ging der erste Teilabschnitt der Fernwärmetrasse zwischen Dahlienweg und Seniorenwohnstift Augustinum in Bad Neuenahr in Betrieb. Etwa 40 Anrainer beziehen seitdem ihre Wärme aus dem Heizkraftwerk der Ahrtal-Werke, unter anderem die Spielbank Bad Neuenahr, Hotels, Kliniken, Sanatorien und Seniorenresidenzen. Rund 14 Millionen Euro hat das Unternehmen in das Fernwärmenetz südlich der Ahr investiert. Langfristig ist an eine Querung der Ahr gedacht. Im Herbst 2013 wurde auch der Kreis Ahrweiler Kunde der Ahrtal-Werke: Landrat Dr. Jürgen Pföhler und Ahrtal-Werke-Geschäftsführer Johannes van Bergen unterzeichneten am Dienstag, 19. November 2013, einen Fernwärmeliefervertrag für das Staatliche Are-Gymnasium Bad Neuenahr, das nur wenige Meter vom Heizkraftwerk der Ahrtal-Werke entfernt steht.[2]

Aufsichtsrat

Dem Aufsichtsrat gehören elf Mitglieder an – fünf aus Schwäbisch Hall, sechs aus der Kreisstadt. Letztere werden vom Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler bestimmt. Die Mehrheitsgesellschafterin Bad Neuenahr-Ahrweiler ist im Gremium durch ihren Bürgermeister Guido Orthen (Vorsitzender des Aufsichtsrats), Elisabeth Graff (SPD), Christoph Kniel sowie Herbert Koll (beide CDU), Wolfgang Schlagwein (Bündnis 90/Die Grünen) und Hermann Josef Tumbrink (FWG) vertreten. Neben dem Oberbürgermeister der Stadt Schwäbisch Hall, Hermann-Josef Pelgrim (stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender), vertreten Hartmut Baumann (Freie Wähler), Andrea Herrmann (Bündnis 90/Die Grünen), Hans Reber (CDU) sowie Dieter Vogt (SPD) die Gesellschafterin Stadtwerke Schwäbisch Hall im Aufsichtsrat der Ahrtal-Werke.

Geschäftsführung

Susanne Strauch (ab 1. Dezember 2013) und Johannes van Bergen, Vorgänger: Heinz Georg Noske (1. Januar bis September 2013). Susanne Strauch führte von der Gründung am 26. Juli 2010 bis zum Jahresende 2012 kommissarisch die Geschäfte.

Mitarbeiter

Vertrieb: Heinz Georg Noske

Mittelfristig würden etwa zehn Mitarbeiter benötigt - zunächst zwei im Vertrieb, sechs für den Stromnetzbetrieb und zwei für technische Dienstleistungen. Je nachdem, wie sich das Unternehmen entwickelt, werde die Mitarbeiterzahl steigen.[3]

Name

Der Name solle es benachbarten Kommune erleichtern, später in das Unternehmen einzusteigen, sagte Bürgermeister Dr. Hans-Ulrich Tappe bei einer Pressekonferenz am Tag der Gründung.

Vorgeschichte, Gründung und Entwicklung

Seit 2007 hatte sich der Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler mit der Gründung eigener Stadtwerke beschäftigt. Anlass, über die Neuorganisation des Netzbetriebes nachzudenken, war der nach 20 Jahren auslaufende Konzessionsvertrag mit der RWE Rhein-Ruhr AG. Mit der Leistung der RWE seien die Stadtväter von Bad Neuenahr-Ahrweiler nicht unzufrieden gewesen, versicherte Bürgermeister Tappe. Ziel der Gründung eigener Werke sei es gewesen, "die Grunddaseinsfunktion der Kommune zu stärken." Mit den Stadtwerken Schwäbisch Hall habe man einen „Partner auf Augenhöhe“ gefunden, sagte Tappe. Der Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler hatte sich am 28. Juni 2010 mit großer Mehrheit für Schwäbisch Hall als Partner entschieden.[4]

Wichtig sei gewesen, mit einem erfahrenen Partner ein beherrschbares Gründungsrisiko einzugehen, sagte Christoph Kniel von der CDU-Fraktion. Die Gründung eigener Stadtwerke eröffne die Chance, dass Gewinne der Allgemeinheit zugute kommen, argumentierte Elisabeth Graff (SPD). Wolfgang Schlagwein (Bündnis 90/Die Grünen) sprach von einer "historischen Entscheidung." Die Stadtwerke-Gründung sei ein wichtiger Schritt in Richtung auf eine dezentrale Energiewirtschaft.

In den nächsten die Wochen würden in der Region Stromverträge angeboten, "zu denen die meisten nicht Nein sagen können", versprach Johannes van Bergen, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch Hall. Neben Strom werde vom ersten Tag an auch Gas angeboten werden. Im zweiten Schritt würden die Ahrtalwerke vom RWE das Stromnetz kaufen.

Im Dezember 2010 beschloss der Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler, das Eigenkapital der Ahrtalwerke um 816.000 Euro aus kommunalen Mitteln zu erhöhen, um in den Aufbau eines Fernwärmenetzes mit Bau eines Blockheizkraftwerks einsteigen zu können.[5]

Für das Jahr 2011 planen die Ahrtal-Werke den Einstieg in die Energieerzeugung, berichtete die Rhein-Zeitung am 5. Februar 2011. Bislang habe sich das Unternehmen ausschließlich mit der Vermarktung von Strom und Gas befasst. Beabsichtigt sei der Bau eines Blockheizkraftwerks (BHKW) im Stadtteil Bad Neuenahr. „Nach derzeitiger Planung soll in den Sommermonaten gebaut werden. Im Spätherbst kann es dann in Betrieb gehen“, sagte die Geschäftsführerin der Ahrtal-Werke, Susanne Strauch, der RZ. Das BHKW solle mit Gas oder Biomasse betrieben werden und 30 Prozent des Strombedarfs von Bad Neuenahr-Ahrweiler decken können. Die bei der Stromerzeugung gewonnene Wärme solle in ein Fernwärmesystem eingespeist werden. Potenzielle Abnehmer seien die Kliniken südlich der Ahr und die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr. Bei dem Projekt gehe es um Investitionen in einer Größenordnung zwischen fünf und zehn Millionen Euro.

Die Aktiengesellschaft verfüge an der Beethovenstraße in Bad Neuenahr über ein eigenes Dampfkesselwerk und ein Dampfleitungsnetz von zwei Kilometern Länge, die – durch begehbare Tunnel geführt – sämtliche Gebäude des Kurbetriebs beliefern: die Ahr-Thermen ebenso wie das Kurhotel Bad Neuenahr, Kurhaus Bad Neuenahr mit Konzerthalle, Spielbank Bad Neuenahr und die Villa Sibilla Bad Neuenahr. Darüber hinaus verkaufe die Kur AG Dampf an benachbarte Kliniken. Aber die Technik sei veraltet und müsse saniert werden. Möglicherweise könne die Kur AG künftig sogar auf eine eigene Wärmeerzeugung verzichten und auf das künftige BHKW der Ahrtal-Werke zurückgreifen.

Seit Frühjahr 2012 beliefern die Ahrtal-Werke die Volksbank RheinAhrEifel eG mit Strom und Gas für alle Bankfilialen im Kreis Ahrweiler.[6]

Am Donnerstag, 25. Oktober 2012, wurde das von den Ahrtal-Werken betriebene Blockheizkraftwerk Bad Neuenahr eingweiht.

Die Ahrtalwerke haben sich im Herbst 2012 - neben den Stadtwerken Schwäbisch Hall und vier vier weiteren Energieversorgern - um die Stromkonzessionsverträge der Rheinstädte Remagen, Sinzig und Bad Breisig sowie der Gemeinden Grafschaft und Burgbrohl beworben. Die gemeinsam verhandelnden Kommunen hatten im Mai 2011 einen Konsortialvertrag geschlossen mit dem Ziel, gemeinsame Stadtwerke zu gründen.[7]

Bei Strom und Gas hätten die etablierten Anbieter immer noch Marktanteile um 80 Prozent, sagte Geschäftsführer Heinz Georg Noske im Januar 2013 der Rhein-Zeitung. Die Ahrtal-Werke wurden "unter ferner liefen" rangieren. Für Privatkunden seien die Ahrtal-Werke zwar günstiger, aber viele würden aus Bequemlichkeit nicht wechseln. Der Geschäftsbereich Fernwärme hingegen habe sich gut entwickelt. Die Ahrtal-Werke hätten inzwischen mindestens 60 Prozent der potenziellen Abnehmer entlang der 3,5 Kilometer langen Trasse gewonnen. Zwischen Krankenhaus "Maria Hilf" Bad Neuenahr und Seniorenwohnstift Augustinum Bad Neuenahr hätten die Werke mittlerweile sogar 80 Prozent (18.000 Megawattstunden) unter Vertrag - dank 22 Großkunden und rund 30 Prozent der Privatverbraucher. Weil das Interesse bei potenziellen Großabnehmern beachtlich sei, werde der Sprung auf die linke Ahrseite geprüft, nämlich in die Lindenstraße, wo neue Großkunden gewonnen werden könnten. Der Kreis Ahrweiler als Schulträger habe ein Angebot für die Berufsbildende Schule angefordert. Dennoch seien die Ahrtal-Werke "weit davon entfernt, schwarze Zahlen zu schreiben", hieß es in der RZ. Das Jahr 2011 habe mit einem Defizit von 243.000 Euro abgeschlossen. Der Ankauf des Stromnetzes von den RWE beschäftige nach wie vor die Gerichte; um den Kaufpreis werde gestritten. Noske hoffe jedoch, "die Ausschreibung für die Stromkonzessionen an der Rheinschiene zu gewinnen, bei der die Ahrtal-Werke einer von sechs Bewerbern ist." Dank der Nähe zum Kunden könne kein anderer Wettbewerber Synergien anbieten wie die Ahrtal-Werke. Sollten die Ahrtal-Werke zum Zuge kommen, dann könnten sie rund 80.000 Bewohner des Ahrkreises erreichen. Anfang März 2013 falle die Entscheidung.[8]

"Die Ahrtal-Werke halten neben der Stromkonzession künftig auch die Gaskonzession in ihren Händen", berichtete die Rhein-Zeitung (RZ) am 2. Juli 2013. Der Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler ermächtigte die Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler am 1. Juli 2013, einen entsprechenden Vertrag für 20 Jahre mit den Ahrtal-Werken abzuschließen. Mit dem Vertrag wird den Ahrtal-Werken rückwirkend ab dem 1. Januar 2013 das Recht eingeräumt, die öffentlichen Verkehrswege im Stadtgebiet für Verlegung und Betrieb eines Gasversorgungsnetzes zu nutzen. Die Energieversorgung Mittelrhein GmbH, bis dahin Konzessionsinhaber, hatte ebenfalls ein Angebot abgegeben, "es entsprach aber weniger gut den vom Stadtrat festgelegten Auswahlkriterien", berichtete die RZ weiter.

Die Energiewende bescherte den Ahrtal-Werken für das Geschäftsjahr 2013 ein dickes Minus: Einem Gewinn in den Sparten Stromvertrieb, Gasvertrieb und Fernwärme in Höhe von rund 219.000 Euro stand ein Verlust von 729.000 Euro in der Sparte Stromerzeugung entgegen. Das ergab einen Jahresfehlbetrag in Höhe von 510.000 Euro. Zusammen mit einem Verlustvortrag aus den Vorjahren in Höhe von 561.000 Euro addierte sich der Bilanzverlust auf mehr als eine Million Euro. Der Umsatz stieg im Vergleich zu 2012 von 4,5 Millionen auf 6,7 Millionen Euro. Das Kraftwerk am Dahlienweg sei "mit dem Paradoxon konfrontiert, dass in ein vorbildliches und politisch gewünschtes Stromerzeugungskonzept investiert wurde und anschließend diese Investitionen durch aktuelle, konträre politische Entscheidungen entwertet werden", sagte Bürgermeister Guido Orthen. Die Politik sorge dafür, dass die Differenz zwischen Börsenpreisen und eingespeisten Strommengen, beispielsweise aus Wind oder Fotovoltaik, immer größer werde und dass die Bevölkerung diese erhöhten Differenzen durch immer höhere Zuschläge nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) bezahlen müsse. Dies bedeute, dass die Masse der Stromkunden von der Förderung der Erneuerbaren Energien nicht profitiere, da sie mit dem Bruttostrompreis die künstlichen Preissenkungen bezahle. Immerhin: 73 Prozent des Strompreises seien Abgaben, Umlagen und Steuern. Im Prognosebericht der Ahrtal-Werke hieß es weiter:

Das Blockheizkraftwerk am Dahlienweg kann nicht voll produzieren, weil die Preissignale an der Strombörse keinen kontinuierlichen Betrieb zu lassen. Die Krise im Strom-Erzeugermarkt wird verursacht durch die Zwangseinspeisung Erneuerbarer Energien an den Strombörsen und einem dramatischen Verfall der Strompreise am Großhandelsmarkt.[9]

In der Rhein-Zeitung vom 25. Juli 2014 hieß es:

Das Problem der Ahrtal-Werke ist eine Entwicklung, die derzeit Stadtwerken landauf, landab zu schaffen macht. Durch den massiven, öffentlich geförderten Ausbau erneuerbarer Energien sinken die Strombörsenpreise. Die Folge: Moderne, hocheffiziente Gaskraftwerke werden stillgelegt, weil sie nicht mehr rentabel sind. ... Seit Baubeginn, beklagt die Stadt, hätten sich die Rahmenbedingungen für die Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung widersprüchlich entwickelt. Habe die Bundesregierung wegen des Ausstiegs aus der Kernenergie noch im Jahr 2012 an die Versorgungsunternehmen und insbesondere an die Stadtwerke appelliert, in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zu investieren, um gegenüber herkömmlichen (Kohle-)Kraftwerken CO2 einzusparen, sei durch den Ökostrom, der an den Börsen „zwangsvermarktet“ werde, zurzeit kein wirtschaftlicher Betrieb möglich. Vor diesem Hintergrund plädiert die Stadt für einen Kapazitätsmarkt, wie ihn der Bund Deutscher Elektrizitäts- und Wasserversorgungsunternehmen (BDEW) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vorgeschlagen haben: Kohle- und Gaskraftwerke sollen Bereitschaftsdienst für stromarme Stunden leisten und diesen bezahlt bekommen.Frieder Bluhm: Energiewende belastet Bilanz der Ahrtal-Werke, rhein-zeitung.de vom 25. Juli 2014

Dass das Kraftwerk tief in der Verlustzone steckt, hänge mit dem Anstieg der Abschreibungen von 42.000 auf 628 000 Euro zusammen, berichtete die RZ weiter. Die Zinsaufwendungen für die rund 14,3 Millionen Euro Schulden der Ahrtal-Werke stiegen in der gleichen Zeit von 151.000 auf 273.000 Euro. Im ersten Quartal 2014 wurde ein Kraftwerksmodul von Erdgas auf Biomethan umgerüstet. Die Betreiber erhoffen sich von dieser Maßnahme, dass die Verluste bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen eingedämmt werden können. Der Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler stimmte dem Jahresabschluss dennoch zu. Der Jahresfehlbetrag wurde als Verlustvortrag in die nächste Bilanz geschoben. Das Eigenkapital schmolz so von vier auf drei Millionen Euro ab. Die Verbindlichkeiten der Ahrtal-Werke beliefen sich auf rund 14,3 Millionen Euro, davon 9,3 Millionen Euro Bankkredite. Der Marktanteil der Ahrtal-Werke lag im Juli 2014 im Stromvertrieb bei 13,3 Prozent, im Gasgeschäft bei 8,2 Prozent. Mit Fernwärme wurden im Jahr 2013 22 Gigawattstunden produziert.[10]

Im Geschäftsjahr 2013 machten den Ahrtal-Werke hohe Verluste in der Sparte Stromerzeugung zu schaffen. Einem Gewinn in den Sparten Stromvertrieb, Gasvertrieb und Fernwärme in Höhe von rund 219.000 Euro stand in der Sparte Stromerzeugung ein Verlust von 729.000 Euro entgegen. Daraus ergab sich ein Jahresfehlbetrag in Höhe von 510.000 Euro. Zuzüglich des Verlustvortrags aus den Vorjahren von insgesamt 561.000 Euro addierte sich der Bilanzverlust auf mehr als eine Million Euro. Die Umsätze der Ahrtal-Werke entwickelten sich von 4,5 Millionen Euro im Jahr 2012 auf 6,7 Millionen Euro im Jahr 2013 und auf gut 13 Millionen Euro im Jahr 2014.[11]

Ankauf des Stromnetzes

Seit ihrer Gründung im Jahr 2010 verhandelten die Ahrtal-Werke mit der RWE AG über die Übernahme des Mittel- und Niederspannungsnetzes in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Anfangs gab es die Forderung der RWE Deutschland AG, wonach das Netz der Kreisstadt rund 21 Millionen Euro wert sei. Ein Gutachten, das die Ahrtal-Werke in Auftrag gegeben hatten, kam hingegen auf einen Wert von lediglich sieben bis acht Millionen Euro. Lange gab es keine Einigung. Stattdessen trafen sich Ahrtal-Werke und RWE zwei Mal vor dem Landgericht in Dortmund. Ein vom Oberlandesgericht Koblenz eingesetzter Obmann kam zu einem ganz ähnlichen Ergebnis kam wie der Gutachter der Ahrtal-Werke. Im Frühjahr 2014 lag der Schiedsspruch auf dem Tisch, und im Juni 2014 legte RWE dann einen ersten Vorschlag vor. Zum 1. Januar 2015 wurde dann ein Vergleich erzielt: Die Ahrtal-Werke kauften das bis dahin von der RWE-Tochter "Westnetz" betriebene Stromverteilnetz und verpachteten es an die Stadtwerke Schwäbisch Hall, die das Netz für vier Jahre an die Westnetz weiterverpachtete. "Auf diese Weise werden Know-how und Erfahrung des Gesellschafters in den Aufbau des Netzbetriebs eingebunden", hieß es dazu in einer Pressemitteilung der Ahrtal-Werke. Der Kaufpreis betrug rund sechs Millionen Euro, wie der General-Anzeiger berichtete. Er sei "von den Gesellschaftern der Ahrtal-Werke, der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler (51 Prozent) und den Stadtwerken Schwäbisch Hall (49 Prozent), aufzubringen." Für den Kauf des Stromnetzes wurde das Stammkapital um 2,5 Millionen auf knapp 6,6 Millionen Euro aufgestockt. Rund 1,2 Millionen Euro steuerten die Stadtwerke Schwäbisch Hall bei, der Anteil der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler betrug, wie im Haushalt 2015 ausgewiesen, rund 1,3 Millionen Euro. Das Netz bestand zum Zeitpunkt des Kaufes aus 145 Stationen, 153 Transformatoren, 103 Kilometern Mittelspannungskabel und 340 Kilometern Niederspannungsleitung und es verfügt über 21.000 Netzanschlüsse. Ab 2019 wollen die Ahrtal-Werke das Netz selbst betreiben. Außerdem wollen sie das Gasnetz der Energieversorgung Mittelrhein in der Kreisstadt übernehmen. Zum 1. Februar 2015 wurde der jährliche Grundpreis erhöht, den die Ahrtal-Werke ihren Kunden in Rechnung stellen: von 84 auf 114 Euro, also um rund 35 Prozent. Der Arbeitspreis wurde im Gegenzug gesenkt.[12]


Fünf Jahre nach Gründung der Ahrtal-Werke ist ihr Schuldenstand höher denn je. Aber die Ahrtal-Werke seien auf einem guten Weg, sagten die Geschäftsführer Johannes van Bergen und Susanne Strauch, also sie die Jahresbilanz 2014 am Montag, 20. Juli 2015, dem Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler vorstellten. Die Verbindlichkeiten seien von 6,7 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 12,4 Millionen Euro im Jahr geklettert. Der Jahresfehlbetrag belaufe sich auf 429.000 Euro (2013: 510.000 Euro). Der Bilanzverlust summiere sich mit dem Verlustvortrag auf 1,5 Millionen Euro. Das ausgewiesene Eigenkapital belaufe sich auf 4,1 Millionen Euro. Die im Jahr 2014 beschlossene Kapitalerhöhung von 2,5 Millionen Euro sei 2014 noch nicht wirksam geworden. Die Entwicklung der Unternehmenskennzahlen sei „bei einem Unternehmen in der Gründungsphase völlig normal“, sagte Geschäftsführer van Bergen. In der Startphase müsse zunächst einmal investiert werden; und diese Investitionen müssten über Kredite finanziert werden. Rund 20 Millionen Euro hätten die Ahrtal-Werke seit ihrer Gründung investiert - vor allem in das Fernwärmenetz und in das Heizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Koppelung. Dass sich der Schuldenstand fast verdoppelt hat, sei auf den Kauf zurück zu führen, das bis 2018 an den früheren Betreiber West-Netz zurückverpachtet wurde. 3000 Kunden und acht Mitarbeiter zählten die Werke inzwischen. Ihr Umsatz sei von 6,9 auf 7,9 Millionen Euro gestiegen. Die Strom-Sparte habe zwei Millionen Euro zum Gesamtergebnis beigetragen (Gas: 1,3 Millionen, Fernwärme 2 Millionen, Kraftwerk 2,5 Millionen Euro). Probleme bereite den Ahrtal-Werken derzeit das Kraftwerksgeschäft: Der Preis an der Strombörse verfalle, der Gaspreis steige. Die Schere klaffe immer weiter auseinander. Aufgrund des milden Wetters sei die Fernwärme-Abnahme außerdem unerwartet gering gewesen. Darüber hinaus werde die Bilanz durch hohe Abschreibungen belastet. Bereits für 2015 rechneten die Geschäftsführer mit einer schwarzen Null. Danach solle es mit den Ahrtal-Werken kontinulierlich aufwärts gehen. „Wir reden dann von sechs- bis siebenstelligen Gewinnen“, sagte van Bergen dem Stadtrat.[13]

Ahrtal-Werke erreichen Gewinnzone

Im Jahr 2015 machten die Ahrtal-Werke erstmals Gewinn. Er belief sich auf 86.646 Euro. Das Ergebnis nach Steuern verbesserte sich damit im Vergleich mit dem Wirtschaftsjahr 2014 (minus 430.000 Euro) um mehr als eine halbe Million Euro. „Der Jahresabschluss zeigt, dass sich die Gesellschaft nach einer anstrengenden Aufbauphase stabilisiert hat und die Ergebnisse in den Sparten zunehmend planbarer werden“, hieß es aus der Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler. Trotz unsicherer Rahmenbedingungen der ins Stocken geratenen Energiewende und trotz der „Schieflagen der deutschen Energiepolitik“ würden die Ahrtal-Werke positiv in die Zukunft blicken. Die Bilanz des Jahres 2015 wies allerdings auch Verbindlichkeiten von mehr als 16 Millionen Euro aus – bei einem Eigenkapital von lediglich 5,166 Millionen Euro. Ihre Umsatzerlöse konnten die Ahrtal-Werke im Vergleich zu 2014 erheblich steigern: 7,9 Millionen Euro setzten die Werke im Jahr 2014 umgesetzt; 2015 lag der Umsatz bei knapp zwölf Millionen. „Das zeigt, dass das Unternehmen kontinuierlich wächst“, stellte Bürgermeister Guido Orthen fest. Aufgrund eines Verlustvortrages von 1,5 Millionen Euro wies die Gewinn- und Verlustrechnung einen Bilanzverlust von rund 1,4 Millionen Euro aus. Für 2016 stehen „Konsolidierung und Erweiterung für die bestehenden Geschäftsfelder an“, hieß es im September 2016. Die Werke wollten in die Erweiterung ihrer Fernwärmetrasse investieren und eine Unternehmenszentrale bauen. Die Ahrtal-Werke belieferten im Jahr 2015 2607 Stromkunden, im Jahr zuvor waren es 2175. Die Zahl der Gas-Kunden stieg von 484 auf 530.[14]

Bilanz 2016

Auch im Jahr 2016 schrieben die Ahrtal-Werke schwarze Zahlen: Das Unternehmen erzielte ein Ergebnis von 66.337 Euro vor Steuern und einen Jahresgewinn von 15.883 Euro. Der Umsatz stieg von knapp 12 auf 12,7 Millionen Euro. Bei einer Bilanzsumme von 22,4 Millionen Euro (2015: 21,8 Millionen Euro) verringerte sich der Bilanzverlust, der sich aus dem Verlustvortrag von 1,414 Millionen Euro aus dem Geschäftsjahr 2015 ergab, auf 1,398 Millionen Euro. Die Absatzmenge bei der Fernwärme stieg auf 33.000 Megawattstunden. Dies entsprach vier Millionen Litern Heizöl. 2016 wurden das Schulzentrum Bachem angeschlossen und die bestehende Holzhackschnitzelheizung in das Fernwärmenetz integriert. Eine Erweiterung auf die Berufsbildende Schule des Landkreises Ahrweiler befand sich in Planung. Im Bereich der Lindenstraße hatte die Erschließung der Innenstadt von Bad Neuenahr begonnen, die in den nächsten fünf Jahren sukzessive an das Fernwärmenetz angeschlossen werden sollte. Das Ziel war, mindestens 40 Prozent der Innenstadt mit Fernwärme zu versorgen. Der Vertrieb von Strom und Gas hingegen blieb hinter den Erwartungen zurück. Gleichwohl stiegen die Abgabemengen: von knapp 15.000 auf rund 17.300 Megawattstunden beim Strom und von 23.000 auf 27.000 Megawattstunden beim Gas. Zur geplanten Übernahme des Gasnetzes von EVM kam es im Jahr 2016. Bereits 2015 hatten die Ahrtal-Werke von der RWE-Tochter Westnetz das städtische Stromnetz übernommen. Weil die Preise an der Strombörse im Keller sind, hatten die Ahrtal-Werke 2015 eines der drei Kraftwerksmodule ihres Heizkraftwerks auf Biomethan umgerüstet, sodass der dort erzeugte Strom nunmehr nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet wird. Rund 25 Millionen Euro haben die Ahrtal-Werke bis dahin investiert. In den kommenden Jahren wollen weitere 15 Millionen Euro in das Wachstum des Unternehmens investiert werden. Fernwärmetrasse und Kraftwerkskapazitäten sollen erweitert werden; außerdem ist der Bau einer Unternehmenszentrale mit Lagerplatz geplant. Für das Stromnetz ist für 2017/2018 außerdem der Bau eines Mittelspannungsschalthauses zur galvanischen Netzentflechtung an der Schnittstelle zum vorgelagerten Netz geplant. Die Verbindlichkeiten der Ahrtal-Werke beliefen sich Ende 2016 auf 14,4 Millionen Euro. Ende 2014 hatte er sich noch auf 19,5 Millionen Euro belaufen.[15]

2017

Im Sommer 2017 wurden zwei weitere Schulen in Trägerschaft des Kreises Ahrweiler an die Wärmeversorgung der Ahrtal-Werke angeschlossen: die Don Bosco- und die Levana-Schule, zwei Förderschulen im Schulzentrum Bachem. Bereits seit 2015 wird das Staatliches Are-Gymnasium Bad Neuenahr von den Ahrtal-Werken versorgt. Der Anschluss insbesondere der Levana-Schule an das städtische Fernwärmenetz sei „auch deswegen sinnvoll, weil das neue Bewegungsbad für die körperlich behinderten Levana-Schüler ganzjährig genutzt wird und ein entsprechender Bedarf an Warmwasser besteht“, hieß es in einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung Ahrweiler.[16]

Siehe auch

Blockheizkraftwerk Bad Neuenahr

Mediografie

Weblink

http://www.ahrtal-werke.de

Fußnoten

  1. Quelle: Rhein-Zeitung vom 5. Februar 2011
  2. Quelle: Der Kreis ist nun Kunde der Ahrtal-Werke, general-anzeiger-bonn.de vom 20. November 2013
  3. Quelle: Rhein-Zeitung vom 5. August 2010
  4. Quelle: Kreisstadt gründet eigene Stadtwerke, rhein-zeitung.de vom 27. Juli 2010
  5. Quelle: Rhein-Zeitung vom 17. Dezember 2010
  6. Quelle: Rhein-Zeitung vom 10. März 2012
  7. Quelle: Rhein-Zeitung vom 26. Oktober 2012
  8. Quellen: Victor Francke: „Wir sind hocheffizient“ - Die Ahrtal-Werke wollen kräftig expandieren. Fernwärmenetz kann weiter ausgebaut werden, in: General-Anzeiger vom 26. Januar 2013, und Frieder Bluhm: Ahrtal-Werke wollen weiter wachsen - Städtisches Tochterunternehmen ist bisher nur beim Thema Fernwärme erfolgreich, in: Rhein-Zeitung vom 26. Januar 2013
  9. Quelle: Victor Francke: Kräftiger Verlust: Ahrtal-Werke unter Druck, general-anzeiger-bonn.de vom 25. Juli 2014
  10. Quelle: „Die Preise sind im Keller“ - Ahrtal-Werke-Geschäftsführerin Susanne Strauch zu Strommarkt, Börse und Rückstellungen (Interview), in: General-Anzeiger vom 30. Juli 2014
  11. Quelle: Frieder Bluhm: Ahrtal-Werke: Netzkauf belastet Kunden nicht - Geschäftsführerin Susanne Strauch beklagt verzerrte Marktbedingungen an der Strombörse, in: Rhein-Zeitung vom 13. Januar 2015
  12. Quellen: Victor Francke: Ahrtal-Werke kaufen Stromnetz in Bad Neuenahr-Ahrweiler, general-anzeiger-bonn.de vom 29. Dezember 2014, Frieder Bluhm: Ahrtal-Werke: Netzkauf belastet Kunden nicht - Geschäftsführerin Susanne Strauch beklagt verzerrte Marktbedingungen an der Strombörse, in: Rhein-Zeitung vom 13. Januar 2015, und Frieder Bluhm: Strauch: Netzkauf ist für uns ein großer Erfolg - Ahrtal-Werke-Chefin im RZ-Gespräch (Interview), in: Rhein-Zeitung vom 13. Januar 2015
  13. Quelle: Frieder Bluhm: Ahrtal-Werke trotz hoher Schulden auf Kurs - Umsatz stieg 2014 auf knapp 8 Millionen Euro an – 1,5 Millionen Bilanzverlust, in: Rhein-Zeitung vom 21. Juli 2015
  14. Quelle: Victor Francke: Bilanz der Ahrtal-Werke: Der lokale Versorger macht erstmals Gewinn, general-anzeiger-bonn.de vom 20. September 2016
  15. Quelle: Frieder Bluhm: Ahrtal-Werke bleiben auf Gewinnkurs – Bilanz Schmales Plus bei wachsendem Umsatz – Millioneninvestitionen sind geplant, in: Rhein-Zeitung vom 13. Juni 2017, siehe auch:
  16. Quelle: Kreis ist mit drei Schulen Kunde der Ahrtal-Werke – Don-Bosco und Levana angeschlossen - Are-Gymnasium seit 2015, Pressemitteilung der Kreisverwaltung Ahrweiler vom 21. Juli 2017